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Predigt anlässlich der Pontifikalmesse zum Johann von Gott-Fest
am 8.3.2026 in der Stiftungskirche in Marxheim/Schweinspoint

„Halten wir Jesus unsere leeren Becher hin!“

09.03.2026 10:51

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst, liebe Ehrengäste, liebe Mitglieder der Stiftung Sankt Johannes, liebe Schwestern und Brüder in Christus! Jeder von uns hatte wohl schon mal so richtig Hunger. „Ich hab’ ein Loch im Bauch“ – das sagen wir, wenn unser Magen leer ist und vielleicht sogar grummelnde Geräusche von sich gibt.

„Die Zunge klebt mir am Gaumen!“ – so empfinden wir an heißen Sommertagen, wenn der Mund ganz trocken wird und wir dringend etwas zu trinken brauchen. Für gewöhnlich wissen wir uns schnell zu helfen: meist ist ein Wasserhahn oder Supermarkt in der Nähe. Dass wir so leicht auf ausreichend Trinkwasser zurückgreifen können, dafür dürfen wir dankbar sein; in vielen Ländern unserer Erde ist gutes Wasser Mangelware.

Für Jesus, der vor 2000 Jahren in Israel lebte, war es normal, zu einem Brunnen zu gehen, wenn er Durst hatte. Weil die allermeisten Menschen ihr Wasser vom Brunnen holen mussten, war so ein Brunnen ein guter Treffpunkt, um miteinander eine Runde zu plaudern und „Klatsch und Tratsch“ auszutauschen. Das Gespräch zwischen Jesus und der Frau am Jakobsbrunnen allerdings ging über eine belanglose Plauderei hinaus; der Inhalt ist auch für uns heute so interessant und wichtig, dass er in der Bibel aufgeschrieben wurde. Im Menschen Jesus darf die Frau dem Sohn Gottes begegnen, dem erwarteten Messias – mit dieser Erkenntnis endet das uns überlieferte Gespräch.

Als Mensch kennt er Hunger und Durst und er weiß, wie gut es tut, nach einer anstrengenden Reise einen großen Becher frisches Wasser zu trinken. Aber Jesus macht die Frau am Brunnen auf etwas Anderes aufmerksam: auch unser Herz, unsere Seele, hat Hunger und Durst. Das, was unser Herz satt macht, was den Durst in unserer Seele löscht, können wir nicht selbst konstruieren wie eine Wasserleitung; wir können es nicht kaufen. Jesus nennt es „lebendiges Wasser“. Es ist unsichtbar und doch können wir es spüren: wir selbst und unser Umfeld merken es, wenn wir dieses Wasser im Herzen haben. Denn es bringt Frieden, Freude, Güte, Liebe und Treue. Jesus möchte uns das schenken. Er kann uns dieses lebendige Wasser geben, weil er Gottes Sohn ist.

Wenn wir auf das Leben der Barmherzigen Brüder schauen - Johannes von Gott, Sympert Fleischmann und Wolfgang Kaiser - dann dürfen wir annehmen, dass die drei immer wieder einen kräftigen Schluck von diesem lebendigen Wasser getrunken haben. Sie wurden selbst zu einer Quelle, von der viel Gutes für Andere ausging. Seelsorge und Krankenpflege, Tatkraft, Humor und stets ein aufmunterndes Wort auf den Lippen - auf je eigene Weise verkörperten diese Männer die bedingungslose Zugewandtheit unseres Gottes. Kreuz, Hand und Herz stehen symbolisch dafür. Diese Vorbilder, liebe Brüder und Schwestern, spornen uns an! Wir dürfen sie nachahmen. Ihr Beispiel ermutigt uns, im Vertrauen auf Gott mit Herz und Hand für andere da zu sein: Zeit schenken, mitanpacken oder ein offenes Ohr haben, ohne dabei den eigenen Vorteil zu suchen.

Ich bin mir sicher, viele von Ihnen haben sich schon des Öfteren vorgenommen, so zu leben. Und vielleicht haben Sie die Erfahrung gemacht, dass Ihr Umfeld dankbar darauf reagiert: Manchmal reicht der Impuls eines Einzelnen aus, um das zwischenmenschliche Klima zum Positiven zu verändern oder um nachhaltig Gutes zu bewirken. Und doch stoßen wir mit unserem guten Willen früher oder später an Grenzen: Missverständnisse bleiben unaufgeklärt, Freundlichkeit wird nicht erwidert, das Unrecht scheint zu siegen oder die eigenen Bedürfnisse werden übersehen. Der Geduldsfaden reißt, die Kraft geht aus, Versöhnung rückt in unerreichbare Ferne und in unserem Inneren sprudelt nichts mehr, was Frieden und Freude in die Welt bringen kann. Das ist menschlich, aber kein empfehlenswerter Dauerzustand.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollten wir uns darum kümmern, dass unser Inneres mit der Quelle in Verbindung ist, die nie versiegt: mit Jesus selbst. Sein Wasser ist gratis! Halten wir Jesus unsere leer gewordenen Becher hin! Bleiben wir in steter Verbindung mit ihm! Die Fastenzeit dürfen wir als Chance ansehen, um intensive Reparaturarbeiten an unseren himmlischen Leitungen vorzunehmen. Eigentlich ist es viel einfacher, das Leben aus dieser Quelle heraus zu gestalten als sich ständig anstrengen zu müssen, gegenüber allem und jedem ein guter Mensch zu sein. Ich sage „eigentlich“ - denn diese Verbindung zu Gott zu halten, fällt uns tatsächlich schwer: es liegt nicht mehr im Trend und unser Alltag ist mit so viel Anderem mehr als genug gefüllt. Ja, nicht selten ist unser Eimer, in dem wir das lebendige Wasser sammeln sollen, bereits voll: gefüllt mit Leistungsdruck und hoher Arbeitsbelastung, im Wechsel mit einem ausuferndem Freizeitprogramm, mit Ablenkung und Süchten aller Art; gefüllt mit Wut und Misstrauen, mit Egoismus, Schuld und Scham, mit Streit und Hass. Auch so einen vollen Eimer dürfen wir vor unseren Gott tragen. Wir dürfen ihn Jesus buchstäblich vor die Füße kippen. Es gibt keinen besseren Ort als sein Kreuz, um all das abzuladen, was unser Herz unnötig schwer macht. Ergreifen wir die Chance, die uns die Fastenzeit bietet: Räumen wir unsere Herzen frei, damit frisches Wasser darin Platz hat!

Das Gespräch zwischen Jesus und der Frau - eine intensive Begegnung zwischen zwei Personen. Wir merken, mit Gott im Gespräch zu bleiben, das ist eine sehr persönliche Sache. Aber wir wären nicht Kirche, wenn nicht unsere Gemeinschaft dabei eine Rolle spielte. Als Schwestern und Brüder sind wir nicht allein zur Quelle Gottes unterwegs. Wer den Zugang zu Gott finden will, braucht Andere als Wegbegleiter. Der Weg bringt manche Durststrecke mit sich, da ist es erforderlich, dass wir einander zu trinken geben. Kirche ist nicht nur eine spirituelle Gemeinschaft. Jesus ist Mensch geworden, hat Hand und Fuß bekommen. So hat auch die gegenseitige Unterstützung im Laufe der Jahrhunderte konkrete Formen angenommen - in Einrichtungen, Sozialstatio­nen, Verbänden, Hilfsorganisationen, Ordensgemeinschaften und Stiftungen.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich am Ende meiner Predigt den Vorsitzenden dieser Förderstiftung: Herrn Robert Freiberger. Danke für Ihren Einsatz! Auch wenn Sie bald Abschied nehmen, so feiern Sie mit uns heute, dass die gute Sache hier weitergeht. Ich freue mich, dass ich neben der Gedenktafel an der Friedhofsmauer auch einen Erweiterungsbau der Förderstätte segnen darf. Neue Räume sind dazugekommen. Die St. Johannesstiftung geht in die Zukunft. Dass diese Zukunft mit Gott verbunden bleibe, darum beten wir heute. Einem Brunnenplatz ähnlich werden auch hier viele unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen. Mögen die neuen Räume dazu beitragen, dass alle, die hierherkommen, gute Nahrung finden und dass sie satt werden an Leib und Seele.