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14.10.2013 18:50

Philosophisches Seminar zu Michel de Montaigne im Akademischen Forum vom 11. bis 12. Oktober 2013

Prof. Dr. Hans Peter Balmer

„EIN JEDER TRÄGT DIE GESAMTE FORM DES MENSCHSEINS IN SICH“

Augsburg. Ein zweitägiges Philosophisches Seminar vom 11. bis 12. Oktober 2013 beschäftigte sich mit den epochemachenden Versuchen des Michel de Montaigne (1533 – 1592). Referent war Prof. Dr. Hans Peter Balmer, der bis 2010 an der Universität Augsburg Philosophie lehrte.

Montaigne lebte und schrieb zu Beginn der Neuzeit, im sechzehnten Jahrhundert in Frankreich. Während fanatischer Religionskriege machte er die große Ausnahme des besonnenen Philosophen. Und zwar ganz auf seine Weise: recht wenig bekümmert um System und Methode und herrschende Doktrin, sozusagen aufs Geratewohl. Er wollte versuchen, sich auf die Spur zu kommen und so aufrichtig wie möglich Ansätze zur Selbstportraitierung zu gewinnen.

Bei diesem Versuch, sich zu zeichnen, gelangte er überraschenderweise immer mehr zur Beschreibung der grundlegenden menschlichen Situation, der condition humaine, überhaupt. Es entstanden ihm unter den Händen „Essais“, ein neuartiges Buch, das ihn zum unentbehrlichen Vermittler in den menschlichen Angelegenheiten machte.

Er hatte als Übersetzer und Verteidiger einer ganz von der Vernunft geleiteten, sogenannten natürlichen Theologie begonnen und wurde zum Begründer eines Philosophierens, das seitdem die menschliche Selbstverständigung nachhaltig unterstützt.