IN VOLLEM LICHT. Hans Holbein: Maler und Bürger zu Augsburg
Themenabend mit Prof. Dr. Katharina Krause am Montag, 17. Juni 2024 im Akademischen Forum anlässlich des 500. Todesjahres des Augsburger Malers
Die Renaissance im Norden
Hans Holbein, genannt der Ältere, hat ein umfangreiches Werk hinterlassen, das zwischen 1490 und 1522 entstand. Als Maler war er vielseitig und weit über Augsburg hinaus bekannt: Er konnte die Arbeit an großen Retabeln organisieren, malte aber auch private Andachtsbilder. Vom frühen Weingartener Altar, heute im Augsburger Dom, bis zum letzten großen Werk, dem Lebensbrunnen aus der Dominikanerkirche lassen sich die Wandlungen von der Spätgotik zur Renaissance nachvollziehen.
Hans Holbein der Ältere starb vor 500 Jahren an unbekanntem Ort. Mit der Veranstaltung im Akademischen Forum der Diözese Augsburg sollte der große Augsburger Künstler am Übergang zur Neuzeit gewürdigt werden. Dazu hatte die Referentin Prof. Dr. Katharina Krause (Universität Marburg) für ihren Vortrag eine Auswahl seiner besten Arbeiten getroffen, die sie vor einem großen Publikum im Haus Sankt Ulrich präsentierte und erklärte.
Im ersten Vortrag stellte die Referentin ausführlich die vier Tafelbilder des Weingartener Altars im Augsburger Dom vor. Der Altar ist ein Frühwerk Holbeins und entstand im Jahr 1493. Krause zeigte Verbindungslinien zwischen den Tafelbildern auf, wies auf interessante Details der Farben, der Personen und deren Anordnung hin und erschloss zudem das theologische Konzept der Bilder. Auffallend ist bei diesen Tafelbildern, dass Motive zum Leben Mariens aus den apokryphen Evangelien gewählt wurden und entscheidende Motive wie Verkündigung oder Geburt Jesu nicht berücksichtigt wurden.
Ergänzend hierzu stellte Krause den Afra-Altar in Eichstätt vor und zog vergleichende Linien zum Weingartener Altar.
Ein weiterer interessanter Teil des Vortrages war dem Stammbaum und der Familiengeschichte der Holbeins gewidmet. Hier geben u. a. das Augsburger Steuerbuch und Belege von Zahlungen Einblick. Über den Tod von Hans Holbein ist wenig bekannt; lediglich das Steuerbuch vermerkt für das Jahr 1524 den Eintrag „verstorben“.
Der zweite Vortrag widmete sich vor allem Holbeins Zeichnungen und Holbein als Maler der Renaissance. Als Zeichner war Holbein ein Chronist seiner Augsburger Zeitgenossen. Von keinem anderen Maler seiner Generation (außer Dürer) ist eine solche große Zahl meisterhafter Zeichnungen erhalten und offenbar früh hoch geschätzt worden. Holbein überliefert das Aussehen von Männern und Frauen aus allen Schichten der Augsburger Gesellschaft, und er verwendete viele von ihnen als Modelle in seinen Bildern. Das lässt seine Kompositionen bis heute lebendig und unkonventionell erscheinen.
Anhand verschiedener Altarbilder stellte die Referentin schließlich Holbein als Maler der Renaissance vor: Katharinenaltar 1512; Sebastiansaltar 1516; Madonna Böhler; Solothurner Madonna 1522 u.a.
Als Fazit fasste die Referentin Professorin Krause zusammen:
Holbein hat von seinem Frühwerk „Weingartener Altar“ bis zum Gemälde „Lebensbrunnen“ eine kontinuierliche Wandlungsfähigkeit bewiesen.
Damit verbunden war eine aufgeschlossene Lernfähigkeit, die sich vor allem in den Zeichnungen zeigte.
Auch war Holbein ein Meister des Colorits: er setzte die Farben (Ton in Ton) als auch die Kontraste von hell und dunkel gekonnt für seine Bilder ein.
Schließlich war es Holbein ein wichtiges Anliegen die Menschen seiner Zeit und Umgebung bildlich festzuhalten und ihre Individualität gekonnt in große Gemälde zu integrieren und wurde so dem Anliegen der Renaissance gerecht.