Keine Scheu vor Begegnung und Kooperation!
Da sind wir wieder versammelt – nun erstmals am neuen Bau des zukünftigen Begegnungszentrums. Ich freue mich über das, was jetzt schon dasteht. Schön, dass ich dieses Bau- und Glaubensprojekt etappenweise begleiten darf! Heute wird der Grundstein eingefügt, oder besser gesagt: die Grundsteine, nämlich der alte Stein der Kirche Zu den Acht Seligkeiten und der neue Grundstein, der mein Wappen trägt.
Diese Komposition bringt zum Ausdruck: Altes und Neues kommt zusammen. Wir gehen als Kirche immer auf der Linie der Kontinuität mit allen und allem, was vor uns war. Zugleich steht das Begegnungszentrum dafür, dass wir als Kirche im 21. Jahrhundert neue Wege zu gehen wagen. Es ist kein Trauerspiel, sondern der „Versuch“, adäquat auf die neue pastorale Ausgangslage zu antworten. Ich gratuliere Füssen zu diesem zukunftsträchtigen Projekt. Freilich wird es sich noch zeigen, welche Neuansätze fruchtbar werden. Drei Gedanken möchte ich Ihnen dafür mitgeben:
- Gott Raum geben
Wir haben soeben im Epheserbrief gehört, dass Christus den Bau zusammenhält. Damit ist nicht dieser Rohbau gemeint – da hoffen wir doch, dass gut gearbeitet wurde. Vielmehr ist all das gemeint, was sich in und um das fertige Begegnungszentrum abspielen soll: lebendig Kirche sein. Kirche sein heißt, um Christus versammelt zu sein, in einer Beziehung mit ihm zu leben. Gott selbst ist der Garant der Fruchtbarkeit. Haben wir Mut, den christlichen Glauben auch inhaltlich zu verkünden. Inhaltlich heißt keinesfalls trocken, sondern im Gegenteil: Glaube soll erfahrbar werden. Schämen wir uns nicht für unsere Botschaft, denn es ist eine frohe und frei machende Botschaft. Gott schreibt von Anfang an Geschichte mit seinem Volk, Heilsgeschichte. Er offenbart sich - nicht aus Langeweile, sondern damit unser Leben gelinge. Der Mensch kann Gott begegnen. Freilich ist Gottesbegegnung nicht eins zu eins herleitbar - weder für uns selbst noch für andere. Aber wir dürfen uns trauen, der Begegnung mit ihm Raum zu geben – in verschiedenen Formen des Gebets oder in Gesprächsrunden, in denen unser Glaube neu entdeckt wird.
- Den Raum der Gemeinschaft pflegen
Kirche als Gemeinschaft darf nicht auf Gott und Mensch beschränkt werden. Jesus hat die Jünger mit ihren unterschiedlichen Charakteren zu einer Gemeinschaft zusammengefügt, in der gemeinsam gegessen, gelacht, geweint und gefeiert wurde. Sie haben buchstäblich ihr Leben miteinander geteilt. Gerade in Städten laufen wir Gefahr, in unseren Gemeinden anonym aneinander vorbeizuleben. Ein Bau hält zusammen, wenn die einzelnen Bauteile gut verklebt oder ineinander verhakt sind. Das heißt nicht, dass wir einander die Luft zum Atmen rauben – ganz im Gegenteil: Lernen wir uns in der Unterschiedlichkeit anzunehmen. Der Motor dafür ist, dass wir erkennen: Gott hat uns zuerst geliebt! (1 Joh 4,19) Und er hat die Kirche auf eine Art und Weise ins Leben gerufen, die zeigt, dass wir uns als Geschwister im Glauben gegenseitig beistehen sollen. Er ist in Vorleistung gegangen – jetzt sind wir dran! In der Kirche hier wird es immer menscheln, aber kann man uns Christen etwas von der Liebe und Güte Gottes anmerken? Den Geist dazu haben wir in der Taufe empfangen! Lassen wir diese Gabe in uns nicht verkümmern. Die Vision für das Begegnungszentrum kann lauten: Hier ist eine Gemeinschaft am Werk, in der Menschen sich gegenseitig unterstützen, von der ersten Begegnung an.
- Raum für Kooperationen lassen
Offenheit für neue, noch unbekannte Menschen oder Gruppierungen lautet mein drittes Stichwort. Wo Gott Raum gewinnt und gute Beziehungen authentisch gelebt werden, kann das auf Außenstehende positiv wirken - so positiv, dass Interesse entsteht, sich dieser Glaubensgemeinschaft anzuschließen. Voraussetzung dafür ist, dass Menschen leicht in Kontakt mit uns kommen können. Denn wir sind die lebendigen Bausteine dieser Kirche. Gut, wenn Sie keine Scheu vor Kooperationen und neuen Zielgruppen haben. Denn soweit ich weiß, sollen diese Räume nicht nur von der Kernpfarrei genutzt werden, quasi von denen, die noch (!) da sind. Ich begrüße die bisherigen Überlegungen sehr, dass hier Christinnen und Christen aus Verwaltung, Caritas und dem Sozialdienst Katholischer Frauen anzutreffen sein werden. Auch Realschule und Kindergarten sind vor Ort. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass wir als Kirche hier mit Menschen allen Alters und verschiedensten Biografien ins Gespräch kommen können.
Gott Raum geben, einander im Glauben und für das Leben stärken und Neue dazugewinnen – das möge die Zukunft der PG Füssen mit dem Pastoralen Begegnungszentrum sein. Bitten wir Gott, dass nicht nur das äußere Gebäude solide dasteht, sondern auch der geistige Kirchenbau auf gutem Boden heranwachsen darf.