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Predigt von Bischof Dr. Bertram Meier zur Eröffnung der Rätschaktion in Ziemetshausen

„Licht sein in der Welt“

26.03.2024 09:17

Jedes Jahr aufs Neue freue ich mich auf die Rätschaktion, bei der wir alle gemeinsam „Lärm für die Eine Welt“ machen und Spenden für einen guten Zweck sammeln. Toll, dass so viele von euch hier in Ziemetshausen, aber auch in etlichen anderen Pfarreien des Bistums mitmachen.

Ihr setzt dadurch ein beeindruckendes Zeichen, dass junge Christinnen und Christen gerade jetzt, am Beginn der heiligen Woche, lautstark die Botschaft Jesu verkünden und sich für benachteiligte Menschen engagieren. Unser Beauftragter für weltkirchliche Angelegenheiten, Herr Stegmair, hat ja eben schon darüber erzählt, wofür die gesammelten Gelder in Uganda eingesetzt werden. Ich finde es großartig, dass wir mit dem Projekt „Hosfa“ in Mityana nicht nur die Schulausbildung Hunderter Kinder und Jugendlicher fördern, sondern seit Kurzem auch Studierende an der Berufsschule im Bereich der Solartechnik ausbilden. Wir wissen alle: Ohne Strom, kein Licht, und damit ein Leben in Dunkelheit. In vielen Ländern der Welt ist das leider Realität. Durch unser Projekt wollen wir das ändern und Menschen dazu befähigen, mit der Hilfe neuer Technologien die Kraft der Sonne zu nutzen.

Apropos Sonne - wer hat gut aufgepasst? Gerade eben haben wir einen kurzen Abschnitt aus der Bergpredigt Jesu gehört, worin ebenfalls von der Sonne die Rede war, die Gott über Guten und Bösen gleichermaßen aufgehen lässt (vgl. Mt 5,45). Was bedeutet das eigentlich? Darüber möchte ich heute mit euch ein wenig nachdenken und zwei kurze Gedanken mitgeben.

 

1. Finsternis

Der erste handelt von der Finsternis. Wenn Jesus uns etwas lehren will, nutzt er dafür gerne Bilder. Eines davon ist der Gegensatz von Licht und Dunkelheit. Erst vor zwei Wochen sprach Jesus im Evangelium vom vierten Fastensonntag davon, dass er selbst als Licht in die Welt kam (vgl. Joh 3,19), um die Menschen zu erleuchten, oder etwas einfacher gesagt, sie zum Glauben und zu einem guten Leben zu führen. Wer auf die Worte Jesu hört, dem geht sozusagen ein Licht auf. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, welche die Finsternis mehr lieben als das Licht, wie Jesus es im Gleichnis sagt (vgl. Joh 3,19). Damit sind Menschen gemeint, die nur auf sich selbst schauen und anderen durch ihre bösen Taten Schaden zufügen. Wir alle kennen solche Leute. In den Nachrichten hören wir jeden Tag von Menschen, die anderen weh tun, die lügen und ihre Macht allein für den eigenen Vorteil missbrauchen. In Uganda gab es beispielsweise mal einen brutalen Diktator namens Idi Amin, der Hunderttausende umbringen ließ, um seine Alleinherrschaft zu festigen – die Älteren unter uns werden sich vielleicht noch erinnern.

Aber es sind nicht nur die Machthaber in Politik und Gesellschaft, welche unsere Welt verdunkeln und Leid über Menschen bringen. Auch bei uns im Kleinen gibt es Dunkelheit. Das beginnt schon bei unserem Verhalten im Alltag, zum Beispiel bei der Begrüßung. Es ist doch spannend, dass Jesus dieses vermeintlich unbedeutende Ritual in seiner Bergpredigt aufgreift und deutlich kritisiert, wenn Menschen nur diejenigen freundlich grüßen, die sie kennen (vgl. Mt 5,47). Offensichtlich ist das aufeinander Zugehen und die Wahrnehmung des anderen für Jesus also etwas ganz Wichtiges. Ihr könnt in den kommenden Tagen ja mal darauf achten, wie andere Menschen euch begegnen. Manche sagen gar nichts, andere schauen weg oder wirken gar misstrauisch. Zugleich könnt ihr euch selber beobachten, wie ihr auf eure Mitmenschen zugeht.

Seid ihr offenherzig und verhaltet euch so, dass andere sich in eurer Gegenwart wohlfühlen können? Ich denke, man kann die Worte Jesu so verstehen, dass ein friedliches Zusammenleben ganz wesentlich von einer Haltung der Wertschätzung abhängt, die wir anderen entgegenbringen. Darum ist es äußerst besorgniserregend, dass die Atmosphäre in unserer Gesellschaft immer aggressiver zu werden scheint. Die Hemmschwelle, andere respektlos zu behandeln und Fremden mit Ablehnung oder gar Hass zu begegnen, wird immer niedriger. Ganz besonders gilt das für das Internet, wo Menschen unter dem Deckmantel der Anonymität andere in übelster Weise schlechtmachen und beleidigen. Ich bitte euch: Macht bei so etwas niemals mit! Auch nicht, indem ihr abfällige Kommentare über andere liked. Denn hier beginnt wahres Christsein: Die Würde eines jeden Mitmenschen zu achten, und Hetzerei und Mobbing entschieden entgegenzutreten.

Die Fastenzeit ist ein guter Anlass einmal darüber nachzudenken, wie wir real, aber auch in den sozialen Medien über andere sprechen. Menschen können sehr verletzt werden, wenn andere über sie lästern oder sie auslachen. Darum möchte ich euch, und Sie alle, gerade jetzt in der Karwoche ermutigen, selbstkritisch in den Spiegel zu schauen und sich zu fragen, ob es nicht mal wieder Zeit wäre, zur Beichte zu gehen, auch wenn das für manche Überwindung kostet. Seien wir ehrlich zu uns selbst und lassen wir Christus, das Licht, in unser Herz. Er vertreibt all unsere Dunkelheit und schenkt uns inneren Frieden.

 

2. Licht

Damit komme ich zu meinem zweiten Gedanken, denn es reicht nicht, dass wir nur mit uns selbst im Reinen sind. So wie Jesus jede und jeden von uns innerlich zum Strahlen bringen will, möchte er zugleich, dass unser Licht auch für andere scheint. Dies kann auf vielerlei Weise geschehen. Durch euren Einsatz als Ministrantinnen und Ministranten bringt ihr euch beispielsweise auf großartige Weise in der Gemeinde mit ein und erfüllt einen wichtigen liturgischen Dienst. Viele von euch gehen außerdem jedes Jahr als Sternsinger von Haus zu Haus, bringen den Segen und sammeln Geld für notleidende Kinder. Danke dafür! Und schließlich, wenn wir heute alle miteinander rätschen, rütteln wir andere damit auf und verkünden unüberhörbar eine wichtige Botschaft: Die Zeit ist gekommen umzukehren, sich innerlich auf Ostern vorzubereiten, durch Fasten und Gebet, aber eben auch dadurch, dass wir den Blick für unsere Mitmenschen haben und Ihnen Gutes tun.

Jesus geht sogar so weit, dass er sagt, wir müssen unsere Feinde lieben (Mt 5,44). Für uns in Deutschland kann das heißen, dass wir denjenigen verzeihen, die uns auf irgendeine Weise verletzt haben. Überlegt mal, ob euch da jemand einfällt. Machen wir uns aber auch klar, um wie viel schwieriger das derzeit in Ländern wie der Ukraine oder in Israel ist, wo das Wort „Feind“ nochmal eine ganz andere Bedeutung hat. Hier herrscht echter Krieg. Fronten sind verhärtet und Gewalt wird in der Regel mit Gegengewalt beantwortet. Jesus stellt uns hierzu die Frage: Wie soll denn Frieden entstehen, wenn keiner bereit ist, auf den anderen zuzugehen? Das ist angesichts des vielfach erlittenen Leids ohne Zweifel aber sehr schwer. Ein wichtiger Beitrag, den wir als Christinnen und Christen hier in Deutschland in dieser Situation leisten können, ist, dafür zu beten, dass Gott die Herzen der Verantwortlichen anrühre und Wege des Friedens gefunden werden können.

 

Liebe Kinder und Jugendliche, liebe Erwachsene,

am Ende bleibt also die Erkenntnis: Es gibt immer zwei Wege im Leben: den Weg des Lichts und des Guten - und den Weg der Finsternis und des Bösen. Jeden Tag können und müssen wir uns in vielen Einzelsituationen entscheiden, welchen Weg wir wählen. Dabei will uns Gott stets mit seinem heiligen Geist begleiten und führen. Mit der Eröffnung der Rätschaktion 2024 haben wir heute in jedem Fall eine gute Entscheidung getroffen, die uns selbst Freude bereitet und anderen hilft. Lasst uns darum gemeinsam rätschen und als Schwestern und Brüder Licht sein in der Welt!