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Orden & Klöster

"Leuchtendes Beispiel wahrer Gottesliebe"

Seit fünfzig Jahren wirkt im Hintergrund der Zisterzienserinnenabtei Oberschönenfeld der Freundeskreis des Klosters und unterstützt die Bewahrung des jahrhundertealten bau-, kunst- und geistesgeschichtlichen Erbes ideell wie materiell. Zum fünfzigsten Geburtstag des Vereins hat Bischof Bertram nun einen Festgottesdienst in der Abteikirche gefeiert – und betont, dass es im Christentum darum gehe, gemeinsam „helfend und heilend“ anzupacken.

Die Schwestern von Oberschönenfeld leben in der ältesten Zisterzienserinnenabtei Deutschlands (Fotos: Julian Schmidt / pba)

„‚Die Ernte ist groß!‘ – dieser Ausruf des Herrn gilt heute so wie vor 2000 Jahren!“, betonte der Bischof eingangs in seiner Festpredigt mit Bezug auf das Matthäusevangelium. Es sei Grundeigenschaft des Menschen, dass er geliebt und gesehen werden wolle, und diesem Gedanken folgend sei es wiederum der Kern des christlichen Glaubens, „zu sehen, was notwendig ist, um helfend und heilend anzupacken und so einen Weg für Licht und Leben, für Freude und Zuversicht zu bahnen - für ein Miteinander, in dem christliche Gemeinschaft, wie sie hier in Oberschönenfeld lebendig ist, gestärkt und erhalten wird.“

Diese Arbeit am Nächsten und am Miteinander, wie sie exemplarisch nicht nur durch die mittlerweile über achthundert Jahre währende Klostergeschichte, sondern auch in den fünfzig Jahren des Freundeskreises aufgezeigt und gewährleistet werde, sei freilich kein Selbstläufer und auch kein lebenslanger Spaziergang. Wer als Christin und Christ die Entscheidung für den Herrn und zu einem Leben in Nachfolge Jesu treffen, „der weiß, dass Durststrecken und Wüstenzeiten zu einem solchen Leben dazugehören! Ja, es ist nicht ausgeschlossen, dass man sogar über Jahre hin geistige und körperliche Krisenzeiten erlebt, die an die Substanz gehen können. Wer unsere Evangeliumspassage weiterliest, erfährt, dass sich bereits die ersten Christen darüber nur allzu sehr im Klaren waren.“

Bischof Bertram dankte in seiner Predigt den Schwestern und dem Freundeskreis für ihr gemeinschaftliches Engagement in Oberschönenfeld.

Auch am Anfang der Geschichte der Zisterzienserinnen, wie sie in Oberschönenfeld ansässig sind, sei eine solche Krisenzeit gestanden, während der Bernhard von Clairvaux und seine Unterstützer der Welt bewusst den Rücken gekehrt hätten, „nicht um eine heile Gegenwelt zu schaffen, sondern um ein leuchtendes Beispiel wahrer Gottes- und Nächstenliebe zu geben.“ Dieser Anspruch sei so groß, dass er Widerspruch, Abwehr, ja selbst Protest errege, so der Bischof – und das sei wiederum auch gut so: Die Anerkenntnis eines Schöpfergottes und das Eingestehen der menschlichen Geschöpflichkeit „geht uns, salopp gesagt, gegen den Strich und das ist gut so: Weil wir nur so spüren, wieviel wir Gott wert sind!“

In dem über Jahrhunderte gepflegten Dienst am Nächsten in der Abtei Oberschönenfeld und dann wiederum in den fünfzig Jahren des Freundeskreises sei genau dieses christliche Leitbild und die mitunter schwierigen Zeiten, die damit verbunden seien, zu erkennen. Bereits zur Gründung des Fördervereins habe viel „Mut und Realitätssinn“ gehört, um in der nachkonziliaren Aufbruchstimmung sich für eine Zukunft zu wappnen, die mit deutlich weniger finanziellen und personellen Ressourcen auskommen müsse. So fungiere der Freundeskreis seit 1976 nicht nur als Bindeglied zwischen der Abtei und den vielen Kooperationspartnern und Förderern dieser Zeit, sondern hätten seine Mitglieder seitdem auch unzählige Arbeitsstunden und unwägbar viel Kreativität und Ideenreichtum für das Kloster eingebracht: „dass Sein Reich lebendig bleibt in den ‚Herzen und Hirnen‘ der Menschen, die hier den Trost der Sakramente, der baulichen und landschaftlichen Schönheit suchen. Ad multos annos!“

Im Anschluss an den Festgottesdienst luden die Schwestern und der Freundeskreis zum alle zwei Jahre stattfindenden Klosterfest ein, das musikalisch vom Musikverein Fischach gestaltet wurde. Neben der Bewirtung gab es dort auch die Gelegenheit zu zahlreichen Führungen durch das Kloster und die angeschlossenen Anlagen, ein Orgelkonzert, einen Kinderflohmarkt und die Gelegenheit zum Austausch mit den Schwestern. Das Fest endete am Nachmittag mit einer gemeinsamen Schlussandacht.

Die Äbtissin von Oberschönenfeld Sr. Gertrud Pesch OCist.

Das Kloster Oberschönenfeld geht auf einen Beginenkonvent zurück, der sich Ende des 12. Jahrhunderts herausgebildet hatte und sich der Klosterüberlieferung zufolge 1211 auf dem heutigen Abteigelände niederließen. Wohl auch in etwa dieser Zeit nahmen die Frauen die Regel des Zisterzienserordens an, der sie bis heute als älteste noch bestehende Zisterzienserinnenabtei Deutschlands folgen. In der langen und wechselhaften Geschichte des Klosters, die immer wieder auch von Krieg, Unglück und Vertreibung gekennzeichnet war, stand die Gemeinschaft bereits im 16. Jahrhundert kurz vor dem Aussterben, als dem Konvent nur noch drei Schwestern angehörten. Den Wirren von Reformation und Dreißigjährigem Krieg folgte schließlich eine barocke Blütezeit, die sich im damals neu angelegten Klosterkomplex und der Abteikirche Mariä Himmelfahrt manifestierte. Mit der Säkularisation 1803 wurde die Abtei aufgelöst, den dort lebenden Schwestern jedoch gestattet, ohne Aufnahme von Neumitgliedern weiterhin dort wohnhaft zu bleiben. 1836 wurde die auf fünf ältere Schwestern zusammengeschrumpfte Gemeinschaft durch König Ludwig I. wiederbelebt und erlebte in den Jahrzehnten darauf wieder ein rasches Wachstum. 1899 wurde das Kloster wieder formell dem Zisterzienserorden eingegliedert und 1918 erneut zur Abtei erhoben. Heute gehörten dem Konvent 16 Schwestern an.

Der Freundeskreis Oberschönenfeld e.V. wurde 1976 gegründet, um die Bewahrung des im Kloster bewahrten Erbes zu fördern und zu unterstützen. Neben der finanziellen Hilfe organisiert der Verein auch kulturelle Veranstaltungen sowie alle zwei Jahre das beliebte Klosterfest.

Im Anschluss an den Gottesdienst wurde zum Klosterfest geladen.
Neben dem Verkauf von Eis durch Wettenhausener Dominikanerinnen...
...gehörte zum Klosterfest natürlich auch das dort beheimatete größte Weihrauchfass der Welt.