„Maria verbindet“
600 Jahre Marienkirche: Dieses besondere Jubiläum ist am Wochenende im Nördlinger Stadtteil Nähermemmingen gefeiert worden. Mit einem ökumenischen Gottesdienst gedachten die Gläubigen der konfessionsverbindenden Geschichte der Kirche, denn bis 1525 war die Marienkirche ein katholisches Gotteshaus, ehe sie lutherisch wurde. Bischof Dr. Bertram Meier: „Ihrer 99-jährigen katholischen Vergangenheit verdankt die Kirche ihren Namen, den sie auch nach dem Wechsel beibehalten hat. Die Mutter des Herrn sollte tatsächlich kein Grund zur Trennung sein. Maria verbindet.“
Das Herz, so der Bischof weiter, erfülle sich mit Dankbarkeit für all jene Generationen, die in dieser Kirche das Evangelium verkündet und christliches Leben gestaltet hätten: „Denn was wäre ein Gotteshaus ohne die Menschen, die es mit Leben füllen und es mit den prägenden Ereignissen ihrer Biografie verbinden? Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen und freilich der Empfang der Sakramente gehören dazu. Aber auch das Engagement der Gemeindemitglieder dürfen wir nicht vergessen, das zum Erhalt dieser Kirche und zur Stärkung der Gemeinde beigetragen hat.“
Bischof Bertram ermunterte alle katholischen wie lutherische Christinnen und Christen dazu, gemeinsam Zeugnis vom Evangelium abzulegen: „Europa wird zunehmend säkularer, und wir müssen unsere Kräfte bündeln, um voranzukommen. Die Ökumene stärkt die Glaubwürdigkeit des Christentums.“ Jedes christliche Gotteshaus mahne zum Frieden, zur Versöhnung und zur Gemeinschaft. In Zeiten digitaler Vereinsamung zeige sich umso deutlicher die Bedeutung von Orten, die das persönliche Miteinander fördern und echte Begegnung ermöglichen.
Der Bischof wies auf die erste Enzyklika von Papst Leo XIV. hin, der geschrieben hatte: „Pflegen wir Beziehungen! Die digitale Kultur vervielfacht Verbindungen und bietet neue Möglichkeiten der Begegnung; dennoch bewahrt das menschliche Herz ein unverzichtbares Bedürfnis nach Nähe. Ich lade dazu ein, an Orten und Zeiten festzuhalten, wo die physische Anwesenheit zählt: am gemeinsamen Tisch, in der christlichen Gemeinschaft, die sich versammelt, beim Besuch einsamer Menschen und im Dienst an den Armen."
Landesbischof Christian Kopp zeigte sich in seiner Festpredigt davon überzeugt, dass Gott Feste wie dieses in Nähermemmingen möge, „wo Menschen zusammenkommen, wo man merkt: ich bin nicht allein“.
Pfarrerin Senta-Victoria Burger, die den Festgottesdienst mit Bischof Bertram und dem evangelischen Landesbischof Christian Kopp feierte, sagte: „Ein solches Jubiläum erfüllt uns mit tiefer Dankbarkeit und lebendiger Freude. Seit 600 Jahren ist unsere Marienkirche ein Ort des Gebets, des Trostes und der Gemeinschaft. Dass wir dieses historische Fest gemeinsam im Geiste der Ökumene feiern dürfen, ist ein wunderbares Zeichen der Verbundenheit.“