Mastodon

DAS AUGSBURGER TYMPANON. Ein rätselhaftes Kleinod im 3D-Druck

18.11.2022 21:44

Zwei Abendvorträge im Akademischen Forum vom Dienstag, den 15. November 2022

Ein Kleinod der Augsburger Geschichte

Im High-Tech Verfahren des 3D-Drucks wurde 2022 eine bemerkenswerte Reproduktion des Augsburger Tympanons gedruckt, die im großen Saal des Haus Sankt Ulrich zur Veranstaltung ausgestellt wurde. Die Reproduktion des Originals aus dem Maximilianmuseum in Augsburg wurde wegen seiner herausragenden religiösen und kunstgeschichtlichen Bedeutung im kirchlichen Auftrag erstellt. Diesen Prozess und weitere hochinnovative Anwendungsbereiche, stellte Martin Haugg vom Friedberger Unternehmen voxeljet anschaulich vor. Bei voxeljet liegt der Schwerpunkt bei industriellen Anwendungen. Der 3D-Druck erobert aber auch immer weiter die Felder Ernährung, Medizin und kreatives Schaffen. Martin Haugg stellte die Funktionsweise und Möglichkeiten des 3D-Druck unterstützt von Bild- und Videomaterial so plastisch vor, dass den Teilnehmern auch ohne technisches Vorwissen ein umfassender und sichtlich faszinierender Einblick in die Schlüsseltechnologie möglich war.

Das Augsburger Tympanon, einst wohl Teil des Benediktinerklosters St. Ulrich und Afra in Augsburg, zeigt einen Schlüsselmoment im Leben Jesu: Der dienend kniende Jesus wäscht Petrus die Füße. Auf die kunstgeschichtlich und religiöse Bedeutung dieser Darstellung ging Frau Prof. Gerda Riedl im folgenden Vortrag ein. Prof. Riedl ist auch die Initiatorin der neuerlichen Beforschung dieses Kleinods der Augsburger Geschichte. Ihr Vortrag stellte die eigenen Forschungsergebnisse vor, die das Augsburger Tympanon von verschiedenen Disziplinen und im Vergleich mit ähnlichen Darstellungen beleuchteten. Gerade dieses Vorgehen erschloss die Einzigartigkeit des Augsburger Tympanons: Völlig singulär in der kunstgeschichtlichen Darstellung dieser neutestamentlichen Szene ist die im Augsburger Tympanon vorgenommene Verbindung mit der als Frauengestalt personifizierten Tugend der Demut. Und nicht weniger ungewöhnlich ist das Fehlen weiterer Apostel. Am exemplarischen Beispiel von Christus- und Petrusgestalt exemplifiziert die besondere Art und Weise der Darstellung der Fußwaschung die Haltungen der Demut und des Hochmuts.

Die Augsburger Theologin führte aus, dass diese Darstellung in eine Zeit hinein geschaffen wurde, in der die christliche Frömmigkeit individualistisch gelebt wurde. Der Austausch nach dem Vortrag ließ klar erkennen, wie das Kunstwerk auf die heutige Situation von Glaube und Kirche hin gedeutet und in der Intentionen von Papst Franziskus interpretiert wurde, der die Umkehr der Herzen hin zum Dienst der Nächstenliebe ins Zentrum stellt.

Die Reproduktion des Tympanons in Originalgröße kann in der Diözesanbibliothek im Haus Sankt Ulrich zu den Öffnungszeiten besichtigt werden. Die Teilnehmer erhielten ein Miniaturtympanon im 3D-Druck zusammen mit einer kunstgeschichtlichen Einordnung geschenkt.

Nach dem Aschermittwoch der Künstler 2022 und zwei Veranstaltungen der Katholischen Erwachsenenbildung 2023 wurde eine Veranstaltungsreihe zum Augsburger Tympanon fortgesetzt.