Ulrichsfest

"Wir dürfen als Gläubige nicht verstummen"

Beim Pontifikalamt zum Hochfest des hl. Ulrich hat Bischof Dr. Bertram Meier dazu aufgerufen, sich von Vorbildern des Glaubens in Geschichte und Gegenwart stärken zu lassen. (Fotos: Maria Steber / pba)
04.07.2021 13:50

Augsburg (pba). Beim Pontifikalamt zum Hochfest des hl. Ulrich hat Bischof Dr. Bertram Meier dazu aufgerufen, sich von Vorbildern des Glaubens in Geschichte und Gegenwart stärken zu lassen. Hierbei erinnerte er vor allem an den hl. Ulrich sowie den hl. Josef, dem das Leitwort der diesjährigen Ulrichswoche gewidmet ist: „Patris corde – Mit dem Herzen eines Vaters“.

Gerade in Zeiten der Pandemie, die nicht nur in Unternehmen und Betrieben, sondern auch in vielen Familien ihre zerstörerische Kraft gezeigt habe, können uns der Nährvater Jesu „für viele, ganz unterschiedliche Lebensentwürfe Ansporn und Beispiel sein“, stellte Bischof Bertram in seiner Predigt fest. Ausdrücklich ermutigte er die Gläubigen dabei, „sich nicht vordergründig am Mann-Sein des hl. Josef zu orientieren“ und das Geschlecht eines heiligen Menschen als maßgeblich für seine Verehrung zu sehen. „Eine Kirche aus Frauen gegen eine Männerkirche zu stellen, bringt uns nicht weiter. Ziel ist eine geschwisterliche Kirche“, betonte er.

Auch Bischof Ulrich habe uns große Fußstapfen hinterlassen, in die wir als Christen beherzt treten sollten, stellte Bischof Bertram ausgehend von der Vita des hl. Ulrich fest. Er verwies auf einen vermeintlich unscheinbaren Aspekt seiner Biographie, nämlich eine besondere Form der Laktose-Intoleranz, an der Bischof Ulrich als Baby wohl gelitten habe. Bischof Bertram: „Wer so früh in Lebensgefahr schwebte, der ist davon geprägt und weiß um die Zerbrechlichkeit und Herrlichkeit des Lebens“. Unabhängig vom Bild des Bischofs als entschlossener und ehrfurchtsheischender „Streiter in Not“, zeige seine Biographie auch eine fürsorgliche und liebevolle Seite. Diese habe er auch als Bischof gezeigt, vor allem gegenüber den Bedürftigen: „Bischof Ulrich hat die Ärmsten der Armen in seine unmittelbare Nähe eingeladen.“ Die Randständigen habe er in seine Mitte genommen, ihnen dadurch buchstäblich „An-sehen“ gegeben und ihre Würde gestärkt.

In Anlehnung an den hl. Ulrich, der seinen bischöflichen Dienst als geistliche Vaterschaft begriffen habe, lud Bischof Bertram auch die Gläubigen dazu ein, geistliche Elternschaft zu übernehmen: „Gerade die Empathischen und Einfühlsamen unter uns möchte ich ermuntern: Erzählen Sie von beglückenden Erlebnissen, von Gotteserfahrungen, die ihr Leben in die Tiefe führten, von Menschen, die selbstlos und großherzig sind, die verantwortungsbewusst und mutig für andere eintreten.“ Die geistliche Elternschaft bestehe darin, der nächsten Generation Raum zu geben, ihr Achtung und Interesse entgegenzubringen.

Bezugnehmend auf die zahlreichen Missbrauchsfälle und Vertrauensbrüche von Seiten der Kirche, betonte Bischof Meier: „Wir dürfen über all dem Furchtbaren, von dem wir wissen, die frohe, befreiende Botschaft nicht verschweigen. Wir dürfen als Gläubige nicht verstummen, sondern müssen im Gegenteil auf das Gute und Gelingende, Lebensfördernde und Befreiende in unserem Glauben und bei denjenigen hinweisen, die ernst machen mit der Nachfolge Jesu.“  

 

Predigt von Bischof Dr. Bertram Meier zum Hochfest des hl. Ulrich am 4. Juli 2021

 

 

Im Rahmen der Ulrichswoche vom 3. bis 11. Juli werden in der Basilika St. Ulrich und Afra wieder zahlreiche Gottesdienste gefeiert. Werktags wird es jeweils um 12 Uhr eine Messe zum heiligen Ulrich geben, ein Wallfahrtsgottesdienst wird täglich um 19 Uhr mit verschiedenen Zelebranten gefeiert. Coronabedingt finden diese wie im vergangenen Jahr ohne die traditionellen Prozessionen statt.

(Foto: Maria Steber / pba)
(Foto: Maria Steber / pba)