In der Beratung heilige Räume schaffen
62 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Beratung und Verwaltung aller Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen der Diözese Augsburg sind jüngst zu den EFL-Tagen im Haus Sankt Ulrich zusammengekommen. Die Tagung stand unter dem Motto „Würde“. In interaktiven Workshops konnten die EFL-Teams ihre Blicke dafür schärfen, wie kirchliche Beratungsarbeit heilige Räume erschaffen kann, in denen durch tiefe zwischenmenschliche Begegnung Momente der Gottesbegegnung möglich werden.
Zwei Holzfiguren, ein kleiner König und eine kleine Königin von Diakon Ralf Knoblauch aus Bonn, die die EFL Augsburg kürzlich erwerben konnte, symbolisierten menschliche Würde. Der Fundamentaltheologe Dr. Andreas Matena von der Universität Augsburg führte in seinem Workshop in den Begriff der „Würde“ ein. Von zentraler Bedeutung war dabei die These, dass Würde dem Menschen nicht erst zuerkannt werden muss. Würde ist vielmehr etwas, was der Mensch unveräußerlich besitzt. Gemeinsam beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer damit, wie Würde in diesem Sinne im Alltag der Beratungsstellen gelebt werden könne. Hierbei entstand die Erkenntnis, dass durch echte Empathie und wirkliches Mitfühlen in den zwischenmenschlichen Begegnungen ein heiliger Raum entstehe, der es jedem und jeder erlaube, mit seinem Empfinden da zu sein und somit einen Zugang zur eigenen Würde wiederzufinden.
Der Fundamentaltheologe sieht darin die Erfüllung des Auftrages, die Sorgen und Nöte der Menschen als die Sorgen und Nöte der Jünger Christi zu sehen. Mit dem Erschaffen solch heiliger Räume werde eine Gottesbegegnung in der zwischenmenschlichen Begegnung ermöglicht – zwischen zwei Menschen, die auf Augenhöhe miteinander in Kontakt treten. Was das für die tägliche Arbeit heißt, wurde dann in Kleingruppen herausgefiltert. Dabei wurde deutlich, dass sich der Bogen vom ersten telefonischen Kontakt bis zum Beratungssetting selbst spannt. Auch das Erleben von Würde auf Beraterseite kam zur Sprache und somit auch die Arbeitsbedingungen, die dieses Erleben erleichtern. Letztendlich sei es das Gefühl angenommen zu werden und sein zu dürfen, das zur Wahrnehmung der eigenen Würde verhilft.
Mehr auf die Beratungsarbeit bezogen war der Markt der Möglichkeiten, in dem sich die Teams der insgesamt 24 Haupt- und Außenstellen gegenseitig ihre Methodenvielfalt präsentierten. Hierbei ging es um ein kollektives Lernen und Weiterentwickeln. Hierbei kamen auch die Vielseitigkeit und das hohe fachliche Niveau kirchlicher Beratungsarbeit zum Ausdruck. Vorgestellt wurden Projekte mit Straffälligen, ambulant ober auch in der JVA, bei denen Würde immer wieder infrage gestellt wird. Die Arbeit mit inneren Anteilen unter anderem auch mit schematherapeutischen Techniken, Einsamkeit und Grundbedürfnissen fanden dabei ebenso Platz wie die Reflexion von vermeintlichen Einschränkungen im Erleben von Würde sowie Formen von würdevoller Zusammenarbeit und gegenseitiger Unterstützung im Team.
Hauptabteilungsleiterin Angelika Maucher bestätigte den Anwesenden, dass die Präsenz der EFL in der Fläche der Diözese ein hohes Gut darstelle und zu einer positiven Wahrnehmung der Kirche beitrage. Mit der EFL bietet die Kirche einen Ort der Begegnung und Konfliktklärung an, dem in der aktuellen politischen Situation auch eine Rolle als Gegengewicht zu extremistischen Tendenzen zufällt, so Maucher.
Wer in der Beratung oder Paarberatung hinsichtlich von Deeskalation, Empathie und respektvoller Konfliktklärung Unterstützung erfährt, habe bessere Chancen dies auch auf die gesellschaftliche und politische Dimension zu übertragen und sich von populistischen Reden nicht vereinnahmen zu lassen. Gerade vor diesem Hintergrund ist es daher besonders wichtig, dass das Angebot der EFL auch in Zukunft diözesanweit erhalten bleibt.
Rund um alle organisatorischen und fachlichen Überlegungen boten die EFL-Tage viele Gelegenheiten zum Austausch untereinander.