Zusammenstehen, um zu beten
Liebe Vertreterinnen und Vertreter der Religionsgemeinschaften, Liebe Mitglieder der Frauengruppe Religions for peace Augsburg-Schwaben, liebe Vorbereitende und Mitglieder der Bischöflichen Kommission, liebe Gäste, ganz herzlich danke ich Ihnen als Diözesanbischof von Augsburg, dass Sie unserer Einladung in das Benediktinerkloster St. Ottilien gefolgt sind.
Auch den Mönchen von St. Ottilien, allen voran Bruder Josef Götz als Mitglied unserer Kommission für Ökumene und interreligiösen Dialog, danke ich für die freundliche Übernahme der Gastgeberrolle. Dies ist nun schon zum dritten Mal der Fall - für den jährlichen interreligiösen Begegnungsabend, den wir 2014, also vor zehn Jahren, initiiert haben. Damals war ich als Bischofsvikar verantwortlich für solche Austauschformate, heute darf ich erstmals als Bischof wieder Teil dieses Abends sein, nachdem letztes Jahr leider ein schweres Unwetter und Stau dafür sorgte, dass ich auf halben Weg umkehren musste.
Gewidmet ist dieser Abend einem immer aktuellen, doch in den letzten Monaten geradezu drängenden Thema, der „Friedensarbeit in den Religionen.“ Als Vorsitzender der Kommission Weltkirche bei der Deutschen Bischofskonferenz und ebenso der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog gehört es zu meinen vornehmsten Aufgaben als Botschafter des Friedens unterwegs zu sein.
Ich nenne nur ein paar Stichworte: 2021 konnte ich zusammen mit dem Generalsekretär des Hohen Komitees für menschliche Geschwisterlichkeit, Richter Mohamed Mahmoud Abdelsalam, das Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen würdigen, das Papst Franziskus und der Scheich der ägyptischen al-Azhar, Großimam Ahmad al-Tayyib, 2019 in Abu Dhabi unterzeichnet haben. Aus katholischer Perspektive knüpft es unmittelbar an die päpstliche Enzyklika „Fratelli tutti“ an und steht in der Tradition jener Gebetsinitiative, die unter Papst Johannes Paul II. 1986 in Assisi begonnen hatte: „Stare insieme per pregare“ lautete damals die schlichte Vorgabe. Daraus entwickelte sich ein Format des multireligiösen Gebetes, das katholischerseits bei vielen Orden, der Gemeinschaft von Sant’Egidio, bei Pax Christi und in zahlreichen interreligiösen Kreisen, besonders aber in den Schulen und an Universitäten gepflegt wird. Zusammenstehen, um zu beten – ist eine Chance, Friedensräume zu eröffnen: im eigenen Innern, unter Angehörigen verschiedener Konfessionen und Religionen und dabei sich kennenzulernen, um voneinander zu lernen, wie wir immer mehr dem Bild entsprechen können, das der Schöpfer von uns hat. Jede und jeder von uns hat eine große Verantwortung für den Frieden, und in jeder Religion gilt es, den Schatz des Friedens zu heben und zu teilen – damit er sich vervielfältige!
So wünsche ich uns heute Abend einen guten Austausch, getragen von Vertrauen und Empathie – möge das Kloster St. Ottilien eine Insel des Friedens sein, die in die Welt hinausstrahlt und jeder und jedem von uns Kraft und Mut gibt für unseren Alltag!