DAS JÜDISCHE PESSACH UND DAS CHRISTLICHE OSTERN – ein Gott, der rettet und befreit
Studiennachmittag mit Prof. Dr. Franz Sedlmeier zur Einstimmung auf die Heilige Woche am Freitag, 8. April 2022 im Akademischen Forum
DIES IST DIE NACHT …
(Augsburg, 13.4.2022) Gemeinsam und doch auf ganz unterschiedliche Weise begehen Juden und Christen im Frühling eines jeden Jahres das Fest der Befreiung. In dankbarem Gedenken erinnern sie sich der göttlichen Heilstaten. Sowohl das ältere jüdische Pessach wie das jüngere christliche Ostern bezeugen Gott als den, der rettet und befreit.
In seinem ersten Vortrag mit dem Titel „Mah nischtana halayla haseh mikol haleylot? – Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen Nächten?“ zeigte Professor Sedlmeier die Entwicklungsgeschichte des jüdischen Pessach-Festes auf. Aus dem ursprünglichen Naturfest israelitischer Nomaden entwickelte sich immer mehr ein Gedächtnisfest an den Auszug aus Ägypten. Besondere Prägung fand dieses Fest im babylonischen Exil und nach dem Wiederaufbau des zweiten Tempels. Im Mittelpunkt stand dabei die Theologie, dass Israel seit der Befreiung aus Ägypten weiß, dass die geschenkte Freiheit Gabe Gottes und Aufgabe zugleich ist: Diese Freiheit zu bewahren und sie durch ein Leben nach der Weisung des Ewigen zu gestalten und weiterzugeben.
Mit der Beschreibung der jüdischen Pessach-Feier zur Zeit Jesu und nach der Zerstörung des Tempels von Jerusalem im Jahr 70 entfaltete Professor Sedlmeier die christliche Theologie von Christus als das neue Pascha-Lamm, das die Menschheit in eine neue Freiheitsgeschichte zwischen Gott und Mensch hineinruft. Dies findet vor allem in der Feier der österlichen Tage (Triduum Paschale) ihren Ausdruck. Hier wurde auch die Frage behandelt, ob das Letzte Abendmahl Jesu ein Pessach-Mahl war, was bereits die Synoptiker und Johannes in ihren Evangelien unterschiedlich darstellen.