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DEUTSCHE SPUREN IN ROM. Bekannte und unbekannte Seiten der Ewigen Stadt

29.01.2025 14:00

Vortragsabend mit dem Kirchenhistoriker Prof. DDr. Jörg Ernesti im Akademischen Forum am Dienstag, 28. Januar 2025

Professor DDr. Jörg Ernesti, Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Universität Augsburg

DEUTSCHE SPUREN IN ROM

Der Augsburger Kirchenhistoriker Jörg Ernesti führte mit einem Gemälde die 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung in das Thema des Abends ein: Italia und Germania in freundschaftlicher Harmonie einander zugewandt, in Gestalt zweier junger Frauen: Die eine mit dunklem lorbeerbekränzten Haupt, die andere mit Blumenkranz auf blondem Haar. So hat der Maler Friedrich Overbeck die Verbundenheit zweier Kulturnationen ins Bild gesetzt. Als Teil der deutschen Künstlerkolonie in Rom des 19. Jahrhunderts ist er nur ein Beispiel dafür, wie Menschen aus dem deutschsprachigen Raum in der Ewigen Stadt gewirkt haben.

Männer und Frauen aus dem deutschen Sprachraum sind jahrhundertelang als Pilger, Kirchenleute, Künstler und Gelehrte in die Stadt gekommen und haben ihre Spuren hinterlassen. Manche Spuren sind berühmt, andere sind nur Insidern bekannt.

In einem ersten „Spaziergang“ führte Ernesti die Zuhörer zunächst an Stätten in und um den Vatikan. Themen waren hierzu die Weihe Karl des Großen zum Kaiser im Jahr 800, der junge Mozart in der Sixtinischen Kapelle, Johann Joachim Winkelmann, die Schweizer Garde, die deutschen Päpste bis hin zur neuen Beleuchtung im Petersdom und der Sixtinischen Kapelle, die von einer deutschen Firma installiert wurde.

Im Mittelpunkt stand schließlich der Campo Santo Teutonico, die deutsche Grablege mitten im Vatikan. Ernesti stellte die Geschichte und Bedeutung dieses Ortes vor, die Bruderschaft, das angegliederte Priester- und Studienkolleg sowie einzelne Personen, die hier ihre Ruhestätte fanden.

Das Viertel westlich vom heutigen Vatikan war einst ein „deutsches Viertel“. Hier im Stadtteil Borgo (deutsch: Burg) ließen sich zahlreiche deutsche Handwerker, Künstler oder Mitarbeiter der Kurie nieder und prägten das Viertel.

Eine wichtige Station ist die Kirche Sante Maria dell’Aninma, die noch eines der letzten Relikte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ist. Hier findet sich auch die Grablege einiger Fugger sowie des deutschen Papstes Hadrian VI. aus Utrecht. Heute ist die „Anima“ die Nationalkirche der Deutschen.

Ein zweiter „Spaziergang“ führte schließlich in die Altstadt Roms: das 1552 von Ignatius von Loyola gegründete Germanicum, das bis heute Priester aus dem deutschsprachigen Raum und Ungarn ausbildet sowie die Villa Malta bei der Spanischen Treppe, in der sich eine deutsche Künstlerkolonie von Mitte des 18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts aufhielt.

Und natürlich durfte auch der Aufenthalt von Martin Luthers 1510/1511 in Rom nicht fehlen. Professor Ernesti rekonstruierte einige Details aus Luthers Tischreden und wie es schließlich zur Abneigung gegenüber dieser Stadt kam. Auch wurde das evangelische Leben in Rom thematisiert: der Bau der evangelischen Christuskirche, der erst nach Auflösung des Kirchenstaates möglich war, sowie der Protestantische Friedhof außerhalb der Stadtmauer Roms.

Abschließen ging Ernesti noch auf die Aufenthalte deutscher Schriftsteller in Rom ein: Johann Wolfgang von Goethe, Thomas Mann, Ingeborg Bachmann, Marie Luise Kaschnitz, Hilde Domin … Jeder hatte auf seine Weise eine eigene Beziehung zu Rom, die sie prägte und die sie literarisch verarbeiteten.

Es war ein  kurzweiliger Vortragsabend, der Bekanntes aber vor allem auch viel Unbekanntes über Rom und die Deutschen vermittelte.

Buchhinweis: Jörg Ernesti, Deutsche Spuren in Rom. Spaziergänge durch die Ewige Stadt. Freiburg 2020.