Augsburg (pba). Das Bistum Augsburg will in den kommenden Jahren mehr junge Menschen für den pastoralen Dienst in der Kirche gewinnen. Jährlich sind zwölf Stellen für Pastoral-, Gemeindereferenten/innen und Pfarrhelfer/innen vorgesehen. Auch bei Religionslehrer/innen im Kirchendienst entsteht mittelfristig Bedarf. Im Juli wird es in Augsburg einen Werkstatt-Nachmittag geben, um mit Vertretern der Berufsgruppen und Multiplikatoren in der Jugendarbeit die „Werbung“ für die pastoralen Berufe zu intensivieren. Bischof Konrad Zdarsa ist dieses Projekt ein wichtiges persönliches Anliegen, wie er im Gespräch mit Karl-Georg Michel erläutert.
Herr Bischof, warum würden Sie einem jungen Menschen raten, einen der pastoralen Berufe der Kirche zu wählen?
Bischof Konrad: Das hängt natürlich auch von der jeweiligen Person ab. Aber raten würde ich dazu aus einem ganz einfachen Grund: Sie oder er können mit ihrer Jugendlichkeit mithelfen, den Glauben vor Ort lebendiger und die Kirche attraktiver werden zu lassen. Sie können Menschen helfen, einen Sinn für ihr Leben zu finden und aus dem Glauben zu leben.
Was ist denn das Besondere an einer kirchlichen „Berufung“?
Zunächst möchte ich da keinen Unterschied zu einem rein weltlichen Beruf machen: Gott will ja, dass jeder Mensch zur Erfüllung seines Lebens kommt, und zwar auch über seinen Beruf. Aber genau dafür braucht Gott Menschen, die er in besonderer Weise in den Dienst seiner Kirche „beruft“: Damit sie anderen auf der Suche nach dem Sinn des Leben helfen und sie auf dem Weg des Glaubens begleiten und unterstützen. Das muss ein Glaube sein, den sie schon in der Ausbildung reflektiert haben und zugleich überzeugend leben.
Wo sehen Sie die Aufgabenfelder, in denen diese Berufsgruppen gefragt sind?
Da gibt es einen sehr weiten Horizont an Ereignissen und auch Lebenssituationen. Die sehe ich überall dort, wo sich das Schicksal der Menschen abspielt, sei es nun in Gemeinden oder in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft, aber auch in konkreten Seelsorgebereichen wie der Gefängnisseelsorge oder der Krankenhauspastoral. Für viele junge Menschen ist heute der Religionslehrer/in die vielleicht letzte Kontaktperson, die sie für lange Zeit mit Kirche in Verbindung bringt. In all diesen Situationen den Menschen mit ihren je eigenen Mentalitäten und auch Erfahrungen die Grundvollzüge des Glaubens nahezubringen und sie darin zu bestärken, dafür brauchen wir gerade auch hauptberufliche Männer und Frauen in der Kirche.
Im Juli wird das Bistum Augsburg einen Werkstatt-Nachmittag veranstalten. Es wird dabei um die Frage gehen, wie junge Menschen für pastorale Berufe begeistert werden können. Warum ist dem Bistum dieses Anliegen so wichtig?
Die pastoralen Berufe haben sich ja schon eine ganze Zeit bewährt. Sie sind aus dem Alltag der Kirche nicht mehr wegzudenken. Am Werkstatt-Nachmittag soll mit Vertretern der einzelnen Berufsgruppen überlegt werden, wie weiterhin junge Menschen für den kirchlichen Dienst gewonnen werden können. Dass uns das wichtig ist, zeigt sich am Beispiel Benediktbeuern: Dort soll auch mit Unterstützung des Bistums Augsburg ein neuer Studiengang für Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit eingerichtet werden - ergänzend zu den bereits bestehenden Möglichkeiten in Eichstätt und Freiburg.
Junge Menschen brauchen dafür aber eine klare Perspektive. Können sie sich wirklich darauf verlassen, nach ihrem Studium oder nach ihrer Ausbildung in den pastoralen Dienst des Bistums übernommen zu werden?
Für das Bistum Augsburg kann ich das mit einem klaren Ja beantworten. Unsere Planung sieht mittel- und auch langfristig jährlich insgesamt zwölf neue Stellen vor für hauptberufliche pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Je nach schulischem Bedarf werden wir auch eine Reihe von Religionslehrerinnen und Religionslehrern im Kirchendienst einstellen können. Wenn es um Perspektiven geht, sind mir aber noch andere Aspekte wichtig, die über das rein Finanzielle hinausgehen. Wer einen kirchlichen Beruf anstrebt, der darf das nie mit der Absicht tun, in der Kirche Karriere machen zu wollen. Dafür ist ein kirchlicher Beruf völlig ungeeignet. „Perspektiven“ bietet ein Beruf in der Pastoral auch für die Vertiefung und Entfaltung des eigenen Glaubens. Ich habe den Glauben ja nicht von vornherein sozusagen gepachtet, sondern er muss wachsen, sich im Dialog mit Gott und den Menschen entfalten und im Alltag bewähren.
Sie sind selber seit 40 Jahren Priester. An welche Erlebnisse, die Sie in dieser Zeit mit hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hatten, denken Sie gerne zurück?
Da muss ich zunächst einmal sagen, dass es zu meiner Zeit in den Bistümern Dresden-Meißen und auch Görlitz nur Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten gab. Ich erinnere mich an sehr gelungene Projekte in der gemeinsamen Vorbereitung von Feiern in der Gemeinde, während des Kirchenjahres zum Beispiel, bis hin zu Faschingsfeiern. Geblieben ist mir aus dieser Zeit das Bewusstsein, dass da viel Gutes entstanden ist. Ich schätze die Arbeit sehr, die von den pastoralen Berufsgruppen in den Gemeinden und auch von den Religionslehrerinnen und -lehrern in den Schulen geleistet wird. Unser gesellschaftliches Umfeld ist heute sicher nicht einfacher geworden. Gerade das macht die Weitergabe des Glaubens aber um so spannender und herausfordernder. Ich habe hier im Bistum Augsburg bei meinen Besuchen in unseren Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften sehr viele pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennengelernt, die eine gute Ausstrahlung haben und in Liebe und Treue ihren Dienst wahrnehmen.