Religionen stärken gesellschaftlichen Zusammenhalt
Hamburg (KNA/pba) Bischöfe, Rabbiner, Imame: Bei einem Treffen in Hamburg sind an diesem Montag Vertreter von Religionsgemeinschaften aus ganz Deutschland zusammengekommen, darunter auch Bischof Dr. Bertram Meier als Vorsitzender der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher fand lobende Worte für ihr Engagement und sieht im interreligiösen Dialog einen zentralen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. "In Hamburg leben Menschen aus über 180 Nationen mit unterschiedlichsten Glaubensrichtungen und Weltanschauungen zusammen", erklärte er zum bundesweiten Tag der Religionen, der heuer in Hamburg stattfand.
Die Vielfalt bereichere die Hansestadt, verlange aber auch Respekt und Toleranz. "Mit ihrem sozialen Engagement, mit ihrer klaren Haltung gegen Extremismus und Diskriminierung tragen die Kirchen und Religionsgemeinschaften sehr zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und solidarischen Miteinander in unserer Stadt bei", sagte Tschentscher laut Mitteilung des Senats.
Zum Tag der Religionen kamen neben Bischof Bertram weitere hochrangige Vertreter der großen Religionsgemeinschaften in Deutschland in die Hansestadt, darunter die evangelische Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs, der Berliner Rabbiner Andreas Nachama, Burhan Kesici vom Islamrat, Carola Roloff von der Deutschen Buddhistischen Union sowie Vertreter der Baha'i und des Hindu Forums. Nach interner Sitzung und einer Begegnung mit Schülerinnen und Schülern sowie Religionslehrkräften an einem Gymnasium fand nachmittags in der Hauptkirche Sankt Petri ein interreligiöses Friedensgebet statt.
Im Anschluss daran gab es einen Senatsempfang im Rathaus. Der Abend stand unter dem Motto "Religiöse Diversität an Schulen: Gewinn oder Last?". Der Chef der Senatskanzlei, Staatsrat Jan Pörksen, und Bischöfin Fehrs sprachen Grußworte. Die Bremer Religionswissenschaftlerin Gritt Klinkhammer gab einen Impuls zum Thema, das in ein Podiumsgespräch mündete, an dem auch Bischof Bertram teilnahm.
Für die Zukunft hat der Bischof bezüglich der religiösen Vielfalt an Bildungseinrichtungen vor allem einen Wunsch: „Ich glaube, Schulen sollten in den nächsten Jahren vor allem lernen, religiöse Bildung nicht nur als Wissensvermittlung, sondern als Persönlichkeitsbildung zu verstehen. Junge Menschen brauchen Orientierung – und dazu gehört, die eigene religiöse oder weltanschauliche Haltung zu kennen, aber auch die des anderen respektieren zu können." Konkret bedeutet das für ihn: Schulen müssten Räume schaffen, in denen über Glaube, Werte und Sinnfragen offen gesprochen werden dürfe – ohne Angst, etwas Falsches zu sagen oder anzuecken. Gerade in einer pluralen Gesellschaft sei das entscheidend, so Bischof Bertram.
Der Runde Tisch der Religionen, ein 1998 gegründetes bundesweites Forum zur Förderung von Toleranz und Verständigung, richtet den Tag der Religionen jährlich in einer anderen Stadt aus. Das aktuelle Treffen fand gemeinsam mit dem Interreligiösen Forum Hamburg statt, das in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert.