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Impuls beim Kreuzweg am Gebets- und Solidaritätstag für verfolgte und bedrängte Christen

„Christsein kann lebensgefährlich sein“

17.09.2023 14:43

Liebe Frau Boutros und lieber Herr Backes, verehrte Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder in Christus, wenn wir uns heute, am 17. September 2023, im Hohen Dom zu Augsburg versammelt haben, um den Kreuzweg unseres Herrn Jesus Christus nachzugehen, können wir uns daran erinnern, dass es ebenfalls ein 17. September war, an dem der Hl. Lambert den Märtyrertod starb.

Als Bischof von Maastricht hatte er sich Anfang des 8. Jahrhunderts für die Ausbreitung des Christentums in der belgisch-niederländischen Grenzregion eingesetzt und viele Kirchen gegründet. Weil er dabei auch Konflikte mit der Staatsgewalt nicht scheute und kirchliche Rechte konsequent verteidigte, ließ man ihn - wahrscheinlich im Jahr 705 - im eigenen Haus ermorden.

Das Beispiel dieses heiligen „Glaubensboten von Brabant“ zeigt uns, wie schnell es bis zum heutigen Tag lebensgefährlich werden kann für Christinnen und Christen in der Welt, wenn das öffentliche Bekenntnis mit den Interessen staatlicher oder nicht-staatlicher Akteure kollidiert. Im gerade neu erschienenen „3. Ökumenischen Bericht zur Religionsfreiheit weltweit 2023“ werden in den Länderberichten zahlreiche Verstöße dokumentiert, nicht nur gegen Christinnen und Christen, sondern generell gegen das universelle Menschenrecht der Religions- und Weltanschauungsfreiheit. Verbalattacken, Einschüchterung und Ausgrenzung stellen dabei oft nur den Beginn von Feindseligkeiten dar, die sich zu Verboten, Verhaftungen und Vertreibungen bis hin zur Ermordung Andersgläubiger auswachsen können. Darum ist es gut, wenn wir als katholische und evangelische Kirche gemeinsam die Stimme erheben zur Verteidigung der Religionsfreiheit, denn Religion ist ein wesentlicher Teil des Menschseins.

Wir sind dankbar, dass unser Staat die freie Religionsausübung schützt. Gleichzeitig müssen wir es im Wissen um das schwere Schicksal unserer Schwestern und Brüder in anderen Teilen der Welt als unsere Pflicht ansehen, das Thema bei unseren Gesprächen mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft immer wieder aufs Tablett zu bringen. Nicht umsonst verstehen die beiden großen Kirchen den ökumenischen Bericht zur Religionsfreiheit darum „auch als Appell an Regierungen, insbesondere in Ländern mit einer stark säkularisierten Kultur wie hier in Deutschland, Freiheit und Gleichberechtigung der Menschen in Fragen von Religion und Weltanschauung zu ihren Anliegen zu machen – auch in der Außen- und der Entwicklungspolitik. […] Denn nur wenn in den Partnerländern die Religionsfreiheit als zentrales Freiheitsrecht geachtet wird, können offene und inklusive Gesellschaften entstehen.“[1]

Vergessen wir bei allem Einsatz aber auch nicht das Gebet. Angesichts der Not, die besonders Christinnen und Christen nach Einschätzung nationaler und internationaler Beobachter in vielen Ländern der Erde erfahren, ruft Papst Franziskus beständig dazu auf, für die Glaubensgeschwister zu beten. Beim letztjährigen Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen (26.12.2022) erinnerte der Heilige Vater daran, dass es auch heute noch viele Menschen gibt, die wie der Hl. Lambert bereit sind, für ihren Glauben an Christus zu sterben. Wörtlich sagte er: „Die Märtyrer sind Zeugen, also Brüder und Schwestern, die uns durch ihr Leben Jesus zeigen, der das Böse mit Barmherzigkeit besiegt hat.“[2]

Wir sehen es bei jeder Station des Kreuzweges: Obgleich allmächtig verzichtet der Sohn Gottes darauf, seine Peiniger mit Vollmacht in die Schranken zu weisen. Sein Heilsplan ist ein anderer. Denn Gewalt kann nicht durch noch größere Gewalt besiegt werden, nur durch Vergebung und Liebe. Danken wir Gott darum dafür, dass er uns in Jesus den Weg zum Heil gezeigt hat. IHM, der selbst das Heil ist (vgl. Apg 4,12) und uns am Kreuz erlöst hat, wollen wir in Wort und Tat nachfolgen, und für alle beten, die um seines Namens willen leiden.

[1] 3. Ökumenischer Bericht zur Religionsfreiheit weltweit 2023. Eine christliche Perspektive auf ein universelles Menschenrecht, Gemeinsame Texte Nr. 28 der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland, hg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz und vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland, Hannover und Bonn 2023, 172.

[2]https://www.vatican.va/content/francesco/en/angelus/2022/documents/20221226-angelus.html, 24.07.2023.