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Predigt von Bischof Bertram beim Gottesdienst im Rahmen der bundesweiten missio-Konferenz in Augsburg

„Helft den Heiligen, wenn sie in Not sind“

07.11.2023 11:17

Liebe Schwestern und Brüder, vor gut zwei Wochen haben wir in Deutschland den Weltmissionssonntag gefeiert, die größte Solidaritätsaktion von Katholikinnen und Katholiken weltweit. In mehr als 100 Ländern sammeln die päpstlichen Missionswerke auf allen Kontinenten an diesem Sonntag traditionell für die pastorale und soziale Arbeit der katholischen Kirche in den gut 1.100 ärmsten Diözesen der Welt.

Dieser Akt der Solidarität mit unseren Schwestern und Brüdern in den Ländern des globalen Südens, die wir mit vielen Projekten in ihrem Glaubensleben unterstützen, ist von großem Wert und unverzichtbar für die christliche Mission. Daher möchte ich zu Beginn, auch als Vorsitzender der Weltkirchen-Kommission der DBK, Ihnen allen ganz herzlich Danke sagen, die Sie nicht nur die Kampagnen rund um den Weltmissionssonntag planen und durchführen, sondern das ganze Jahr über die Situation der Christinnen und Christen in anderen Teilen der Welt im Blick haben.

Mission – dieses Wort steckt ja nicht nur in unserem Namen. In seiner Botschaft zum diesjährigen Weltmissionssonntag unterstreicht Papst Franziskus noch einmal: „Die missionarische Bekehrung bleibt das wichtigste Ziel, das wir uns als Einzelne und als Gemeinschaft setzen müssen (…)“[1], denn damit steht und fällt alles Wirken der Kirche. Diesen Auftrag ernst nehmend, möchte ich Ihnen nun drei kurze Gedanken mitgeben, die mir beim Lesen der heutigen Schrifttexte kamen. Manchmal trifft es sich ja, dass die Lesungen, die wir nicht eigens für heute ausgewählt haben, genau den Kern dessen berühren, um den es uns in unseren täglichen Bemühungen schwerpunktmäßig geht.

 

1. Eingeladen zum Fest des Glaubens

Zunächst möchte ich dazu nochmal das Lied aufgreifen, das wir zu Beginn dieser Heiligen Messe gesungen haben: „Eingeladen zum Fest des Glaubens“. Das ist die Botschaft des heutigen Evangeliums: Der Herr lädt uns alle ein zu einem großen Festmahl (vgl. Lk 14,16). Übertragen geht es hier um eine Einladung in das Reich Gottes, das mit der Menschwerdung Jesu Christi schon in dieser Welt angebrochen ist, und das allen Menschen ein Leben in Fülle (Joh 10,10) verheißt. Wichtig ist dabei: Der Gastgeber aus dem Gleichnis tut den ersten Schritt. Er bereitet alles vor und schickt seinen Diener los, um Einladungen an die Gäste zu verteilen (vgl. Lk 14,17). Die erste Initiative geht also von Gott aus. ER ist der Einladende, was wir uns bei all unseren Missionsbemühungen immer wieder in Erinnerungen rufen sollten. Sein Wunsch ist es, dass möglichst viele Menschen an seinem Reich teilhaben und sich erfreuen können. Nun aber passiert Folgendes: Die Eingeladenen lehnen das Angebot ab. Als Begründung nennen sie eine Reihe weltlicher Angelegenheiten, an erster Stelle die Sorge um materiellen Besitz. Liebe Schwestern und Brüder, deckt sich das nicht auch mit unser Wahrnehmung heute, dass gerade reiche Menschen oft das Gefühl haben, auf Gott und seine Botschaft verzichten zu können? „Wir haben doch alles, wozu brauchen wir noch Gott?“ Ganz anders die Armen, Kranken und „Leute aus der Gosse“, wie es im Eingangslied hieß. Sie kamen in großer Zahl und waren dankbar für dieses großzügige Geschenk und die Wertschätzung. Doch der Festsaal war damit noch lange nicht voll, denn das Reich Gottes bietet viel Platz. Und so gibt es noch eine dritte Gruppe an Leuten, die nachträglich eingeladen wurden: Menschen von den „Landstraßen“ (Lk 14,23), womit Angehörige fremder Völker gemeint waren. Spätestens an der Stelle erkennen wir eine ganz zentrale Botschaft, die wir als Grundlage unseres Missionsverständnisses als Weltkirche nehmen dürfen: Die Einladung und die Heilszusage Gottes gilt ausnahmslos allen Menschen, unabhängig von sozialem Status oder nationaler Zugehörigkeit! Dies ist gerade in unserer Zeit zu betonen, in der manche Partei wieder ideologische Mauern errichten will und mit dumpfen Parolen Menschen gegeneinander aufhetzt. Ich sehe hierin übrigens auch ein wichtiges Feld von Mission, in dem wir als Christinnen und Christen deutlich vernehmbar unsere Stimme erheben müssen gegen jede Form der Ausgrenzung und dem Schüren von Aggression. So wie Gott alle Menschen liebt und in sein Reich einlädt, sind auch wir aufgerufen, an seinem Reich mit zu bauen und zu helfen, dass Menschen weltweit in Frieden und Gerechtigkeit gut miteinander leben können. Das führt mich zu meinem zweiten Gedanken: Was meint Paulus eigentlich, wenn er davon spricht, dass wir als Glieder zueinander gehören und füreinander da sein sollen (vgl. Röm 12,5)?

 

2. Glieder, die zueinander gehören

Christlicher Glaube ist kein Individualglaube, sondern immer getragen von Gemeinschaft. Als Kirche sind wir „ein Leib in Christus“ (Röm 12,5), wobei jede und jeder von uns bestimmte Fähigkeiten von Gott geschenkt bekommen hat, die sie oder er zum Aufbau des Reiches Gottes einsetzen soll. In Ihrem Fall bedeutet das, dass Sie Ihre ganze Kompetenz an der jeweiligen Einsatzstelle in den beiden Häusern von missio bzw. als Diözesanverantwortliche einbringen. Darin kann eine persönliche Berufung liegen und ich hoffe, dass Sie in Ihrer Arbeit nicht nur einen tieferen Sinn sehen können, sondern auch viel Freude empfinden. Denn wir sollen fröhlich sein, sagt uns Paulus (vgl. Röm 12,12), und am Guten festhalten. Zugleich aber haben wir einen Auftrag zu erfüllen: „Helft den Heiligen, wenn sie in Not sind“ (Röm 12,13), heißt es im Römerbrief. Damit sind die Christen gemeint, die lange Zeit und teilweise ja noch heute, verfolgt und unterdrückt wurden. Vor diesem Hintergrund betrübt es zu hören, dass die Existenz des Christentums gerade in den Beispielländern, über die unsere diesjährigen missio-Gäste berichteten und in denen das Christentum eine sehr lange Tradition hat, erneut gefährdet ist. Umso beeindruckender ist es, was unsere Schwestern und Brüder dort unter oft schwierigen Bedingungen leisten, ohne dabei den Mut zu verlieren. Damit das so bleibt, müssen wir sie unterstützen, denn wir alle sind „Glieder, die zueinander gehören“ (Röm 12,5), wo man aneinander denkt und sich gegenseitig hilft. Beten wir auch dafür, dass die Christinnen und Christen in dieser Region zum „Salz der Erde“ werden, indem sie Brücken bauen zwischen den Völkern und Religionsgemeinschafen, gerade jetzt, wo der Krieg in Israel droht, zu einem Flächenbrand zu werden. Gelebte Liebe - das soll das entscheidende Erkennungszeichen sein, das Paulus allem Denken und Tun der Kirche voranstellt (vgl. Röm 12,9f.). Einer, der das ein Leben lang unermüdlich getan hat, ist der heutige Tagesheilige Willibrord, dessen Wirken ich mit meinem letzten Gedanken würdigen möchte.

 

3. Ein Leben lang Missionar - der heilige Willibrord

Geboren 659 n. Chr. in Northumberland im heutigen England, kam der Benediktinermönch Willibrord im Jahr 690 zusammen mit elf Gefährten als Missionar nach Westfriesland, dem heutigen Holland. Gesegnet mit Klugheit erkannte er früh die Notwendigkeit, mit den kirchlichen und staatlichen Autoritäten zusammen zu arbeiten. So ließ er sich nicht nur den Rückhalt des Papstes zusichern, sondern erlangte auch das Einverständnis und die Unterstützung des damaligen fränkischen Hausmeiers Pippin II. 695 zum Bischof geweiht, erhielt er Uttrecht als Bischofssitz, baute viele Kirchen und setzte Priester ein. Auch gründete er das Benediktinerkloster Echternach in Luxemburg, das zum wichtigsten Stützpunkt seiner Missionsarbeit wurde. 50 Jahre lang missionierte er zusammen mit anderen Gefährten die ganze Region, was ihm später den Beinamen „Erzbischof und Patron der Friesen“ einbrachte. Eine beeindruckende Lebensleistung, ohne Zweifel. Was können wir heute vom heiligen Willibrord lernen? Für mich ist es die Erkenntnis, dass es für ein Gelingen der Mission eine hohe Sensibilität und Kommunikations­fähigkeit braucht. Respektvoll aufeinander zugehen, einander zuhören und friedlich miteinander die Wahrheit suchen, das ist es, was Papst Franziskus in seiner Enzyklika Fratelli tutti mit „Dialog und sozialer Freundschaft“ beschrieben hat (vgl. FT 198ff.).

 

Liebe Schwestern und Brüder,

lassen Sie mich am Ende versuchen, meine drei Gedanken in wenigen Worten zusammenzufassen: Mission beginnt damit, dass Gott in Jesus Christus alle Menschen zu einem erfüllten Leben einlädt, das schon in dieser Welt erfahrbar werden soll. Als Glieder des einen Leibes in Christus sind wir mit den Schwestern und Brüder der Weltkirche verbunden und aufgerufen, voneinander zu lernen, miteinander zu beten und füreinander da zu sein. Der heilige Willibrord kann uns dabei mit seiner Begeisterung, aber auch mit seinem Gespür und seiner Dialogfähigkeit ein leuchtendes Vorbild sein. Lassen wir also nicht nach, wie Paulus uns zuruft (vgl. Röm 12,11), und dienen weiterhin unserem Herrn, in Solidarität mit allen Menschen guten Willens.

[1]https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2023-01/mission-wortlaut-papst-franziskus-botschaft
-welttag-verkuendigen.html (05.11.2023).