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UM NICHT ZU VERGESSEN. Porträts der Shoa – ein Projekt König Charles‘ III.

28.01.2026 13:06

Vorträge mit Prof. Lea Wohl von Haselberg und Dr. Oliver Class und Künstlergespräch mit Massimiliano Pironti zum Shoa-Gedenktag 2026 in Kooperation mit der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben – Augsburg und weiteren

(v.l.): Der Kunsthistoriker Dr. Oliver Class, der Maler Massimiliano Pironti, die Medienwissenschaftlerin Prof. Dr. Lea Wohl von Haselberg und der Leiter des Akademischen Forums, Frederic-Joachim Kaminski (Foto: Ulrich Bobinger/pba)

Über folgenden link gelangen Sie zu einem kurzen Video auf youtube:

Bericht von katholisch1TV

Hier zur Videoaufnahme des Abends:

https://www.youtube.com/watch?v=U9TRLK3px_s

 

Der Abend wurde gemeinsam mit der Israelitischen-Kultusgemeine Augsburg-Schwaben und in enger Absprache mit den Jüdischen Studien, Universität Augsburg, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Augsburg und Schwaben e.V. und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Augsburg-Schwaben e.V. ausgerichtet. 

Mit 100 Teilnehmenden, darunter Polizeipräsident Wilhelm, Kulturreferent Enninger und zahlreichen Dozenten aus verschiedenen Fakultäten, Grußworten der IKG von Vizepräsidentin Atzmon in Vertretung von Präsident Mazo und Bischof Dr. Bertram Meier, vertreten durch Frau Prof. Riedl, erfreute sich die Veranstaltung einer großen Aufmerksamkeit.

Das Grußwort von Bischof Dr. Bertram Meier, das über ein Grußwort hinaus selbst eine aufrüttelnde Reflexion zum Erinnern an die Shoa darstellt, kann im Anhang dieses Beitrags heruntergeladen werden.

Prof. Lea Wohl von Haselberg aus Berlin reflektierte über den Shoa-Gedenktag, um darauf die Entwicklung des Erinnerns im Film aufzuzeigen. Ihre Ausführung stellte klar vor Augen, dass gerade das Erinnern an die Shoa, dynamisch und experimentell fortgeführt werden muss, um auch jüngere Generationen zu erreichen. 

Als eine besonders passende und trotz ihrer traditionellen Herangehensweise über die Porträtkunst, in der Wirkung höchst innovative Form der Erinnerung an die Shoa, stellte Kunstexperte Dr. Oliver Class das Projekt Seven Portraits: Surviving the Holocaust von King Charles III. und den Künstler Massimiliano Pironti vor. Pironti erhielt als einziger Künstler außerhalb des Commonwealth den königlichen Auftrag, den Shoaüberlebenden Arek Hersh zu portraitieren. Areks Hershs Autobiographie A Detail of History wurde vom Leiter des Akademischen Forums vorgestellt. Das folgende Künstlergespräch fesselte und bewegte die Anwesenden sichtlich. Pironti gab Einblicke in sein Arbeiten, die künstlerische Reflexion der als höchst verantwortlichen Aufgabe empfundenen Darstellung Arek Hershs, berichtete vom Entstehen einer Freundschaft zu Arek Hersh und dem Engagement KIng Charles III., den er tiefverbunden und überzeugt von seinem Herzensprojekt erlebte.

Folgend der Bericht von Ulrich Bobinger, Leiter der Pressestelle des Bistums:

Shoa-Gedenktag

Die Würde der Überlebenden

Holocaust-Überlebender – mit diesem Begriff verbindet man Bilder von aus dem KZ befreiten, ausgemergelten Gestalten mit leerem Blick, Gestalten, denen scheinbar jede Würde genommen wurde. Eine Idee des britischen Königs Charles, sieben Überlebende von sieben Künstlern porträtieren zu lassen und damit ihre unauslöschbare Würde wieder in den Vordergrund zu rücken, stand am Dienstag, dem Shoa-Gedenktag, im Mittelpunkt einer Veranstaltung des Akademischen Forums der Diözese Augsburg. Das Besondere: Einer der sieben Künstler war dabei und sprach über sein ganz und gar ungewöhnliches Werk.

Der Holocaust-Überlebende Arek Hersh, gemalt von Massimiliano Pironti (Royal Collection Trust © Massimiliano Pironti/ Foto: Royal Collection Trust © His Majesty King Charles III - Fotograf Matthew Hollow 2022).

Es ist nicht vorbei. Denn wenn es vorbei wäre, müsste dann eine Veranstaltung im Augsburger Haus Sankt Ulrich zum Shoa-Gedenktag von Beamten der Augsburger Polizei geschützt werden? Schon beim Betreten des Foyers wurden die Besucher angesichts der unübersehbaren Uniformen daran erinnert, wie aktuell die Beschäftigung mit den Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist, die vor rund 90 Jahren von Deutschland ausgegangen sind.

Wenn auch die Erinnerung an den Holocaust zu verblassen droht, auch, weil die betroffene Generation uns zunehmend verlässt, so können Filme diese Erinnerung hochhalten. Wie ethisch und ästhetisch angemessen erinnert werden kann, zeigte Prof. Dr. Lea Wohl von Haselberg in ihrem Vortrag auch an Hand des Dokudramas „Die Kinder von Windermere“ über eine Gruppe von überlebenden Kindern und Jugendlichen, die nach dem Krieg in England ein neues Leben aufbauen konnten.

Einer der Protagonisten dieses Films war Arek Hersh. Ihn hat der italienische Künstler Massimiliano Pironti im Rahmen des von König Charles initiierten Kunstprojektes „Seven Portraits: Surviving the Holocaust“ porträtiert. Das Gemälde sieht fast aus wie ein Foto, so realistisch hat Pironti den 93-jährigen Hersh gemalt – einen Mann mit einem frühen Leben in Dunkelheit, in das er aber nach 1945 mit einem starken Überlebenswillen viel Licht hineinlassen konnte.

In Augsburg erzählte Pironti, dass er sich zunächst durch die Lektüre der Autobiographie Arek Hershs sich seinem Leben angenähert hat. Dann hätten sie viel miteinander gesprochen und aus der intensiven Zusammenarbeit sei eine „wunderschöne Freundschaft“ entstanden - noch immer schreiben sich die beiden regelmäßig.

Von dem Kunsthistoriker Oliver Class zu der fast fotorealistischen Art seines Malstils befragt, sagte Pironti: „Ich bin Italiener, ich bin mit Raffael und Michelangelo aufgewachsen, ich liebe diese Art von Malerei.“ Er versuche, nicht nur den Menschen zu malen, sondern auch seine Seele: „Kunst muss wahrhaftig und authentisch sein.“ Arek Hersh habe er stolz und zufrieden erlebt: „Er hat ein neues Leben angefangen in England – aber die Wunde ist immer noch da.“

Gestalteten einen hochinteressanten Abend zum Shoa-Gedenken (v.l.): Der Kunsthistoriker Dr. Oliver Class, der Maler Massimiliano Pironti, die Medienwissenschaftlerin Prof. Dr. Lea Wohl von Haselberg und der Leiter des Akademischen Forums, Frederic-Joachim Kaminski (Foto: Ulrich Bobinger/pba).

Es ist nicht vorbei. Wie sagte Bischof Dr. Bertram Meier in seinem (verlesenen) Grußwort: „Die Thematik konfrontiert uns Nachgeborene mit der inzwischen wieder höchst konkreten Frage: Wie will ich, wie werde ich mich verhalten, wenn Menschen in meiner Umgebung stigmatisiert und ausgegrenzt werden, wenn Gewalt und Unterdrückung, ja gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zur Staatsdoktrin erklärt werden?“ Und der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg (die den Abend gemeinsam mit dem Akademischen Forum veranstaltete), Alexander Mazo, ergänzte: „Erinnerung allein reicht nicht. Worte alleine reichen nicht. Wir müssen hinschauen. Wir müssen handeln. Wir müssen Verantwortung übernehmen. Wir müssen fragen, was tun wir heute?“

Doch dank der Kunst Massimiliano Pirontis gibt es auch Grund zum Optimismus. Denn das Portrait von Arek Hersh zeigt einen Mann, der Schmerz erlebt hat, aber genauso einen Mann, der die Dämonen des Bösen besiegt hat. Arek Hersh hat gewonnen - und Massimiliano Pironti zeigt es.