„Ein Netzwerk des Vertrauens knüpfen“
Der Augsburger Dom war an diesem Rekordhitzewochenende ein Ort der Erfrischung, als Bischof Dr. Bertram Meier Diakon Markus Hegewald (33) aus Wettstetten durch Handauflegung und Gebet zum Priester weihte. In einer Zeit, in der die Kirche vielerorts das Vertrauen der Menschen verloren habe, deutete Bischof Bertram an diesem Sonntagnachmittag das Weihegeschehen als einen mutigen Schritt des gegenseitigen Vertrauens zwischen Gott und dem Weihekandidaten. Als Leitmotiv wählte er dabei die „Hände“, anhand derer die tiefere Bedeutung des priesterlichen Dienstes und des christlichen Miteinanders entfaltet werden könne.
Gleich zu Beginn seiner Predigt ging Bischof Bertram auf das Gehorsamsversprechen ein, bei dem der Weihekandidat seine gefalteten Hände in die des Bischofs lege. Mit der Übergabe der Hände komme das Versprechen des Neu-Priesters handgreiflich zum Ausdruck. „Ich lege meine Zukunft in deine Hände. Ich vertraue mich Dir an“, veranschaulichte der Bischof diese Geste. Dabei betonte er jedoch, dass die bischöflichen Hände hierbei nur stellvertretend für die tragenden, stützenden und schützenden Hände Gottes stünden. „Gott umschließt Ihre Hände, nicht um Sie festzuhalten oder Sie gar gefangen zu nehmen, sondern um Sie zu stärken, damit Sie dem Evangelium Hand und Fuß geben können.“ Gehorsam bedeute in diesem Sinne keine Fremdbestimmung, sondern die Bereitschaft, sich dorthin schicken zu lassen, wo man gebraucht werde, was letztlich echte Freiheit, die in Verfügbarkeit und Demut münde.
Als Höhepunkt der Liturgie beschrieb Bischof Bertram die Handauflegung, die in absoluter, heiliger Stille vollzogen werde – lediglich getragen vom Klang der großen Glocke. Er rief die anwesenden Eltern, Angehörigen und Freunde dazu auf, den Neugeweihten im Gebet zu begleiten und bat darum, die Seelsorger nicht durch überzogene Ansprüche zu überfordern. „Wie die Flitterwochen bei einem jungen Ehepaar einmal zu Ende gehen, so wird auch ein Neupriester bald mit einer Situation konfrontiert, wo der Himmel nicht mehr voller Geigen hängt.“ Für die Zukunft der Diözese forderte er ein tragfähiges Miteinander aller – egal ob Amtsträger, Hauptberufliche oder Ehrenamtliche. Er erklärte, dass er vor der Vielfalt keine Angst habe, solange Christus die verbindende Klammer der Einheit bleibe. „Wir brauchen einander nicht auf Händen zu tragen, aber wir sollten versuchen, ein Netzwerk des Vertrauens zu knüpfen, das hält, wenn Belastungsproben und Krisen kommen“, ermutigte der Bischof die Festgäste.
Abschließend verwies der Bischof auf die Wandlung, die bei der Feier der Heiligen Messe durch die Kraft des Heiligen Geistes geschehe. „Brot und Wein wandeln sich in Leib und Blut Christi, weil sich zuvor in der Weihe in uns selbst eine Wandlung vollzogen hat“, betonte er. Zugleich wies Bischof Bertram den Neupriester darauf hin, dass es in der heutigen Zeit nicht reiche, nur Rechtgläubigkeit zu lehren, sondern dass es auf eine gelebte Glaubwürdigkeit ankomme. „Der Priester ist nicht Kulthandwerker, sondern Diener des Wortes“, zitierte er dazu Papst Benedikt XVI. Mit Blick auf seine eigene, vierzigjährige Priesterbiografie ermutigte der Bischof den Weihekandidaten zu einem tiefen Grundvertrauen und versicherte ihm, dass Gottes Hände gute Hände seien.
Während der Weiheliturgie, die musikalisch vom Karl-Kraft-Chor der Augsburger Domsingknaben und dem Bläserensemble der Augsburger Dommusik unter der Leitung von Domkantor Dr. Julian Müller-Henneberg sowie durch Domorganistin Claudia Waßner gestaltet wurde, trat der Diakon vor Bischof Bertram und versprach ihm seine Bereitschaft zum priesterlichen Dienst. Nach Handauflegung und Weihegebet bekam er die priesterlichen Gewänder angelegt, bekam die Hände gesalbt sowie Hostienschale und Kelch überreicht. Zum Schluss spendete der Neupriester den feierlichen Primizsegen, der über die beiden regionalen Fernsehsender augsburg.tv und allgäu.tv sowie im Livestream auf der Bistumsseite, bei Facebook und katholisch1.tv ein größeres Publikum erreichte.
Der Weihekandidat stellt sich im Folgenden kurz vor. Neben biografischen Eckdaten beantwortet er Fragen zu seinem Berufungsweg, zu seinen Vorlieben in der Seelsorge, dem gewählten Primizspruch und seiner Sicht auf die Zukunft der Kirche.
Markus Hegewald (33)
Heimatpfarrei: St. Martin, Wettstetten
Schulbildung: Christoph-Schreiner-Gymnasium, Ingolstadt
Studium: Kath. Theologie in Eichstätt (Magister)
Frühere Berufstätigkeit: Pastoralassistent im Bistum Eichstätt (2018-2021), Aussendung als Pastoralreferent im Bistum Augsburg (2021), Referent für Gemeindeentwicklung im Bistum Augsburg (2021-2024)
Pastorales Praktikum: Pfarrei Hlgst. Herz Jesu, Augsburg
Primiz: Sonntag, 5. Juli, 10.00 Uhr in St. Martin, Wettstetten (bei Ingolstadt)
Nachprimiz: Sonntag, 12. Juli, 9.00 Uhr und 10.30 Uhr in Herz Jesu, Augsburg-Pfersee.
Primizspruch: „Unsere Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen; das Netz ist zerrissen und wir sind frei.“ (Ps 124,7)
Kurz nachgefragt:
Sie haben nach Ihrem Studium zunächst als Pastoralreferent für die Gemeindeentwicklung gearbeitet. Wie kam es dazu, dass Sie sich doch dafür entschieden haben, Priester zu werden?
Der Beruf des Pastoralreferenten hat mir viel Freude bereitet. Doch die Frage nach der priesterlichen Berufung begleitet mich schon mein halbes Leben – mal mehr, mal weniger. Um diese endgültig für mich zu klären bin ich 2023 ins Augsburger Priesterseminar eingetreten. Der Zeitpunkt, der Ort, die Menschen dort, die Zeit für das Gebet und die Reflexion haben für mich zusammengepasst und mich darin bestätigt, auf dem richtigen Weg zu sein.
Was liegt Ihnen als Seelsorger künftig besonders am Herzen?
Ich möchte vor allem bei den Menschen sein, ihnen zuhören, was sie bewegt und ihnen von Gottes Güte und Barmherzigkeit erzählen, die auch mich antreibt.
Ihr Primizspruch lautet„Unsere Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen; das Netz ist zerrissen und wir sind frei.“ (Ps 124,7) Warum haben Sie sich für diese Stelle aus dem Psalmenbuch entschieden?
Was mich an dem Psalmvers fasziniert, ist die Vorstellung, dass Gott derjenige ist, der uns in die (wahre) Freiheit führen will. Wer auf ihn vertraut, wird befreit von Ängsten, von den eigenen Sünden und von allem, was einen gefangen hält. So stelle ich mir auch die Kirche vor, in der ich gerne als Priester arbeiten möchte: Als eine Gemeinschaft von Menschen, die Gottes Barmherzigkeit erfahren hat und erfährt und deshalb nicht aufhören kann, ihn zu loben und ihm zu danken.
Worauf hoffen Sie, wenn Sie an die Kirche der Zukunft denken?
Ich hoffe auf den Heiligen Geist, dass er auch in Zukunft die Kirche lenkt und inspiriert, ihr aber auch Mut und Kreativität verleiht, mit den Herausforderungen unserer Zeit angemessen umzugehen.