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GOTTES LIEBE SUCHT AUGENHÖHE. Wie die lebendige Krippe des Hl. Franz zum 800sten Jubiläum weltweit wirkt

18.01.2024 15:04

Abendvortrag von Br. Dr. Niklaus Kuster, OFMCap mit einem Filmausschnitt aus „Chiara e Francesco“

Fernwirkungen eines entschiedenen auch interreligiösen Zeichens

Die Franziskusforschung vorgestellt von Br. Dr. Niklaus Kuster OFMCap im Akademischen Forum Augsburg überrascht: Die Teilnahme am 5. Kreuzzug lehrte den Heiligen Franz den interreligiösen Dialog.

Einen denkwürdigen Abend verbrachten rund 120 Teilnehmende im Akademischen Forum der Diözese Augsburg anlässlich des 800-Jahrjubiläums der Krippe von Greccio des Hl. Franz von Assisi. Für die Vorführung der Greccioszene aus dem italienischen Film „Chiara e Francesco“ mit freundlicher Genehmigung der RAI wurde eine deutsche Untertitelung erstellt.

Nach einem Zusammenkommen bei weihnachtlichem Gebäck, Tee und Wein führte Br. Dr. Niklaus Kuster in das Apostolische Schreiben über die Weihnachtskrippe Admirabile Signum von Papst Franziskus ein. Der stimmungsvolle Einstieg führte zur ersten überraschenden Einsicht: Die Krippe von Greccio begründet keineswegs, wie oft behauptet, die Tradition der Weihnachtskrippe, die es schon zuvor gab. Dennoch wird Greccio zur Chiffre für die Krippentradition: Die Weihnachtsfeier mit einer leeren Krippe, lebendigem Ochs und Esel, Franziskus, seinen Brüdern und den Dorfbewohnern im Freien bringt die Weihnachtsbotschaft existentiell ins Herz der Menschen: Gottes Liebe sucht Augenhöhe.

Viel spricht dafür, dass der Hl. Franz diese Glaubenseinsicht aus seiner Erfahrung vom 5. Kreuzzug her auf alle Menschen hin öffnet. Er stellt nur einen Ochs und Esel neben die leere Krippe, über der die Eucharistie gefeiert wurde, und deutet diese Installation. Ochs und Esel symbolisieren seit der Väterzeit Juden und Heiden – auch diesen gilt die Liebeszusage des Heilands und die Verheißung: Allen Menschen ist der Friede Gottes zugesagt, menschgeworden in seinem Sohn. Sichtbar widerspricht diese Botschaft jeder Idee Heiliger Kriege. Kurz vor der Feier in Greccio musste Franziskus hinnehmen, wie Rom das Kapitel über das interreligiöse Zusammenleben aus der Ordensregel strich. Sanft steht die starke Symbolik von Greccio dennoch für seine Überzeugung. Diese teilt der Heilige heutzutage mit Papst Franziskus, dessen große Fortschritte im interreligiösen Dialog, wie die Erklärung von Abu Dhabi, Br. Niklaus einem spürbar ergriffenen Publikum vorstellte.