Zur Zukunft der Pfarreien im Bistum Augsburg
Alle Getauften sind gemeinsam Kirche. Dabei ist Kirche nicht „heiliger Verwalter“ ihrer selbst, sondern sie soll Zeichen und Werkzeug der Liebe Gottes sein. Laien wie Kleriker, Haupt- wie Ehrenamtliche sind als Volk Gottes unterwegs, um „Licht der Völker“ und „Salz der Erde“ zu sein und die frohe Botschaft von Jesus Christus allen Menschen anzubieten.
1. „Gemeinsam Kirche sein“ – und leben:
Die Berufung und Verantwortung der Laien
Alle Getauften sind gemeinsam Kirche. Dabei ist Kirche nicht „heiliger Verwalter“ ihrer selbst, sondern sie soll Zeichen und Werkzeug der Liebe Gottes sein. Laien wie Kleriker, Haupt- wie Ehrenamtliche sind als Volk Gottes unterwegs, um „Licht der Völker“ und „Salz der Erde“ zu sein und die frohe Botschaft von Jesus Christus allen Menschen anzubieten. In der ganzen Vielfalt an verschiedenen Aufgaben und Kompetenzen, an Diensten und Ämter, mit Paulus gesprochen, in der Achtung der „Charismen“ (vgl. 1 Kor 12,8-10.28-30; Röm 12,6-8) kann sie „ihre Sendung für das Leben der Welt wirksamer erfüllen“ (LG 37). Die Unterschiedlichkeit ist der Schatz und Reichtum der Kirche und das gilt es gegenseitig wahr- und ernst zu nehmen. Gemeinschaft in der Kirche entsteht also „nicht aus Abgrenzung gegeneinander, sondern aus der Beziehung zueinander.“ (Gemeinsam Kirche sein, 2015, S. 26)
In diesem Sinne sind die vielen Ehrenamtlichen die Stütze des pfarrlichen Lebens und des pastoralen Tuns. Ehrenamtliche Mitwirkung wird auch zukünftig wichtig und notwendig(er denn je) sein! Nochmals: Es geht nicht um Kompetenzen und Konkurrenz zwischen „Profis“ und „nebenberuflichen Mitarbeitern Gottes“, sondern um das Vertrauen in die ehrenamtliche Arbeit und allem voran auch um ihre würdige Anerkennung.
Danke Ihnen allen, liebe anwesende Damen und Herren Pfarrgemeinderäte, stellvertretend für alle nebenberuflich Aktiven, dass Sie sich mit ihrer Tatkraft und Kreativität einbringen und so engagiert Kirche mitgestalten und leben!
2. Von der Volkskirche zu einer Kirche des Volkes Gottes:
Synodal unterwegs sein und mit Glaubenseifer wirken
Viele sehen durch die gesellschaftlichen Entwicklungen „Kirche in der Krise“; innerkirchlich stehen wir durch die Reform- und Strukturdebatten vor einer Zerreißprobe. Der „Leib Christi“, um das paulinische Bild aufzugreifen (vgl. 1 Kor 12,12-27), ist müde geworden. Ohne die Situation beschönigen zu wollen, sehen wir mit Blick auf die Kirchengeschichte aber auch: Jede Zeit und Epoche hat ihre eigenen Herausforderungen. Deswegen in einer Art „Dauer-Krisen-Modus“ in Selbstmitleid und Lethargie zu verharren, wäre gerade für uns Christen ein „Armuts-Zeugnis“. Seien wir uns der Zusagen und Verheißungen Gottes bewusst: „Ich will Euch Zukunft und Hoffnung geben!“ (Jer 29,11) Lassen wir uns vom Heiligen Geist inspirieren, damit er unseren Glaubenseifer (immer wieder neu) „entfacht“. Haben wir den Mut, als Christen „rauszugehen“ und die Welt mitzugestalten – seien wir begeisterte Zeuginnen und Zeugen der frohen Botschaft. Papst Franziskus hat in seinem wegweisenden Schreiben „Evangelii Gaudium – Über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute“ (2013) mit treffenden Worten deutlich gemacht: „Ich bin eine Mission auf dieser Erde, und ihretwegen bin ich auf dieser Welt.“ (EG 273)
Konkret heißt das:
- Als Volk Gottes sind wir synodal unterwegs – in Anerkennung der verschiedenen Charismen hinhörend auf Gott und aufeinander, in Respekt voreinander und in Geduld miteinander. Das Motto des Ulrichjubiläums „Mit dem Ohr des Herzens“ (hören) kann uns dazu einige Anregungen bieten. In diesem Sinn habe ich für das Bistum Augsburg die Vision einer „synodalen Diözese“ vor Augen. Da stehen wir ganz am Anfang. Synodalität will eingeübt sein und setzt eine „synodale Haltung“ aller Beteiligten voraus.
- Schauen wir als Kirche genau hin, wo wir gebraucht werden und was unserem Auftrag entspricht, wo wir unsere Stimme erheben und tätig werden müssen: Nehmen wir als Pfarrei die Situation auch „außerhalb des Kirchturms“ wahr! Welche konkreten Aufgabenfelder ergeben sich daraus bzw. wo ist unser sozial-karitatives Engagement gefragt? Sind wir eine „einladende Pfarrei“? Welche (neuen) Ideen und Initiativen an „Aktion und Kontemplation“ haben wir? An welchen Orten schaffen wir Begegnungsmöglichkeiten, wo erfahren wir stärkende (eucharistische) Gemeinschaft? Stützen wir uns gegenseitig oder arbeiten wir gegeneinander? Anerkennen wir die Charismen in unserer Pfarrei und bringen Sie zur Entfaltung? ... Über allem aber steht die Frage: Welche (gemeinsame) „Vision“ haben wir als Pfarrei eigentlich und wie wollen wir diese umsetzen?
3. Nah am Ort und am Menschen bleiben:
Weitere „Eckpfeiler“ für die Zukunft der Pfarreien im Bistum
Die Diözese Augsburg umfasst derzeit rund 1,2 Millionen Katholiken und ist strukturell gegliedert in 23 Dekanate; flächenmäßig streckt sich das Bistum weit aus und umfasst damit überwiegend ländliche, kulturell unterschiedlich geprägte Räume. Damit sieht sich das Bistum hinsichtlich der Pastoral sowie u. a. ihrer Finanzen und Immobilien vor spezifische Herausforderungen gestellt:
- Mit der „Pastoralplanung 2025“ wurden sukzessive die Pfarreien zu rund 200 Seelsorgeeinheiten zusammengefasst (bei rechtlicher Beibehaltung der knapp 1.000 Pfarreien). Das ist und bleibt der „status quo“ d. h. es sind bis auf weiteres keine weiteren Zusammenlegungen geplant oder angedacht. Darin sehen Sie meinerseits ein klares Statement für eine „Kirche vor Ort“, eine Präsenz nah bei den Menschen.
- Umgekehrt gilt es, die pastorale Situation wie auch die finanzielle Entwicklung im Blick zu behalten. Deswegen habe ich die Einrichtung einer „Steuerungsgruppe“ angestoßen, die sich in der nächsten Woche konstituieren wird. Sie hat den Auftrag, einen Vorschlag für eine Priorisierung kirchlichen Handelns im Bistum zu erarbeiten: Wo legen wir die Schwerpunkte in unserem pastoralen Handeln? Welche Gebäude sind dafür notwendig? Was können und wollen wir finanzieren? …
- Als „Weltkirchebischof“ erscheint es mir zudem zentral, stets auch „über den Tellerrand“ hinauszuschauen: Wie sieht kirchliches Leben in anderen Regionen aus? Welche theologischen und pastoral-praktischen Anstöße stecken darin für unser Handeln hier? Wo zeigen sich „spirituelle Aufbrüche in welcher Art“, die für uns anregend sein können?