Philosophisches Seminar vom Freitag, 9. Oktober bis Samstag, 10. Oktober 2015
Die Aufwertung der ästhetischen Erfahrung in der neueren Philosophie
Ausgehend von Alexander Gottlieb Baumgarten (1714-1762), der die Ästhetische Philosophie neu begründete und sie als philosophische Disziplin einführte, referierte Professor Hans Peter Balmer zu vier philosophischen Denkern verschiedene Annäherungen an das Thema:
Friedrich Schiller (1759-1805) der ein Programm der ästhetischen Bildung forderte und mit dem Schlüsselbegriff „Spiel“ den Ausgleich zwischen Sinnlichkeit und Vernunft vermittelte: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“
Friedrich Schlegel (1772-1829) stellt über die Vernunft die frei schwebende Phantasie – ein Universum, das im Werden ist. Das ästhetische Genie und die ästhetische Ironie treten dabei in den Vordergrund.
Sören Kierkegaard (1813-1855) kritisierte die „Unangemessenheit der Philosophie als reiner Theorie des absoluten Geistes“ wie sie von Schelling und Hegel vertreten wurden. Für Kierkegaard hat die Philosophie nur dann Sinn, wenn sie die existierende Wirklichkeit des Menschen im Blick hat. Die Analyse des Ästhetischen führt zur Demonstration des Ethisch-Religiösen, die darin mündet: „Geist ist, wie tot zu leben“.
Die Verbindung von Ästhetik, Moralistik und Mystik zeigt schließlich Friedrich Nietzsche (1844-1900) auf. Die Sinne müssen zu Ende gedacht werden. Dabei ist der Geist die innerste und intensivste Lebendigkeit des Lebens selbst: „Man muss das künstlerische Grundphänomen verstehen, welches Leben heißt – den bauenden Geist“.