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FASZINATION DURCH LICHT UND FARBE. Mittelalterliche Glasmalereien im Augsburger Dom

10.12.2022 14:13

Abendveranstaltung im Akademischen Forum am Montag, 28. November 2022 im Rokokosaal der Regierung von Schwaben

Der Kunsthistoriker Dr. Daniel Parello von der Arbeitsstelle Corpus Vitrearum Medii Aevi in Freiburg erforschte die Glasfenster im Augsburger Dom.

Glasmalereien - ein bedeutendes Erbe

In einem Abendvortrag, zu dem das Akademische Forum der Diözese Augsburg zusammen mit dem Diözesanmuseum St. Afra eingeladen hatte, stellte der Kunsthistoriker Dr. Daniel Parello, von der Arbeitsstelle Corpus Vitrearum Medii Aevi in Freiburg, seine Forschungsergebnisse zu den mittelalterlichen Glasfenstern im Augsburger Dom vor. Das Corpus Vitrearum Medii Aevi, ein Projekt der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur, hat es sich zur Aufgabe gemacht, sämtliche noch erhaltenen mittelalterliche Glasfensterbestände zu erfassen und wissenschaftlich zu erschließen.

Das Mittelalter war viel bunter als wir gemeinhin annehmen. Nahezu alle Sakralbauten besaßen einmal Glasmalereien, die die Lebensgeschichten der Heiligen oder die christliche Glaubenslehre in leuchtenden Farben zur Darstellung brachten.

Gerade im Augsburger Dom zeigten neueste Forschungsergebnisse, dass zu den bunten mittelalterlichen Glasfenstern auch eine sehr üppige Ausmalung der Wände mit Fresken gehörte: Mäanderfries im Langhaus sowie figürlicher Zyklus unterhalb des Fries. Dieser figürliche Zyklus stand wohl in engem Zusammenhang mit den Glasfenstern des Domes und griff Motive alttestamentlicher Propheten, Apostel und Heiliger auf.

Neben den fünf Prophetenfenstern aus dem zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts (ca. 1135) stellte Dr. Parello auch das Thron-Salominis-Fenster (um 1340) über dem Südportal vor und erklärte den inhaltlichen Aufbau des Fensters. Bei der näheren Begutachtung kam auch Überraschendes zutage: so wurden Teile des Fensters bei einer Restaurierung im Jahr 1836 herausgelöst und verkauft. Die fehlenden Stellen wurden mit weniger hochwertigen Glasfenstern ersetzt, die sichtbar auch das theologische Konzept durchbrechen.

Im Vortrag wurden zudem das Marienfenster an der Nordseite des Domes und das Passionsfenster im Ostchor des Domes (14202/30) näher beschrieben. Gerade das Passionsfenster erfüllte auch eine liturgische Funktion: der zelebrierende Priester hatte bei der Feier der Eucharistie die Passion Jesu in Bildern vor Augen.

 

Buchhinweis:

Parello, Daniel: Die mittelalterlichen Glasmalereien in Augsburg und Bayerisch-Schwaben. Berlin: Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, 2022 (Corpus vitrearum medii aevi Deutschland 12) 98,00 €, ISBN 978-3-87157-258-6.