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Statement von Bischof Bertram anlässlich der Veranstaltung „Reden wir darüber!“ im Exerzitienhaus St. Paulus, Leitershofen

Selbst­verständnis als Bischof: Brückenbauer sein

06.02.2026 14:30

Sehr geehrte Frau Singer, sehr geehrte Frau Ade, sehr geehrter Herr Bissinger, sehr geehrte Damen und Herren, „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“

Mit diesen feierlichen, zugleich auch fürsorglichen und Mut machenden Worten beginnt eines der zentralen und wichtigsten Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils: die Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ – auf Deutsch: „Freude und Hoffnung“. Vor mehr als 60 Jahren, am 7. Dezember 1965, wurde es von den Konzilsvätern verabschiedet. Es ist fast ein wenig schade, dass dieses Jubiläum in der Hektik unseres Alltags untergegangen ist.

Ich möchte diese im kirchlichen Bereich häufig zitierten Worte aufgreifen. Denn sie passen, wie ich meine, sehr gut zu unserer heutigen Begegnung. Gerade die Landwirtschaft ist stark von dem Wandel betroffen, in dem sich unsere Gesellschaft, unsere Welt gerade befindet. Oft, insbesondere im wissenschaftlichen und politischen Diskurs, wird dieser komplexe Prozess als „Transformation“ bezeichnet.

Wie geht es Ihnen damit? Ich vermute, dass er für Sie mit einem Gefühl der Verunsicherung und Zukunftsängsten verbunden ist. Besonders der Klimawandel, der auch in unserer Heimat längst spürbar ist, konfrontiert uns mit geradezu dramatischen Herausforderungen. Dabei denke ich an jene Orte und Menschen, die in Schwaben und Altbayern von Hochwasserkatastrophen und Hagelunwettern betroffen waren und sind. Gott sei Dank konnten wir im Bistum gleich zu Beginn unbürokratisch die schlimmste Not lindern helfen. Und ich kann nicht genug dankbar sein für all die kirchlichen Mitarbeitenden, die nachhaltig, zum Teil bis heute, Unterstützung und Hilfestellung leisten. Doch mir ist klar: für die Landwirte sind dies Alarmzeichen, die zutiefst verunsichern. Nicht von ungefähr haben Sie dies vor zwei Jahren auf zahlreichen Kundgebungen zum Ausdruck gebracht. Auch manche Reaktionen, die es nach der Veröffentlichung der Agrarstudie der Sachverständigengruppe „Weltwirtschaft und Sozialethik“ der Deutschen Bischofs­konferenz im Herbst des vorletzten Jahres gab, deuten in dieselbe Richtung.

Als Vorsitzender der „Kommission Weltkirche“ der Deutschen Bischofskonferenz habe ich die Studie damals vorgestellt. Als mir Herr Dr. Michel vom Interesse des Bauernverbands, näher hin des Bezirksverbandes Schwaben, an einem persönlichen Austausch berichtete, habe ich deshalb sehr gerne zugesagt. Mein Selbst­verständnis als Bischof ist vor allem das eines Brückenbauers. Die Rolle der Kirche, so heißt es in der wissenschaftlichen Studie, ist die, „Dialog zu ermöglichen“ (vgl. Nr. 12). Daher sehe ich mich heute vorrangig als Hörenden.

Wichtig scheint es mir auch zu sein, den Blick über die Studie hinaus zu weiten. Mich würde sehr interessieren, welche „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“ Sie heute mitgebracht haben und wie wir gemeinsam, Landwirte und Kirche, die guten Kräfte stärken können.

Ich freue mich deshalb, dass neben führenden Mitarbeitenden der diözesanen Verwaltung und des Seelsorgeamtes auch die Katholische Landjugend und das Katholische Landvolk vertreten sind. Mit Ihren spezifischen Nöten vertraut sind die Bäuerliche Familienberatung und die Landfrauenvereinigung des Katholischen Deutschen Frauenbundes. Danke, dass Sie alle zu diesem Austausch gekommen sind und damit zugleich unsere Verbundenheit mit der Landwirtschaft bekunden!

Eine besondere Gelegenheit bietet heuer das Franziskusjubiläum, in dem wir uns mit zahlreichen Veranstaltungen im Bistum an den 800. Todestag des hl. Franziskus von Assisi erinnern. Bis heute fordert uns sein Leben der radikalen Nachfolge und seine tiefe Verbundenheit mit Gottes guter Schöpfung heraus und ist zugleich in unserer oft einseitig auf Ausbeutung und Profit geeichten Welt eine Mahnung, den Bogen nicht zu überspannen. Wir brauchen daher wieder neu eine gesunde Erdverbundenheit, die sich gleichzeitig dem Herrgott zu Dank verpflichtet weiß. Denn, wie es die Dichterin Hilde Domin formulierte: „Wir essen Brot, aber wir leben vom Glanz.“

Sie wirken maßgeblich daran mit, dass hierzulande jeder sein „täglich Brot“ bekommt. Sie sorgen für gesunde Nahrung und Lebensmittel aus der Region, neuerdings auch erneuerbare Energie. Damit tragen Sie entscheidend zum Gemeinwohl bei; dazu, dass es allen in unserer Gesellschaft gut geht. Für diesen kostbaren und oft schweren Dienst möchte ich herzlich „Vergelt’s Gott“ sagen und bin schon sehr gespannt, auf unser Gespräch und einen anregenden Nachmittag!