75-jähriges Jubiläum

Bischof Bertram: „Jesus hat keine Zuckerwatte verteilt“

19.09.2021 12:00

Mit einem Pontifikalgottesdienst in der Kirche Heilig Kreuz in der mittelfränkischen Diaspora-Gemeinde Wittelshofen hat Bischof Dr. Bertram Meier an diesem Sonntag den nördlichen Rand des Bistums besucht. Anlass der feierlichen Messe war das 75-jährige Jubiläum der Kirche. In seiner Predigt ermunterte die Gläubigen „ein Gottesreich der offenen Tür“ zu leben, wie Jesus es selbst vorgelebt hat. 

Foto: David Großmann

In seiner Predigt nahm Bischof Bertram auf das Evangelium Bezug und ermunterte die Gläubigen „ein Gottesreich der offenen Tür“ zu leben, wie es Jesus selbst vorgelebt hätte. Das Reich Gottes „ist kein Exklusivangebot für die Hundertprozentigen; es steht allen Menschen offen.“ Die Kirche dürfe sich nicht in ein Ghetto zurückziehen, sondern müsse offen sein, stellte der Bischof mit Verweis auf den hl. Martin als Patron der evangelischen Kirche am Ort sowie das hl. Kreuz des katholischen Gotteshauses fest.  

Gleichzeitig machte er deutlich, dass „Offenheit“ nicht alles sei: „Jesus hat keine Zuckerwatte verteilt, sondern darauf hingewiesen, dass die Bürger im Reich Gottes Salz der Erde sind. Offenheit braucht Profil“, betonte er. Denn neben Achtsamkeit, Zärtlichkeit und Herzensweite habe Jesus auch der Mut zur Konfrontation und zum Widerspruch ausgezeichnet.

Foto: PG Feuchtwangen

Der Bogen zwischen Offenheit und Profil spanne sich laut Dr. Meier zwischen Volkskirche und Berufungs- bzw. Entscheidungskirche auf. Die Kirche der ersten drei Jahrhunderte sei eine kleine gewesen, aber keine, die abgeschottet gewesen sei, sagte Bischof Bertram bezugnehmend auf Worte des emeritierten Papstes Benedikt XVI. Das Bewusstsein, nicht ein geschlossener Club, sondern immer aufs Ganze hin geöffnet zu sein, sei ein untrennbarer Bestandteil der Kirche, zitierte er den emeritierten Papst und rief den Katholiken der Diaspora-Gemeinde Wittelshofen den Mut zu, sowohl offen als auch profiliert zu sein: „So sieht die Kirche der Zukunft aus: offen für alle, die in ‚Teufels Küche‘ geraten sind, aber um Gottes willen vom Evangelium profiliert.“       

Die Kirche Heilig Kreuz in Wittelshofen ist eine "Zeltkirche", die im Jahr 1984 gebaut wurde. Eine „Notkirche“ in Form einer „Holzbarackenkirche“ diente den Gläubigen dort zuvor als Gottesdienstraum. Diese wurde ursprünglich in Haunstetten bei Augsburg in den 1930er Jahren errichtet, im Zweiten Weltkrieg beschädigt und 1953/54 am Platz der heutigen Kirche Heilig Kreuz aufgebaut. Sie musste aufgrund statischer Mängel durch den Neubau ersetzt werden.  

Die Expositur Heilig Kreuz Wittelshofen ist Teil der Pfarreiengemeinschaft Feuchtwangen im Dekanat Nördlingen.

Predigt von Bischof Dr. Bertram Meier beim Pontifikalgottesdienst zum 75-jährigen Jubiläum in Heilig Kreuz Wittelshofen