Einen Tag mit Studierenden über Social Media reden
Kann Gott Instagram? Welche Rolle können Social Media-Kanäle in der kirchlichen Verkündigung spielen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Wochenendseminars der künftigen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bistums. Die elf Studierenden erhielten dabei von Referentin Agnes Arnold und dem evangelischen Insta-Pastor Nicolai Optifanti nicht nur theoretischen Input, sondern wurden mit dem Smartphone in der Hand auch selbst aktiv.
Wer an Social Media denkt, hat automatisch hippe Influencer vor Augen. Aber auch kirchliche Mitarbeiter und Institutionen entdecken das damit verbundene Potential immer öfter für sich. In der evangelischen Landeskirche von Württemberg gibt es sogar eigens dafür angestellte Pfarrer, die einen entsprechenden dienstlichen Auftrag auf Social Media-Plattformen erfüllen. Einer von Ihnen, Nicolai Optifanti aus Stuttgart, war beim Bewerberkreiswochenende der pastoralen Berufsgruppen im altehrwürdigen Kloster Bernried am Starnberger See zu Gast. Wer ihm begegnet, merkt sofort seine Begeisterung für das Thema. Auf jede Frage kann er fundiert Antwort geben und verfügt ganz nebenbei über eine enorme Erfahrung. Den Studierenden bot er so schon am ersten Abend wertvolle Einblicke in das Potential von Social Media im kirchlichen Kontext.
Kirchliche Inhalte auf Instagram
Vor der ersten Einheit ging es aber zunächst um die Einschätzung der Teilnehmenden über die Folgen von Social Media. Verblüffenderweise fielen dabei fast ausschließlich negative Stichworte wie Ablenkung, Unruhe, Abhängigkeit, Zeitverlust, Scheinwelt, Isolation und Schlafstörung. Obwohl die Nutzung immer mehr zunimmt, scheinen die negativen Folgen eindeutig zu überwiegen. Grund genug, dass die Kirchen mit ihren eigenen Inhalten dort auch präsent sind, um ein Gegengewicht zu den sonst üblichen Inhalten zu schaffen. Entsprechende Studien sprach dann auch Referentin Agnes Arnold, selbst Gemeindereferentin, Berufscoach und Medienpädagogin im Erzbistum München und Freising, an. So lasse sich beispielsweise feststellen, dass die Follower von kirchlichen Kanälen meist selbst Kirchenmitglieder sind und auch gezielt nach religiösen Inhalten suchen. Doch: Vielen der Nutzer fehle mittlerweile die Anbindung an eine klassische Kirchengemeinde. Gerade hier bietet Instagram ein gewaltiges Potential. Gleichzeitig machte die Referentin aber auch klar, dass die modernen Algorithmen eine Scheinwelt errichten würden, die einen glauben ließen, dass die ganze Welt so denke wie man selbst.
Ein Punkt, der durchaus mit Überraschung aufgenommen wurde, war das Thema der Bibelauslegung. Die Interpretation einzelner Bibelstellen erfolgt auf Insta oft eher willkürlich. Die professionelle theologische Ausbildung wird unwichtiger im Vergleich zu einer interessanten Aufmachung.
Was sagt das 2. Vatikanum über Social Media?
Spannend wurde es in dem schönen Tagungssaal mit Blick auf den Starnberger See bei der Frage nach den kirchlichen Grundvollzügen auf Social Media: Verkündigung (Martyria), Gottesdienst (Liturgia), Dienst am Nächsten (Diakonia) und Gemeinschaft (Koinonia). Doch wie kann Kirche diese in den sozialen Medien umsetzen? Sicherlich brauche es hier Kreativität und Mut, nicht alles lasse sich eins zu eins aus der analogen Welt übertragen, so Arnold. Spirituelle Angebote würden durchaus angenommen werden, während unter den Followern oft auch eine Art Gemeinschaftsgefühl entstehe. Interessanterweise lasse sich für diese Übertragung in die Online-Welt auch ein Dokument des Zweiten Vatikanischen Konzils heranziehen. In Kapitel 4 von „Gaudium et Spes“ von 1965 heißt es: „Zur Erfüllung dieses ihres Auftrags obliegt der Kirche allzeit die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten. So kann sie dann in einer jeweils einer Generation angemessenen Weise auf die bleibenden Fragen der Menschen nach dem Sinn des gegenwärtigen und des zukünftigen Lebens und nach dem Verhältnis beider zueinander Antwort geben.“
Fast schon kontrovers wurde es, als die Teilnehmenden verschiedene Instagram-Kanäle selbst untersuchen und bewerten durften. Die Bandbreite der Reaktionen reichte von komplettem Missfallen bis hin zu Lachanfällen oder Kopfschütteln. Besonders ansprechend waren dabei speziell die Kanäle, auf denen eindeutig eine Person zu identifizieren war. Institutionelle Accounts haben es da deutlich schwerer.
Weniger motivierend, dafür aber genauso wichtig, war dann der kurze Einschub durch den Social Media-Manager des Bistums. Leander Stork hatte die Aufgabe übernommen, den Kodex für Mitarbeitende vorzustellen. Leider werden die Risiken und Gefahren von Social Media oft übersehen. Gerade pastoral Mitarbeitende stünden nämlich vor dem Problem, dass im Internet nicht mehr zwischen der dienstlichen und der privaten Person unterschieden werden kann. Angesprochen wurden auch die Themenfelder Recht am eigenen Bild, Datenschutz und Urheberrecht. Verstöße gegen das Urheberrecht ließen sich online leider häufig beobachten und können im Zweifelsfall empfindliche Strafen nach sich ziehen. In der Diskussion wurde dann auch deutlich, dass die Grenze zwischen Meinungsäußerung und Beleidigung online schneller überschritten werden kann. Angesichts einer zunehmenden sprachlichen Verrohung im Internet müssten kirchliche Accounts aber auch eine Art Gegenpol bilden, so Stork.
Von der Theorie zur Praxis
Mit diesem Wissen im Hinterkopf durften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dann selbst loslegen und Content für einen Übungsaccount auf Instagram produzieren. In kleinen Teams ging es dann ans Werk. Trends wurden nachgeahmt, Videos gedreht und geschnitten sowie Fotos mit Story-Stickern versehen. Technische Hindernisse wie ein langsames Internet oder schlechte Handymikrofone mussten umschifft werden. Schnell zeigte sich dabei, dass eine gute Idee und ein ausgearbeitetes Konzept oft wichtiger sind als die perfekte technische Ausstattung. Ein sympathisches und authentisches Auftreten war gerade für Videoformate entscheidend. Um alle Funktionen der Instagram-App kennenzulernen, brauchte es allerdings schon einiges an Zeit.
Der Tag in Bernried endete mit einer Vorabendmesse mit Pater Norbert Schützner SDB, der die Hochschulseelsorge an der philosophisch-theologischen Hochschule im Kloster Benediktbeuern leitet.
Kann Gott nun Insta?
Was ist nun aber das Ergebnis des Tages? Ob Gott Insta kann, muss zwar offenbleiben, sein Bodenpersonal sollte es aber auf jeden Fall in die eigene Arbeit einbeziehen können. Generell bieten Soziale Netzwerke, trotz aller rechtlichen Fallstricke, eine gewaltige Chance. Kirchliche Mitarbeiter, gerade jüngeren Alters, wollen die Plattformen auch nutzen und interessieren sich dafür. Wie sich das in der konkreten Arbeitswelt umsetzen lässt, wird sich in einigen Jahren zeigen. Dann nämlich werden die Studierenden als Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten, als Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten sowie als Religionslehrkräfte im Kirchendienst im Bistum tätig sein.
Hintergrund
Einmal pro Semester treffen sich die künftigen Pastoral- und Gemeindereferenten in einem Bildungshaus, um hochschulunabhängige Themen für den künftigen Beruf anzusprechen. Die Treffen bereiten die Theologie- und Religionspädagogikstudierenden selbst vor. Begleitet werden sie in dieser Studienphase von Pastoralreferentin Kim Laura Reicherter und den geistlichen Mentorinnen und Mentoren der jeweiligen Hochschule.