ÜBER DEN TELLERRAND – „AUGSBURGER PORZELLAN“
80 Jahre Flucht und Vertreibung im Spiegel einer Marke von Welterfolg
Vorträge im Wittelsbacher Schloß Friedberg, Großer Saal. Davor und im Anschluss bis 17 Uhr jeweils Möglichkeit der Ausstellungsbesichtigung mit Cicerone
In etwa jeder dritte Deutsche ist Nachfahre von Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Lebensgeschichten der Vertriebenen sind bis heute präsent und prägend für Deutschland. Eine herausragende, aber nicht untypische Geschichte ist die der Familie Frank, die neue Heimat in Friedberg und Augsburg fand. Mit fast nichts außer exzellenter kunsthandwerklicher Erfahrung kam der Porzellandekorateur Dutz mit seiner Familie 1946 aus der Nähe von Karlsbad nach Bayern, um hier seine Manufaktur wieder aufzubauen. Wenige Gramm Gold, versteckt unter Schuhcreme, und Muster ihrer schon vor dem Zweiten Weltkrieg hochgeschätzten Ätzgolddekore, waren das „Startkapital“ für eine neue Existenz. Fast von Anfang an leitete sein Enkel, Herr Frank, von Augsburg aus den Vertrieb der exquisiten Markenware und lieferte mit aufwändigen Ätzgolddekoren die "Karlsbader Wertarbeit" ergänzt durch gleichermaßen hochwertige Feinmalerei an anspruchsvollste Connaisseurs in alle Welt. Mit Auflösung der Firma gehören die dort angewandten kunsthandwerklichen Techniken und Verfahren weitgehend der Vergangenheit an.
Prunkteller mit feinstem Ätzgolddekor. Foto: Norbert Liesz
Der Studiennachmittag fokussiert zum einen auf diese herausragende kulturelle Leistung, zum anderen auf das generationenübergreifende Schaffen einer Familie - stellvertretend für 2,9 Millionen Vertriebene Sudetendeutsche.
Prof. Dr. Rainer Bendels Forschungsgebiet ist die Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg. Er wird allgemein in die Zeitumstände einführen und dabei die Situation der Sudetendeutschen und den Neuanfang in Bayern darstellen. PD Dr. Stefan Hartmann hat sich intensiv mit der Geschichte der Firma Frank und den Finessen der angewandten Dekoration befasst und wird beides anschaulich vorstellen.
Programm
– vor 14 Uhr ist der Besuch der Ausstellung möglich und im Preis der Veranstaltung inkludiert –
14.00 Uhr Einführung und Begrüßung
14.10 Uhr 80 Jahre Flucht und Vertreibung –
Impulse für die neue Heimat Bayern und für die Verständigung
Prof. Dr. Rainer Bendel, Stuttgart
14.50 Uhr Rückfragen
15.00 Uhr Die Porzellanmarke „Karlsbader Wertarbeit“ –
vollendete Dekore für Connaisseurs in aller Welt
PD Dr. Stefan Hartmann, Augsburg
15.40 Uhr Rückfragen
15.50 Uhr „offener Besuch der Ausstellung“ – Kuratoren und Führer stehen an Stationen zur Auskunft bereit.
17.00 Uhr Ende der Veranstaltung
Leitung: Frederic-Joachim Kaminski (Leiter Akademisches Forum der Diözese Augsburg),
Dr. Alice Arnold Becker (Leiterin Museum im Wittelsbacher Schloss Friedberg)
Die Referenten
Prof. Dr. Rainer Bendel
Foto: privat
Studium Katholische Theologie und Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Studienaufenthalte an der Päpstliche Universität Gregoriana und weiteren päpstlichen Hochschulen in Rom. Habilitation mit einer Studie über die kirchliche Integration der Heimatvertriebenen in der Bundesrepublik Deutschland nach 1945 an der Universität Tübingen. Seit 2011 ist er dort außerplanmäßiger Professor für Kirchengeschichte.
Er ist Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Vertriebenenorganisationen (AKVO) im Bistum Rottenburg-Stuttgart und Vorsitzender des Instituts für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa mit. Herausgeber des Jahrbuchs für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa.
PD Dr. Stefan Hartmann
Foto: privat
Nach dem Studium der Kunstgeschichte/Bildwissenschaft, Europäischen Ethnologie/Volkskunde und Alten Geschichte wurde Stefan Hartmann im Fach Kunstgeschichte/Bildwissenschaft mit einer Arbeit über den deutschen Künstler Martin Kippenberger promoviert. In seiner Habilitation (Europäische Ethnologie/Volkskunde) beschäftigte er sich mit der Rezeption der Pfahlbaukulturen des Alpenraums seit dem 19. Jahrhundert.
Kosten
6.- EUR inklusive des Eintritts in die Ausstellung
Schüler und Studenten frei
Anmeldung erbeten
per mail an akademisches-forum@bistum-augsburg.de
Veranstaltungsort
Museum im Wittelsbacher Schloss Friedberg
Großer Saal
Schlossstraße 21