HINTERM HORIZONT GEHT‘S WEITER. Rom und die Deutschen
Veranstaltung im Akademischen Forum am Freitag, 13. Januar 2023 im Haus Sankt Ulrich mit Bischof Dr. Bertram Meier und Geistlicher Botschaftsrat Msgr. Oliver Lahl
Rom – eine faszinierende Stadt, vielfältig wie nur wenige! Kein Wunder also, dass jedes Jahr mehrere Millionen Deutsche diese Stadt besuchen und das dortige Lebensgefühl genießen.
Wenn es jedoch um die kirchlichen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und den römisch-katholischen Bistümern in Deutschland geht, scheinen diese Mentalitätsunterschiede einer Klärung von Meinungsverschiedenheiten nicht unbedingt zuträglich zu sein. Dies war auch der Ausgangspunkt der zwei Vorträge im Akademischen Forum der Diözese Augsburg. Mit Bischof Dr. Bertram Meier und Geistlichem Botschaftsrat Msgr. Oliver Lahl, Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl in
Rom, brachten die Referenten, die beide Kulturräume bestens kennen – und das nicht nur von außen –, ein komplexes Verhältnis näher.
Botschaftsrat Msgr. Oliver Lahl benannte in einem kurzen Aufriss zunächst markante Ereignisse der Geschichte (Sacco di Roma, Reformation, Kulturkampf etc.), die zu einem tiefen gegenseitigen Misstrauen in der Beziehung von Römern und Deutschen führte. Besonders die Reformation gilt als ein einschneidendes Ereignis: für Deutsche sei die Prägung durch zwei Konfessionen selbstverständlich. Und so sei manches eben in Rom nicht zu finden: die Tradition des Gemeindegesangs, die Haltung italienischer Christen gegenüber dem Staat, die eine schroffen Gegensatz zu möglichen Kooperationsmodellen in Deutschland bilde.
Viele persönliche Erfahrungen konnte aufgrund seiner langen Rom-Präsenz und seiner regelmäßigen Besuche Bischof Dr. Bertram Meier. In seinem kurzweiligen Vortrag schilderte er den Unterschied zwischen romanischer Gelassenheit und germanischer Genauigkeit. Die Schwierigkeiten im Dialog zögen sich durch die ganze jüngere Kirchengeschichte, hätten bereits vor der Reformation begonnen und hingen ganz wesentlich davon ab, ob es von deutscher Seite einen kundigen Vermittler in Rom gebe.