am 4. Mai 2024
Den Willen Gottes suchen und finden
Lieber Herr Pfarrer Kocher, lieber Richard, lieber Herr Diakon Martin, liebe Schwestern und Brüder im Glauben an den menschgewordenen und auferstandenen Herrn, zu Beginn des Marienmonats und am Vorabend des 6. Sonntags in der Osterzeit feiern wir anlässlich des Mariathons mit einem ganz besonderen Gast: Unter uns ist der Reliquienschrein der heiligen Anna Schäffer von Mindelstetten (1882-1925).
Sie hat in ihrem Leben den Worten des Apostels Johannes aus der Lesung Fleisch und Blut gegeben. Mit ihrem ganzen Sein hat sie die Liebe gelebt und damit gleichzeitig immer von sich weg auf den verwiesen, der die Liebe selbst ist, die gekreuzigte und auferstandene Liebe: unser Herr Jesus Christus.
Mit seinem Sohn hat Gott die engen Grenzen, die wir Menschen nur allzu gern auch untereinander ziehen, gesprengt: Das ist der Lernprozess, den Petrus trotz oder gerade wegen seiner bevorzugten Rolle innerhalb des Jüngerkreises durchgemacht hat. Die Episode aus der Apostelgeschichte, die wir soeben, auf die zentralen Aussagen verkürzt, hörten, gibt unbestechlich Auskunft darüber, wie der Felsenmann durch Erfahrung und durch Gebet seine eingefleischten Vorstellungen von dem, was Gottes Wille ist, auf den Prüfstand stellen musste. Er erkennt, dass Gott es ist, der Menschen in seine Nachfolge beruft, und wir nicht das Recht haben, diese Freiheit Gottes nach unserer Fasson einzuengen. Petrus ist sich nicht zu schade, sein eigenes nationales Denken als Irrweg zu kennzeichnen: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.“ (Apg 10,34f.)
Ich finde es sehr sympathisch, wie Petrus spontan in Begeisterung ausbricht, weil Kornelius, ein Heide und doch zugleich ein Mystiker, dem im Gebet „ein Mann im leuchtenden Gewand“ (Apg 10,30) erschienen war, keine Mühen gescheut hat, um vom Menschenfischer die frohe Botschaft von Leben und Leiden, von Tod und Auferstehung Jesu Christi zu hören: „Jetzt sind wir alle hier vor Gott zugegen, um all das anzuhören, was dir vom Herrn aufgetragen worden ist“, heißt es in der Apostelgeschichte (Apg 10,33) - Und wir? Welche Strapazen wären wir bereit, für Christus und seine Botschaft auf uns zu nehmen?
Den römischen Hauptmann Kornelius und Anna Schäffer verbindet über die Jahrtausende hinweg die Sehnsucht nach dem, der von sich sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Und täuschen wir uns nicht: Auch wenn Anna Schäffer die Hälfte ihres Lebens ans Bett gefesselt war, hat sie einen weiten und steinigen, aber fruchtbaren Weg zur mystischen Reife zurückgelegt und ist so immer tiefer in die Wahrheit hineingewachsen. In einem äußerlich unscheinbaren, von Schmerzen und scheinbarer Monotonie geprägten Leben hat sie die Gegenwart Gottes erfahren. Sie war arm und hat doch viele reich gemacht, die zu ihr kamen und sie um ihr Gebet baten. Doch mit ihr tauschen, das hätte wohl keiner von uns gewollt…
Nachfolge Jesu ist kein Kinderspiel, es ist eine ernste Sache, die mein ganzes Leben umkrempeln kann. Denn es heißt: Ich überlasse es Gott, welchen Weg er mich führt, ich vertraue ihm, dass er mich nicht über meine Kräfte versucht oder mir die Kraft gibt, im entscheidenden Moment zu ihm zu stehen, bei ihm zu bleiben – unterm Kreuz auf Golgotha und in Mindelstetten, in Balderschwang und wo auch immer wir unseren Lebensmittelpunkt haben.
Zu allen Zeiten bedeutet es ein Wagnis zu glauben: Für Maria, die in Nazareth auf die Botschaft des Engels hin, sich ihr Leben komplett aus der Hand nehmen ließ und ein lebenslanges Ja gesprochen hat; für die junge Schreiner-Nandl, die durch Fleiß und Sparsamkeit ihrem Ziel, als Ordensfrau in die Mission zu gehen, näher kommen wollte und dann buchstäblich kaum mehr einen Fuß vor den anderen setzen konnte – oder schauen wir Petrus an, ein Fischer aus Bethsaida, dem man auch nicht an der Wiege gesungen hatte, dass er dem Messias begegnen würde und sein Leben am Kreuz in Rom, im Herzen des damaligen Weltimperiums, beschließen würde. Ja, man könnte glatt Angst bekommen, wenn man sich diese Biographien vergegenwärtigt…
Und doch: Gott ist jedem nahe, der sich ihm vertrauensvoll überantwortet und er verheißt uns seine Liebe - ein inneres Glück, das uns niemand nehmen kann, eine Freundschaft, die ewig währt. Vertrauen auch wir seiner Verheißung: „Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet“ (Joh 15,16) und wir werden das Glück unseres Lebens finden!