Reformationstag

Bischof Bertram: „Empathie ist eine Grundtugend der Ökumene“

01.11.2020 12:08

Augsburg (pba). Bischof Dr. Bertram Meier ist am gestrigen Reformationstag in Nördlingen in der evangelischen Kirche St. Georg als Prediger zu Gast gewesen. Hausherr Dekan Gerhard Wolfermann feierte zusammen mit Bischof Bertram sowie dem katholischen Stadtpfarrer Benjamin Beck und Dekan Jürgen Eichler einen ökumenischen Gottesdienst. Bei der Predigt stellte Bischof Bertram die Gemeinsamkeiten und das Verbindende beider christlichen Konfessionen in den Vordergrund und betonte: „Wir brauchen einander, um gemeinsam dem Evangelium auf den Grund zu gehen.“

Bischof Bertram predigt in der evangelischen Kirche St. Georg in Nördlingen. (Fotos: Viktoria Zäch / pba)

Dabei ging er auf eine Basis der Ökumene ein: „Empathie ist eine Grundtugend der Ökumene“, denn sie beginne meistens ganz untheologisch, führte Bischof Meier aus. Wenn auf menschlicher Ebene die Chemie stimme, sei schon fast alles gewonnen. Er unterstrich: „Für mich ist jetzt die Ökumene der Ehrlichkeit dran. Wir Christen sind gefragt nicht als Leisetreter oder Miesepeter. Wir sind geladen in den Zeugenstand für Jesus Christus.“ Denn in einer multireligiösen Gesellschaft, sollten die Christen enger zusammenrücken. „Darin sehe ich eine Chance zu mehr Ökumene“, sagte der Bischof zu allen Anwesenden.

Das Bild der Ökumene zeichnete Bischof Bertram Meier an Hand der Bibelgeschichte nach, in der sich ein Jude und eine Samariterin, eine Frau und ein Mann mit unterschiedlichen nationalen und religiösen Hinterländern, am Jakobsbrunnen treffen. Bischof Bertram erklärte: „Der Brunnen wird zu einer Art Spiegel für Jesus und die Samariterin. Er ist auch Spiegel für uns, um zu schauen, welches Gesicht unsere Ökumene hat.“ Jesus sei auf die Frau angewiesen, wenn er Wasser haben will. Aber genau da bekämen die beiden ein Problem. „Wie groß der Durst des Juden auch sein mag, wenn er es ernst nimmt mit seinem Glauben, muss er hier am Brunnen verdursten, obwohl er an der Quelle sitzt.“

Hier trägt sich der Bischof ins Goldene Buch der Stadt Nördlingen ein.

Auch wenn das Verhältnis zwischen den Konfessionen nicht immer das Beste gewesen sei, so Bischof Bertram, sei die Begegnung am Jakobsbrunnen ein Hinweis, dass Ökumene auch anders gehen könne. Der Bischof machte deutlich: „Der Brunnen, der uns Jesus Christus erschließt, ist so tief, dass eine Kirche allein ihn gar nicht auszuschöpfen vermag. Keine Kirche ist allein seligmachend. Keine Kirche hat ein Monopol auf Jesus Christus und seinen Heiligen Geist.“ Der Bischof habe auch gelernt, dass beide Kirchen sich einander das Wasser reichen können. Deshalb sei es sein Wunsch, „dass die evangelische und die katholische Kirche hier in Nördlingen füreinander Schöpfgefäße sind und es immer noch mehr werden.“

Auch der evangelische Dekan Wolfermann sah die gemeinsame Feier „als Zeichen der ökumenischen Verbundenheit“ und freute sich, Bischof Bertram als Prediger in St. Georg begrüßen zu dürfen. Er betonte ebenfalls: „Es ist vielmehr das, was uns verbindet, als das, was uns trennt.“ Der Abend stand auch musikalisch im Zeichen der Ökumene. Der katholische und der evangelische Organist spielten gemeinsam mehrere Stücke für zwei Orgeln.

Im Vorfeld des ökumenischen Gottesdienstes war Bischof Dr. Bertram Meier in der katholischen Pfarrei St. Salvator eingeladen. Nach einem Gespräch mit dem Pastoralrat und Gläubigen aus der Pfarrei trug der Bischof sich zudem ins Goldene Buch der Stadt Nördlingen ein. Dafür hatte Bürgermeister David Wittner ein besonderes Geschenk dabei. Ein Stift, dessen Fassung aus dem Holz der alten Stadtmauer gefertigt wurde.