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Ökumene-Kongress

Missionarischer Aufbruch möglich!?

Die christliche Glaubenskonferenz „Mission:is:possible“ (Mission ist möglich) verwandelte den Augsburger Kongress am Park in den vergangenen beiden Tagen in ein Labor für die Kirche von morgen. Neben tausend Gläubigen aus verschiedenen christlichen Konfessionen nahmen auch Bischof Dr. Bertram Meier, Weihbischof Florian Wörner sowie Mitarbeiter der diözesanen Abteilung Evangelisierung und Gläubige aus den Pfarreien daran teil. Sie alle setzten ein starkes Zeichen, dass die christliche Botschaft im 21. Jahrhundert gemeinsam gelebt werden kann und vor allem auch noch junge Leute begeistert. Bischof Bertram betonte die bereits sichtbare Einheit: „Das, was uns verbindet, ist viel stärker als das, was uns trennt.“

Auf dem Konrgess "Mission is possible" wurde Einheit auch durch Gebet und Gesang bei Gottesdienst und Lobpreis gelebt. (Fotos: Nicolas Schnall / pba)

Mutmacher für eine missionarische Ökumene

Der Bischof bezeichnete den Kongress als „Mutmacher für unterschiedlichste Gruppen – Haupt- wie Ehrenamtliche, Jüngere und Ältere, Geistliche und Laien – neue Wege zur Glaubensweitergabe zu erproben und sich von Erfahrungen anderer inspirieren zu lassen“. Denn nicht wenige litten heutzutage darunter, wenn es innerhalb der Familie nicht gelingt, die Generation der Kinder und Enkel für den Glauben an Jesus Christus zu begeistern, so der Bischof. „Insofern bin ich zutiefst davon überzeugt, dass Impulse zur Mission, zur Sensibilisierung für den mit Taufe und Firmung erfolgten Sendungsauftrag jeder Christin und jedes Christen nicht nur Gebot der Stunde sind, sondern tagtäglicher Auftrag.“ Ein Auftrag, der alle christlichen Konfessionen verbinde.

So brachte der Bischof als Schirmherr und Mitglied des Trägerkreises der Konferenz bereits zu Beginn des Treffens seinen Wunsch zum Ausdruck, „dass wir den Blick gemeinsam auf Jesus Christus richten, der uns alle hier vereint“. Gleichzeitig erinnerte er an die alle verbindende Taufe als „Startschuss eines jeden christlichen Fahrtenschreibers“. Das Evangelium den Menschen anzubieten sei nicht nur eine Methodenfrage, sondern hierbei gehe es um unser Zeugnis, betonte der Bischof am Samstagfrüh beim Gottesdienst in der nahegelegenen Kirche St. Anton. „Der Herr möge eine Vitaminspritze sein, dass unsere Mission gelingen kann.“

  

Sich schweigend der Gegenwart Gottes aussetzen

Der Passauer Bischof Dr. Stefan Oster SDB sprach über das kontemplative Beten. Jeder, der sich ernsthaft mit dem Thema Mission auseinandersetze, wisse um das Geheimnis, dass ohne Gebet „nichts wirklich ist“. Gebet sei die Ausdrucksform für die qualitätsvolle Beziehung mit dem Herrn. Auf die Frage „Wie beten?“ führte der Passauer Bischof aus: „Den Herrn bitten, dass wir seiner liebenden Gegenwart wirklich vertrauen können." Dieser Gegenwart gelte es sich schweigend und wartend auszusetzen. „Bis er sich von sich her zeigt - und nicht so, wie ich ihn eh schon vermeintlich kenne.“ Jede und jeder brauche eine Neuzentrierung, denn der Mensch halte sich wie von selbst für den Mittelpunkt der Welt. Das Zentrum des Universums sei aber der Herr, so Bischof Oster.

Der Mit-Organisator der Veranstaltung und Theologe Dr. Johannes Hartl blickte kritisch auf den aktuellen Zustand der Kirche, indem er sie mit einem Gastronomiebetrieb verglich, in der alles perfekt geregelt ist, aber der Blick auf das Wesentliche verlorengegangen ist: „Stell dir vor, Menschen haben Hunger und da gibt es die Mitarbeiter in einem Restaurant.“ Diese hätten sich sehr stark spezialisiert auf interne Abläufe, hätten sehr gute Jahresgespräche, schöne Servietten und super Blumen auf den Tischen, aber könnten den Hunger des Gastes nicht stillen. Hartl weiter: „Wir gehen davon aus, dass alle Leute ganz happy sind, weil wir selbst an reich gedeckten Tischen sitzen. Wir sehen nicht, dass es Menschen gibt, die verschmachten." Das Interessante an der Kirche sei nicht die Kirche, sondern Jesus Christus, warb er für die Notwendigkeit eines missionarischen Aufbruchs.

Unter dem Titel „Missionarische Erneuerung der Großkirche“ diskutierte Bischof Bertram gemeinsam mit dem orthodoxen Theologen Georgios Vlantis, Referent für Ökumene im Bistum Augsburg, und Pfarrer Dr. Thomas Schlegel, Experte für missionarische Gemeindeentwicklung in der evangelischen Kirche, über den Ist-Zustand (auch best-practice) sowie die Chancen und Herausforderungen der diesbezüglichen Anstrengungen in den christlichen Kirchen. Dabei hob der Bischof besonders die Arbeit der diözesanen Abteilung Evangelisierung hervor, die – auch wenn es sich im ersten Moment bürokratisch klingen mag – neben vielen Impulsen in die Diözese und darüber hinaus schon seit längerer Zeit zweimal im Jahr mit der Missionarischen Woche das Leben von Pfarreien neu beleben. Ein Konzept, das durch Pfarrer Reinfried Rimmel, den Leiter der Abteilung, näher vorgestellt wurde. Zudem sprach Bischof Bertram sich für ein Mehr an Bibelarbeit aus - auch wieder in der Fläche.  

   

Impulse, die in die Fläche hineinwirken sollen

Das zweitägige Programm bot den Teilnehmerinnen und Teilnehmern – darunter auch Frauen und Männer aus Pfarrgemeinden des Bistums – eine Mischung aus Inspiration und konkreter Hilfestellung für die Praxis vor Ort.

  • Internationale Strahlkraft: Vorträge von Hauptrednern wie der anglikanische Pastor Nicky Gumbel, Weiterentwickler und Förderer der Alpha-Kurse, setzten theologische Akzente. Im Jahr 2025 verzeichneten die christlichen Glaubenskurse ein weltweites Rekordjahr. Rund 2,8 Millionen Menschen in 158 Ländern nahmen an diesen Treffen teil, was einem Zuwachs von 31 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.
  • Konkrete Werkzeuge, Fähigkeiten zu vertiefen und Erfahrungen weiterzugeben: Praxisnahe Workshops beleuchteten etwa, wie digitale Verkündigung über Social Media und innovative Glaubenskurse für Suchende gelingen kann.
  • Gelebte Einheit durch Gebet und Gesang: Bei Gottesdienst und Lobpreis wurde die Vielfalt christlicher Ausdrucksformen als Bereicherung spürbar.

   

Ein bleibender Auftrag

Nach etwas mehr als 24 dicht gefüllten Stunden reisen die Teilnehmer nach einem Workshop-Nachmittag, abwechslungsreichem Abendprogramm sowie einer Lichterprozession und Komplet in St. Anton mit einer klaren Botschaft im Gepäck zurück in die Heimat, an den Arbeitsplatz, in die kirchliche Gemeinde. Die in Augsburg erlebte Aufbruchsstimmung soll kein Strohfeuer bleiben. Sie soll als konkreter Rückenwind in den Pfarreien und kirchlichen Gemeinschaften nachwirken – über alle Konfessionen hinweg.

  

Hintergrund

"Mission:is:possible" ist eine erstmals stattfindende Konferenz eines Trägerkreises aus verschiedenen christlicher Konfessionen. Zum Trägerkreis gehören Frank Bauer (Jugend mit einer Mission, Deutschland), Bischof Dr. Bertram Meier, Beate Bösche (BlueFlame), Matthias Brender (Bibel TV next mission), Frank Heinrich (Theologe und Politiker), Dr. Johannes Hartl (Gebetshaus Augsburg), Prof. Dr. Mihamm Kim-Rauchholz (Theologische Referentin der Liebenzeller Mission), Otto Neubauer (Akademie für Dialog und Evangelisation Wien), Gerhard Proß (Miteinander für Europa, CVJM Esslingen), Dr. Reinhardt Schink (Vorsitzender der Evangelischen Allianz), Bischof Dr. Stefan Oster (Bischof von Passau), Georgios Vlantis (orthodoxer Theologe und Archon des Patriarchen von Konstantinopel).

  

Hinweis

Einzelne Teile des Kongresses (Vorträge etc.) sind auf den Seiten von radio horeb zu finden, der die beiden Tage live übertragen hat.