Gerl-Falkovitz: Mit Newman begann der zweite Frühling des Katholizismus in Großbritannien
Augsburg (IBA). Als einen „Wahrheitssucher im Gebet“ hat der Leiter des Akademischen Forums des Bistums Augsburg, Prof. Dr. Adalbert Keller, den englischen Theologen John Henry Kardinal Newman (1801-1890) bezeichnet. Ihm, dem ehemals anglikanischen Geistlichen, der nach einem langen inneren Ringen und theologischen Studien zur katholischen Kirche konvertierte, war ein zweitägiges Expertensymposium gewidmet. Keller begrüßte dazu die Dresdener Religionsphilosophin Professorin Dr. Dr. h. c. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz sowie den Innsbrucker Dogmatiker Professor Mag. Dr. Roman A. Siebenrock. Newman, der 1879 von Papst Leo XIII. zum Kardinal erhoben wurde, wird im Oktober 2010 während einer Pastoralreise von Papst Benedikt XVI. nach Großbritannien selig gesprochen.
Dogmatische Probleme gegenüber der römisch-katholischen Kirche habe Newman schon als anglikanischer Geistlicher nicht gehabt, obwohl er seine Kirche als die eigentlich katholische angesehen habe, so die Dresdener Religionsphilosophin Gerl-Falkovits. Mit ihm habe schließlich der „second spring“, der zweite Frühling des Katholizismus in England begonnen. Newmans kirchenhistorische Studien vor allem des 4. Jahrhunderts und den damit zusammenhängenden Fragen bezüglich der Arianer hatten diesen zum Nachdenken gebracht. „Für ihn sollte am Ende dieser Studien die Katholizität der anglikanischen Kirche stehen, aber schließlich war es die Katholizität der römischen Kirche, die sich für ihn herausstellte“, so Gerl-Falkovits. 1845 konvertierte er zur römisch-katholischen Kirche und empfing 1847 in Rom die katholische Priesterweihe. Newman habe den „Charme und den Stil eines großen Theologen“ besessen. Für ihn sei die Suche nach der Wahrheit letztlich eine Schulung des Gewissens gewesen, erläuterte Gerl-Falkovitz. Er habe Gott nicht um Erfolg im Leben gebeten, sondern Gott sollte ihm die Wahrheit zeigen – so der Wunsch des Theologen. Newman sei überzeugt gewesen, dass das Gewissen naturhaft in jedem Menschen vorhanden sei, dass die Stimm Gottes jene sei, die zuerst gehört werde und dass es dann nur ein Ja oder ein Nein zu dieser Stimme Gottes geben könne. „Und diese Stimme Gottes wird für ihn zugleich zum Gottesbeweis“, sagte die Religionsphilosophin.
Der Innsbrucker Dogmatiker Roman A. Siebenrock stellte zwei Aspekte in den Mittelpunkt seiner Beiträge: Bekehrung sei nach Newman kein momentane Einzelereignis, sondern ein lebenslanger Prozess. Dabei stehe das Hören auf Gott im Zentrum, um dann dessen Willen zu tun. Siebenrock bezeichnete Newman aber auch als einen Wissenschaftler, dem insbesondere die Universität, die Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden, am Herzen lag. Dabei sei aber für Newman, der in Dublin die katholische Universität gründete und leitete, Bildung umfänglicher gewesen als nur Wissen.