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Predigt von Bischof Dr. Bertram Meier beim Festgottesdienst zum 30jährigen Jubiläum des Dominikus-Ringeisen-Werks in Ursberg

„Bei mir könnt ihr froh werden.“

05.07.2026 01:01

Heute ist ein Tag, an dem wir alle uns freuen dürfen! Zum einen über das Ursberger Sommerfest, bei dem es an diesem Wochenende wieder ein buntes Programm gibt mit Musik, Tanz und heute Nachmittag einem hoffentlich torreichen Benefizfußballspiel zugunsten hilfsbedürftiger Menschen.

Liebe Bewohnerinnen und Bewohner des Dominikus-Ringeisen-Werks,

geschätzte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

liebe Schwestern und Brüder,

wann haben Sie sich zum letzten Mal so richtig gefreut? Was war der Grund?

Ich verrate Ihnen, worüber ich mich zuletzt gefreut habe.

Heute ist ein Tag, an dem wir alle uns freuen dürfen! Zum einen über das Ursberger Sommerfest, bei dem es an diesem Wochenende wieder ein buntes Programm gibt mit Musik, Tanz und heute Nachmittag einem hoffentlich torreichen Benefizfußballspiel zugunsten hilfsbedürftiger Menschen.

Es ist aber gar nicht wichtig, wie das Spiel ausgeht, denn wir haben noch einen weiteren Grund zu feiern: Das dreißigjährige Bestehen der Stiftung des Dominikus-Ringeisen-Werks. Es war wirklich ein richtungsweisender Schritt der Schwestern der St. Josefskongregation, im Jahr 1996 nach über hundert Jahren diese segensreiche Einrichtung in Ursberg, die sie mit viel Liebe und Einsatz betreut hatten, in eine kirchliche Stiftung zu überführen. Das erforderte nicht nur Mut, sondern auch eine gewisse Demut und die Fähigkeit, loslassen zu können, im Vertrauen auf Gottes beständige Gegenwart. Durch diese Entscheidung war die Zukunftsfähigkeit des Dominikus-Ringeisen-Werkes gesichert, und konnte bis zum heutigen Tag unzähligen Menschen ein Zuhause, Beschäftigungsmöglichkeiten, Ausbildung und viele weitere Formen der Unterstützung anbieten. Dafür möchte ich allen, die hier tätig waren und sind, nochmal ein herzliches Vergelt’s Gott sagen!

1. Freude empfangen

Damit das so bleibt, und auch die kommenden dreißig Jahre eine gute Zeit für das DRW werden, möchte ich Sie auf das heutige Evangelium hinweisen. Darin sagt Jesus an einer Stelle, dass auch er sich freut. Können Sie sich erinnern, worüber Jesus sich freut? Ich sage es ihnen:

Jesus freut sich darüber, dass sein himmlischer Vater ein Gott ist, der alle Menschen dieser Erde liebt. Dies hat er uns in einer Weise gezeigt, die jede und jeder verstehen kann. Er sagt zum Beispiel, dass wir mit allem, was uns Sorgen bereitet, immer zu Gott kommen können, der uns wie ein liebender Vater zuhört und helfen will. Doch wie genau macht er das? Nicht, indem er uns einfach so alle Lasten abnimmt. Wohl aber, indem er uns tief in unserem Herzen spüren lässt, dass er da ist, und uns Kraft gibt, auch Schweres zu ertragen.

Am besten können wir das fühlen, wenn wir beten. Darum möchte ich Sie alle einladen, sich täglich etwas Zeit für das Gebet zu nehmen und Gott alles zu sagen, was uns bewegt. Sagen Sie ihm, worüber Sie sich freuen! Sagen Sie ihm aber auch, was ihnen Angst macht oder wehtut! „Bei mir könnt ihr Ruhe finden. Bei mir könnt ihr still werden. Bei mir könnt ihr froh werden.“ So haben wir es eben im Evangelium gehört (vgl. Mt 11,28 in leichter Sprache), und in ähnlicher Weise auch schon zuvor in der Lesung aus dem Buch Exodus (vgl. Ex 33,14).

Gerade in dieser so schnelllebigen und von Unsicherheit geprägten Zeit ist es wichtig, dass wir mindestens einmal am Tag eine Pause machen, zu Gott beten, und in seiner Gegenwart Ruhe finden. Wer das noch nicht gemacht und erlebt hat, möge es mal ausprobieren! Sie werden staunen, wie sich Ihr Leben verändert, wenn Sie mit Gott reden und sich seiner Liebe anvertrauen.

Dominikus Ringeisen wusste das und er lebte danach, weswegen ich sehr dankbar bin dafür, dass das nach ihm benannte Werk, neben den caritativen Diensten, auch der Spiritualität und Seelsorge einen so hohen Stellenwert beimisst. Immer wieder dürfen wir uns die Liebe und Freude von Gott schenken lassen, zugleich aber auch an andere weitergeben.

2. Freude weitergeben

Diesen Gedanken will ich gar nicht groß ausführen, und lieber ein paar konkrete Beispiele nennen, die wir alle kennen, in den Mühen des Alltags aber vielleicht nicht immer umsetzen:

- anderen mit einem freundlichen Lächeln begegnen,

- ihre Freude, aber auch Nöte und Ängste wahrnehmen,

- aufmerksam zuhören,

- einander helfen,

- Traurige trösten und ermutigen,

- nicht um jeden Preis die eigene Meinung durchsetzen wollen,

- gut miteinander und übereinander reden,

- teilen,

- füreinander beten.

Alle diese Beispiele gründen in der christlichen Überzeugung, die sich das Dominikus-Ringeisen-Werk auf die Fahne geschrieben hat: „Jeder Mensch ist kostbar!“ Dies kann und will ich als Bischof nur unterstreichen. Zeigen wir im Umgang miteinander, dass wir verstanden haben, was Gott uns in Jesus Christus gelehrt und vorgelebt hat: eine bedingungslose Liebe und Wert-schätzung gegenüber jedem Menschen. Erweisen wir stets Respekt, gerade, wenn es einmal schwierig und anstrengend ist! Werden wir niemals gleich-gültig oder gar zynisch, denn das ist nicht das, wozu wir berufen sind! Wenn wir stattdessen durch unsere Worte und Taten jene Freude weitertragen, dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott auch in Zukunft an unserer Seite geht.

 

Nehmen wir das dreißigjährige Jubiläum des DRW zum Anlass, uns daran zu erinnern und dem himmlischen Vater zu danken dafür, dass er immer wieder Frauen und Männer in seinen Dienst ruft, die für andere da sind, und diese Welt ein Stück heller machen. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum und Gottes Segen!