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Predigt bei der Festmesse in St. Leonhard im Forst
zum Abschluss der Kirchenrenovierung

„Renovierung des Herzens“

13.09.2026 12:00

Liebe Schwestern und Brüder! Was hat Vergebung, als Thema der eben gehörten Schriftlesungen, mit dem Abschluss einer Kirchenrenovierung, wie wir sie heute in der Pfarrkirche St. Leonhard im Forst feiern, zu tun? Die Antwort scheint mir auf der Hand zu liegen: Erneuerung.

So wie wir bei einer Beichte tief in unserer Seele graben und manch dunkle Flecken finden, zeigen auch die Renovierungsberichte dieser Kirche, dass man manchmal mehr an Schäden entdeckt, als man ursprünglich vermutet hatte, wenn man erstmal anfängt, an der Außenfassade zu kratzen. Da liest man dann beispielsweise von unerwarteten „Rissen und Hohlstellen an der Decke“, die dringend behoben werden mussten, damit die wertvollen Fresken erhalten bleiben. Drei Jahre lang wurde hier viel Geld und Arbeit investiert, und ich möchte allen von Herzen danken, die dazu beigetragen haben, dass dieser wunderbare Kirchenraum heute wieder in neuem Glanz erstrahlt.

Wie aber steht es um die „Renovierung“ unseres Herzens? Zeigen sich bei genauerem Blick vielleicht auch Risse in der Beziehung zu Gott (1), den Mitmenschen (2) oder mir selbst (3)? Drei Punkte, zu denen ich Ihnen jeweils meine Gedanken anbieten möchte.

1. Risse in der Gottesbeziehung

Bei einer Kirchenrenovierung genügt es nicht, einfach nur neue Farbe über die alten Schäden zu streichen. Zunächst müssen die Ursachen behoben werden: Lose Stellen werden freigelegt, beschädigte Steine ersetzt, Risse sorgfältig geschlossen; erst dann kann Neues entstehen.

In übertragenem Sinne kann dies auch für unsere Gottesbeziehung gelten. Es reicht nicht, einmal in der Woche sonntags die hl. Messe zu besuchen, wenn Gott ansonsten keine Rolle im Leben spielt. Eine lebendige Beziehung zeichnet sich dadurch aus, dass wir jeden Tag mit dem Herrn verbunden sind, sei es durch bewusstes Beten, sei es durch das Hören auf seine Stimme in unserem Inneren oder indem wir bei allem, was wir sagen und tun, das Vorbild Jesu im Hinterkopf haben. Wenn Sie sich also fragen, ob es Risse in Ihrer persönlichen Gottesbeziehung gibt, denken Sie in den nächsten Tagen mal darüber nach, welchen Stellenwert der Glaube in Ihrem Alltag hat.

Gerade, nachdem dieser Kirchenraum nun wieder so schön renoviert ist, lade ich Sie ein, häufig hierher zu kommen, um Gottes Gegenwart zu suchen. Die kunstvollen Figuren und Bilder können uns dabei eine Hilfe sein, da sie uns veranschaulichen, dass schon viele Menschen vor uns, darunter der heilige Leonhard als Patron dieser Kirche, in der Begegnung mit Gott einen ganz neuen Sinn und Kraft für ihr Leben gewonnen haben.

All die Heiligen der Geschichte, aber auch unzählige einfache Gläubige, konnten die unermessliche Liebe Gottes zu uns Menschen spüren, die sich auch darin zeigt, dass er all unsere Schuld und Vergehen nicht einfach übermalt, um im Bild der Renovierung zu bleiben, sondern sie in Jesus Christus auf sich nimmt, der für uns gestorben und auferstanden ist. Darum ruft uns der Apostel Paulus in der zweiten Lesung zu: „Keiner von uns lebt sich selber und keiner stirbt sich selber: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn.“ (Röm 14,7f.) Etwas einfacher formuliert: Alles, was wir sind, ist mit Gott verbunden, der uns überhaupt erst ins Leben gerufen hat. Zu IHM dürfen wir kommen mit all unseren Brüchen und unserem Versagen. Er heilt unsere Seele und er schenkt uns neuen Mut.

Daraus erwächst ein innerer Friede, der die Basis dafür ist, dass auch die Beziehungen zu unseren Mitmenschen gut sind. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass es hierbei ebenfalls leicht zu Rissen kommen kann, was mich zu meinem zweiten Gedanken führt.

 

 

2. Risse in der Beziehung zu den Mitmenschen

Jede Gemeinschaft, auch eine kirchliche, kennt Unstimmigkeiten bis hin zu handfestem Streit. Das ist menschlich, und es stellt sich dann die Frage, wie man damit umgeht. Die erste Lesung aus dem Buch Jesus Sirach gibt uns hierzu den Hinweis, dass Groll und Zorn immer schon Gift für menschliche Beziehungen waren. Wer Unrecht festhält, bleibt selbst daran gebunden. Aus diesem Grund werden wir ermahnt: „Vergib deinem Nächsten das Unrecht, dann werden [auch] dir, wenn du bittest, deine Sünden vergeben!“ (Sir 28,2)

Das klingt schön, und ist doch für viele sehr schwer. Wenn Menschen enttäuscht oder verletzt werden, tun sich tiefe Gräben auf, und es vergeht oft eine lange Zeit, bis diese wieder überwunden werden können. Damit das gelingt, braucht es etwas, wozu wir teils über Jahre nicht fähig sind: Vergebung. Diese fällt umso schwerer, je gravierender die Verletzungen sind. Darum ist die etwas naiv klingende Frage des Petrus im Evangelium absolut verständlich: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal?“ (Mt 18,21) Die Antwort Jesu, „siebzigmal siebenmal“ (Mt 18,22), ist so übertrieben, dass man sich nicht an der Zahl aufhängen sollte, sondern die theologische Aussage dahinter erkennt: Gott, der im anschließenden Gleichnis als König versinnbildlicht wird, erlässt seinem Knecht eine so unvorstellbar hohe Summe (vgl. Mt 18,27), dass dadurch überdeutlich werden soll, wie groß Gottes Vergebung ist. So sollen auch wir Menschen stets einander vergeben. Das Beispiel des Knechtes zeigt jedoch, dass uns dies oft nicht gelingt. Obwohl wir selbst in jedem Vaterunser den gnädigen Herrn anrufen und die Worte „vergib uns unsere Schuld“ beten, erweisen wir selbst uns nicht selten als unfähig, einem anderen Menschen seine Fehler zu verzeihen. Vergebung bedeutet dabei übrigens keineswegs, dass erlittenes Unrecht einfach so vergessen werden kann, oder gar, dass Gerechtigkeit unwichtig wäre. Wohl aber, dass ich den Wunsch nach Vergeltung nicht mein Herz beherrschen lasse und stattdessen Gott das Urteil überlasse.

Die Renovierung der Mauern dieser Kirche kann in diesem Sinne also auch ein Symbol dafür sein, dass Gott uns Menschen innerlich erneuern und Beziehungen heilen will: in unseren Familien, Nachbarschaften, und Gemeinden. Er möchte all die Risse schließen, die durch Konflikte entstanden sind, und Versöhnung stiften.

Nicht zuletzt gilt dies auch für unser eigenes Herz, womit ich zu meinem letzten Punkt komme.

3. Risse in der Beziehung zu mir selbst

Wenn Menschen in den Spiegel schauen, achten sie auf Ihr äußerliches Erscheinungsbild. Doch haben Sie schon einmal den Versuch unternommen, in Ihr Innerstes zu blicken? Ich meine damit solche Fragen wie: Was zeichnet meine Person aus? Wie bin ich der Mensch geworden, der ich heute bin? Mit Blick auf die Risse unseres Lebens: Was ist unheil in mir? Wo habe ich willentlich oder unwillentlich etwas kaputt gemacht? Die biblischen Texte des heutigen Tages vermitteln uns, dass Gott immer wieder einen Neuanfang ermöglicht. Darum möchte ich an der Stelle nachdrücklich für das Sakrament der Versöhnung werben. In jeder Beichte können wir all das loswerden, was uns täglich bedrückt. In der Begegnung mit Gott finden wir Heilung (vgl. Sir 28,3). Hier wird niemand nach seiner Vergangenheit beurteilt. Hier begegnet uns Christus, dessen Barmherzigkeit größer ist als jede Schuld.

Liebe Schwestern und Brüder,

mein heutiger Wunsch, und meine Bitte an den Herrn ist, dass er nicht nur dieses neu renovierte Gotteshaus segne, sondern auch die Gemeinschaft der Gläubigen sowie jeden einzelnen. Möge er heilen, was in den Herzen zerbrochen ist, und Kraft schenken zu vergeben! Dann wird diese Kirche nicht nur äußerlich erneuert sein, sondern auch innerlich – erfüllt von Menschen, die aus der Freude über die Liebe Gottes leben, sie weitertragen, und so zum Segen für sich und andere werden.