Die Nähe Jesu verwandelt uns
Liebe junge Leute, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, unser Treffen steht heute unter dem Wort Marias zu den Dienern bei der Hochzeit von Kana: Tut, was er Euch sagt (Joh 2,5). Sie sagt dieses liebevolle Wort zu jeder und jedem von uns: Tue, was er, Jesus, Dir sagt!
Damit lädt uns die Mutter Gottes ein, uns Jesus zuzuwenden und ihm laut oder still in unserem Herzen, die Frage zu stellen: Was willst Du, Herr, dass ich tun soll?
Dies ist tatsächlich die Frage, die alles entscheidet. Denn sie setzt voraus, dass ich bereit bin, mein Leben von Gott führen zu lassen, ihm zu vertrauen und damit das Glück meines Lebens zu finden. Wir alle sind eingeladen, den Ruf Jesu, Ich will Dich zur Menschenfischerin, zum Menschenfischer machen, zu hören und ihm zu folgen. So wie es das Gleichnis im Evangelium, das wir soeben gehört haben, beinhaltet.
Dafür muss ich aber nicht gleich an „die große weite Welt“ denken, sondern sollte mich zuerst fragen: Wie kann ich meinen Glauben, wie kann ich die liebevolle Einladung Jesu in meinem ganz normalen Alltag zum Leuchten bringen? Es geht nicht um spektakuläre Bekehrungen, um Tausende von Followern in den digitalen Medien, sondern um MEINE Umkehr, um MEINE Demut, um MEIN Vertrauen. Worte überzeugen nicht, wenn das Leben dem nicht entspricht. Worte bleiben leere Hülsen, wenn sie nicht von Glaubenserfahrungen gefüllt sind.
Dabei ist weniger oft mehr, wie uns gerade das Beispiel Mariens zeigt. Sie ist ganz geistes-gegenwärtig, als ihr der Engel die Geburt Jesu ankündigt: Sie fragt nach und will verstehen. Dann gibt sie ihr Ja und verschenkt sich in den Willen Gottes hinein. Doch bleibt sie nicht narzissistisch, selbstverliebt zurück und zelebriert etwa die nächsten neun Monate ihren Körper, der zur Wohnstätte des ungeborenen Gottessohnes wird, sondern sie spürt intuitiv, dass ihre Verwandte Elisabeth ihre Unterstützung braucht. Maria zögert nicht, sie bricht eilends auf, um der Cousine zu helfen.
Dies ist ein Vorbild auch für uns. „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ heißt konkret: Schau, was Dein Mitmensch braucht, biete ihm Deine Hilfe an und Du wirst dankbar erkennen, wie Dein eigenes Leben dadurch reich wird. Stellen wir uns nur einen Moment lang vor, ein jeder der Milliarden Menschen auf dieser Erde würde so handeln – wir müssten nicht ängstlich um uns selbst besorgt sein, weil dann ein anderer, ein Nächster, in dem wir die Liebe Gottes erkennen dürfen, auch für uns sorgen würde! Daher sagt Jesus, dass Gottes- und Nächstenliebe zwei Seiten ein- und derselben Medaille sind.
Wenn wir die Nähe Jesu suchen, dann verwandelt sie uns. Vielleicht merken das die Menschen in unserer Umgebung mehr als wir selbst. Probiert es doch einmal aus!
Nun noch ein Wort für diejenigen unter Euch, die vielleicht das Gefühl haben: Ich bin hier nicht so recht angesprochen, denn ich bin eher ein Mensch, der mit den Händen arbeitet, mir kommt nicht so leicht ein Magnifikat über die Lippen… Aber gerade solche lebenstüchtigen Menschen können ganz praktisch helfen. Das ist doch super – dass jede und jeder von uns verschiedene Begabungen hat, damit können wir so viel bewirken!
Erinnert Euch an die Lesung aus dem Buch Exodus: Für manche war es im ersten Moment vielleicht langweilig zu hören, was Mose da alles für technische Vorkehrungen trifft, um die Wohnung Gottes unter den Menschen zu zimmern. Er legt ein Bretterfundament, stellt Säulen auf, spannt das Zelt darüber und bringt die Bundeslade an den von Gott bestimmten Platz. Entscheidend ist jedoch der erste Satz der Lesung: „Mose machte alles so, wie es der HERR ihm geboten hatte.“ Das ist der Schlüssel, das ist genau dieselbe Haltung, die wir bei Maria gefunden haben! Ganz egal, wie die Nachfolge Jesu aussieht, wichtig sind die Offenheit, das offene Herz, die Anrufbarkeit für Gottes Wort und das bereitwillig-frohe ‚Ja, Herr, ich will tun, was Du mir sagst‘!
Nur so entstand eine Geschichte Gottes mit den Menschen und so schreibt Gott auch heute noch Heilsgeschichte, nicht über die Köpfe der Menschen hinweg, sondern mit uns und durch uns!
Wir sind das Buch der Liebe Gottes, das alle, die mit uns leben, lesen – ganz gleich, ob sie sich zur Gemeinschaft der Gläubigen zählen oder nicht. Das ist unsere Chance, aber auch die Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Christ sein bedeutet, Botschafter der Freude sein, erkennbar sein als Kind, als Tochter und Sohn Gottes, IHM ähnlich werden…
Ich wünsche Euch allen, dass Ihr eine solch befreiende Gotteserfahrung macht, dass Ihr Euren Schöpfer als den liebenden Urgrund und als das Ziel Euren Lebens erfahren dürft. ---
Jesu Einladung ist immer aktuell, sie gilt auch für uns: „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen“ (Joh 14,23).
Vertrauen wir wie Mose, Maria und Elisabet, wie unzählige Christinnen und Christen vor uns auf diese Zusage und lassen wir IHN ein, wenn er leise anklopft! Feiern wir sozusagen Advent, Ankunft des Herrn, mitten im Hochsommer: Nutzen wir diese Zeit des Weltjugendtages, um Christus zu begegnen und Menschenfischer für IHN zu sein, indem wir der Einladung Marias folgen: Tue, was ER dir sagt. Amen.