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„Dass wir frei sind und frei sein wollen.“ Die Zwölf Artikel und der Bauernkrieg 1525.

22.03.2025 15:56

Studiennachmittag des Akademischen Forums mit dem Verein für Augsburger Bistumsgeschichte im Haus Sankt Ulrich, Augsburg am Freitag, 21. März 2025

Von links: Christoph Engelhard, Claus Ortmann, Prof. Dr. Gerda Riedl, Prof. Dr. Christof Paulus

Der Studiennachmittag fand auf Einladung des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte und des Akademischen Forums der Diözese Augsburg statt. Dr. Robert Schmucker, Leiter des Akademischen Forums, begrüßte die Kooperationspartner und die über einhundert Teilnehmer zur Veranstaltung, führte in das Thema ein und stellte die Referenten vor.

Christoph Engelhard, Stadtarchivar von Memmingen, vermittelte in seinem ersten Vortrag Beobachtungen aus der schwäbischen Reichsstadt Memmingen zur Zeit des Bauernaufstandes im Jahr 1525. Dabei ging es um das Streben der Menschen nach Freiheit aber auch um die Sorge der Obrigkeit um Ruhe und Ordnung. Hier zeigte sich der Rat von Memmingen sehr gemäßigt und suchte im Dialog mit den aufgebrachten Bauern nach Wegen des gegenseitigen Einverständnisses. Wie sich jedoch zeigte, verhinderte der Einfluss von außen, besonders durch den Schwäbischen Bund, eine einvernehmliche Lösung, so dass es zu den bekannten gewalttätigen Auseinandersetzungen kam. Viele Bauern, man rechnet heute mit einer Zahl von 70 000, verloren dabei ihr Leben.

Pfarrer Claus Ortmann, Inhaber der Memminger Projektstelle "Mir wollet frei sein"– ein theologischer Beitrag zum gesellschaftspolitischen Diskurs der Gegenwart im Rahmen des Jubiläums 500 Jahre Bauernartikel, arbeitete in seinem Vortrag den theologischen und historischen Zusammenhang der Zwölf Artikel heraus. Ein Schwerpunkt seiner Ausführungen nahm Zusammenhänge von Reformation und den Forderungen der Bauern in den Blick. Anfangs durch Luther ermutigt, lehnte dieser später ihre Forderungen schroff ab. Handelte es sich um ein Missverständnis von Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“? Luther forderte schließlich die Obrigkeit auf die Rotten und Bauern niederzuschlagen. Luther will die Kirche und den Klerus reformieren, nicht den Adel und die gesellschaftlichen Strukturen. Im Verhalten der Bauern sieht Luther eine Gefahr für die Reformation. Er mahnt die Aufständigen zur Mäßigung: Gott sieht das Unrecht der Bauern. Aber nicht soll Unrecht mit Unrecht vergolten werden - das ist des Teufels.

In einem dritten Vortrag zeigte Professorin Dr. Gerda Riedl, wie sich der Freiheitsbegriff im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat. Ausgehend vom heutigen Verständnis von Freiheit als Selbstbestimmung des Menschen als höchstes Ziel blickte sie zurück die Antike (Freie und Sklaven) bis hin auf das 19. Jahrhundert, wo Freiheit weitgehend als Emanzipation von Einschränkungen verstanden wurde. Schritt für Schritt vollzog sich bis in das 20. Jahrhundert eine Wandlung im Verständnis und im Zuspruch der Freiheit des Einzelnen.

Der vierte Vortrag von Professor Dr. Christoph Paulus zeigte schließlich mit kulturgeschichtlichen Ausleuchtungen des Bauernaufstandes eine neue Perspektive auf diese Zeit. Mit zahlreichen literarischen und historischen Erzählungen und Berichten, wurden einzelne Vorkommnisse in den Blick genommen und reflektiert. So entstand ein lebendiges und eindrucksvolles Bild vom Bauernstand, das den Studiennachmittag abrundete.