der Renovierung der Dreifaltigkeitskirche in Leipheim
„Zuflucht suchen beim Namen des Herrn“
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn! Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren sind wir hier zusammengekommen, um die Renovierung der Pfarrkirche St. Paulus zu feiern. Ein schönes Fest, das ich noch gut in Erinnerung habe. Nun hat Leipheim aber noch eine andere Kirche, die zwar deutlich kleiner, für die Gläubigen der Pfarrei jedoch auch wichtig ist: die Dreifaltigkeitskirche.
An ihr 90jähriges Jubiläum wollen wir am heutigen Tag denken und freuen uns, dass auch dieser Sakralbau nach einer Grundsanierung in neuem Glanz erstrahlt. Aus diesem Anlass bin ich gerne ein weiteres Mal nach Leipheim gekommen, um mit Ihnen die heilige Messe als Dankgottesdienst zu feiern.
In erster Linie wollen wir Gott danken, der uns als Kirche auf dem Weg durch die Zeit begleitet und in jeder Eucharistiefeier leibhaft begegnet. IHM zu Ehren wurde dieses Gotteshaus errichtet, dessen Fortbestand wir in besonderer Weise einem großzügigen Spender verdanken, der die Renovierung durch seine finanzielle Unterstützung erst möglich gemacht hat. Diesem, aber auch allen anderen Frauen und Männern aus der Gemeinde, die sich über Jahre hinweg um den Erhalt dieser Kirche verdient gemacht haben, sage ich von Herzen „Vergelt’s Gott“!
Es ist doch spannend, dass einer meiner Vorgänger im Amt, Bischof Joseph Kumpfmüller, der Kirche 1935 den Namen „Zur heiligsten Dreifaltigkeit“ zugewiesen hat. Inmitten einer schwierigen Zeit, in der sich ein verblendeter Mann zum „Führer“ des deutschen Volkes aufschwang, sollten die Menschen in diesem Gotteshaus einen Ort haben, an dem sie dem wahren und einzigen Herrn begegnen konnten, der ihnen als Vater seine Liebe, als Sohn seine Gnade und als Heiliger Geist seine Gemeinschaft schenken wollte. Damals wie heute kamen viele in die damalige Pfarrkirche, um „Zuflucht [zu] suchen beim Namen des Herrn“ (Zef 3,12), wie wir es eben auch in der Tageslesung aus dem Buch des Propheten Zefanja gehört haben.
Dieser schrieb an derselben Stelle einen eher unscheinbaren Satz, über den ich heute, auch mit Blick auf die Geschichte der Leipheimer Dreifaltigkeitskirche, mit Ihnen nachdenken möchte: Es ist seine Aussage, dass kein Schrecken dieser Welt uns überwältigen kann, wenn wir bei Gott ruhen (vgl. Zef. 3,13).
1. „Niemand schreckt sie auf…“
Allein der erste Teil dieses Satzes ist bemerkenswert. Wörtlich heißt es da: „Niemand schreckt sie auf“ (Zef 3,13). Eine gänzlich hoffnungsvolle Zusage des Propheten, der am Ende des 7. Jahrhunderts vor Christus gelebt und geschrieben hat. Damals beherrschten die Assyrer weite Teile Israels, und viele Menschen litten den Worten des Zefanja nach unter „Gewalt und Betrug“ (vgl. Zef 1,9). Ganz besonders ärgerte sich der Prophet über die sogenannten gesellschaftlichen Eliten, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht waren und sich durch Lügen und Taten des Unrechts auszeichneten (vgl. Zef 3,13).
Mich erinnert diese Beschreibung sehr an die Nazi-Zeit, in der unsere Heimat Deutschland von einem brutalen Unrechtsregime geführt wurde, das gewissenlos Lügen verbreitete und Menschen schwerstes Leid zufügte. Dies war möglich, weil auch damals führende Köpfe des Landes, wie politische Mandatsträger, Richter oder Großindustrielle, lieber Karriere und Geschäfte mit dem Bösen machten als sich mutig für das Recht einzusetzen. Das Ergebnis kennen wir: ein völlig zerstörtes Europa und viele Millionen Tote.
Während die Männer in den Krieg ziehen mussten und oft nicht mehr nach Hause kamen, blieben die Familienangehörigen bangend zurück und suchten in der Dreifaltigkeitskirche Trost. Nach dem Krieg waren es dann die vielen Vertriebenen, die bei der hiesigen Bevölkerung oft nicht willkommen waren, die in diesem Haus Gottes eine geistige Heimat fanden. Hier, im Angesicht des Herrn, konnte sie „niemand mehr schrecken“ (vgl. Zef 3,13), hier war es friedlich. Darin liegt - seit ihrer Gründung - die eigentliche Bestimmung von Kirche: ein geistlicher Raum, wo wir Gott begegnen und uns von seiner Liebe umarmen lassen dürfen.
Ich meine, dass dies gerade in unserer Zeit wichtig ist, da wir beobachten können, wie in vielen Ländern der Welt politische Machthaber erneut Lügen als probates Mittel ansehen und Menschen gegeneinander aufhetzen. Wie weit ist das entfernt von der Botschaft Jesu, die wir in den Seligpreisungen des Evangeliums gehört haben! Da sind es nämlich nicht die Großsprecher, Autokraten und Opportunisten, denen Gott seine Solidarität zusagt, sondern die Sanftmütigen, Barmherzigen und Friedfertigen (vgl. Mt 5,5.7.9).
Es liegt somit an uns, wer wir sein und in welcher Welt wir leben wollen. Akzeptieren wir es, dass die Stärkeren die Schwachen niederdrücken, sich einfach nehmen, was sie wollen, und auf Kosten anderer leben, weil das eben „schon immer so war“? Oder setzen wir uns im Geiste Christi für eine bessere und gerechtere Welt ein, in der allen Menschen mit Achtung und Nächstenliebe begegnet wird, besonders den Benachteiligten und Notleidenden?
Gott hat sich klar entschieden, und es muss gerade für die Kriegsheimkehrer, auch hier in Leipheim, besonders berührend gewesen sein, die Botschaft des Propheten Zefanja zu hören, der davon spricht, dass der Herr den Hinkenden hilft und die Zerstreuten sammelt, da er seine Kinder nach Hause bringen und wieder zusammenführen will (vgl. Zef 3,19f.). In diesen wenigen Worten ist das Wesen des dreifaltigen Gottes wunderbar veranschaulicht: voller Liebe und Heilswillen für uns Menschen.
Dies führt mich zu meinem zweiten Gedanken.
2. „…wenn sie ruhen“
„Niemand schreckt sie auf, wenn sie ruhen“ (Zef 3,13).
Ruhe – das ist etwas, was uns Menschen an allen Ecken und Enden zu fehlen scheint. Vor lauter Betriebsamkeit und vermeintlich wichtiger Dinge übersehen wir oft, wie wichtig es wäre, dass wir täglich Zeiten der Stille und des Gebets haben. Wir können es doch wahrnehmen, wie viele Menschen sich getrieben fühlen und dadurch leicht reizbar und aggressiv erscheinen.
So bitte ich Sie: Nehmen Sie die Sanierung der Dreifaltigkeitskirche zum Anlass, neu darüber nachzudenken, wie viel Raum Sie in ihrem Alltag Gott geben, der ihnen Ruhe verschaffen will (vgl. Mt 11,28f.). Die Kirchen von Leipheim stehen Ihnen offen. Kommen Sie hierher mit allem, was Sie bewegt! Ob in Freude, mit einer Frage oder von Sorgen belastet, Jesus ist immer für Sie da. Er preist besonders jene Menschen selig, die arm, traurig oder von den Mitmenschen verschmäht sind (vgl. Mt 5,3f.11). Suchen Sie die Nähe Gottes, von dem wir Kraft für unser Leben empfangen können! Oder wie es Paulus in seinem Korintherbrief schreibt: In Christus Jesus wird uns „Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung“ (1 Kor 1,30) zuteil.
Liebe Schwestern und Brüder,
weil der Name der neu renovierten Kirche der göttlichen Dreifaltigkeit gewidmet ist, möchte ich schließen mit einem kurzen Gebet, das wir unter der Nummer 405 des Gotteslobes oft auch als Lied singen:
„Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen,
der große Dinge tut an uns und allen Enden,
der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an
unzählig viel zu gut bis hierher hat getan.
Der ewigreiche Gott woll uns in unserm Leben
ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben
und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort
und uns aus aller Not erlösen hier und dort.
Lob, Ehr und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne,
und Gott dem Heilgen Geist im höchsten Himmelsthrone,
ihm, dem dreieinen Gott, wie es im Anfang war
und ist und bleiben wird, so jetzt und immer dar.“