Orden

"Sind wir noch bei Trost?"

10.06.2021 14:59

Beim Brand im Kloster Maria Medingen 2015 kam eine Schwester ums Leben und wurde unter anderem die historisch wertvolle Margaretenkapelle schwer beschädigt. Nach Jahren der intensiven Restaurierungsarbeiten konnte Bischof Bertram heute die Kapelle mit dem Grab der seligen Margareta Ebner wiedereröffnen.

Das "Trösterlein" der sel. Margareta Ebner (Fotos: Julian Schmidt / pba)

Aufgrund der Corona-Pandemie konnte der Gottesdienst nicht wie ursprünglich geplant in der Margaretenkapelle gehalten werden und wurde stattdessen in der größeren Klosterkirche gefeiert. Als Zeichen der Verbundenheit zwischen den beiden Gotteshäusern trug Bischof Bertram in einer Prozession zu Beginn der Hl. Messe eine hölzerne Figur des Jesuskindes von der Kapelle in die Kirche hinüber. Das „Trösterlein“ wurde der sel. Margareta Ebner 1344 geschenkt und von der Dominikanerin zeitlebens sehr verehrt.

„Seit fast 2000 Jahren stehen wir mitten im Zeitalter des Heiligen Geistes“, betonte der Bischof eingangs in seiner Predigt. Unter den drei göttlichen Personen werde dieser jedoch oft stiefmütterlich behandelt. Oft fehle sogar Priestern der Zugang zu ihm: „Das Trösterlein soll uns trösten. Doch sind wir noch bei Trost?“ Den Heiligen Geist zu erklären sei nicht schwer. „Gott ist Beziehung. Diese Beziehung meint Ruach, Pneuma, Spiritus und Geistkraft: in allen Sprachen, in denen Menschen Erfahrungen mit dem dreifaltigen Gott ins Wort bringen und sich im Gebet an ihn wenden“, so der Bischof weiter.

Bischof Bertram bei der Predigt

Diese Hinwendung zu und Beziehung mit Gott habe in der klösterlichen Tradition der Jesusfiguren einen lebendigen Ausdruck gefunden. Die mittelalterlichen Frömmigkeitsübungen der Margareta Ebner und ihrer Mitschwestern würden den Menschen der Gegenwart zwar oft fremd erscheinen, doch habe gerade die Pandemie wieder gezeigt, dass der Mensch Berührung und Nähe unbedingt brauche: „Ein Kind, ein erwachsener und ein alt gewordener Mensch lebt davon, dass er wahrgenommen wird; er will nach seinen Bedürfnissen gefragt werden, er will geliebt sein, weil nur erfahrene Liebe dem Leben Fundament und Sinn verleiht. Kein Mensch ist solitär und unabhängig von äußeren Einflüssen.“

„So innig band sich Margaretha mit Leib und Leben an ihren Bräutigam, dass sie – wie es der Maler des Altars in der Kapelle eindrucksvoll dargestellt hat – gleichsam einen Herzenstausch mit ihm erfuhr. Wir sollten dies nicht vorschnell als veraltete, vielleicht sogar peinliche Szene abtun, sondern uns mit allem Ernst fragen: Dringt meine Beziehung zu Gott, zu Jesus Christus wirklich vor bis zur Mitte meiner Person, bis zum Herzensgrund?“, fragte Bischof Bertram. Früher habe man von schwangeren Frauen oft gesagt, dass sie ein Kind unter dem Herzen führten. Unter diesem Gesichtspunkt sei auch Männern eine geistige Schwangerschaft möglich: „Auch wir, liebe Geschlechtsgenossen, können mit Gottes Wort schwanger gehen, auch wir können das Gotteskind im Herzen tragen“, betonte er und zitierte den hl. Franziskus: „Mütter sind wir, wenn wir ihn durch die göttliche Liebe und ein reines und lauteres Gewissen in unserem Herzen und Leibe tragen; wir gebären ihn durch ein heiliges Wirken, das anderen als Vorbild leuchten soll.“

Die restaurierte Maragaretenkapelle

Die Eucharistie werde an diesem Tag zum Dank für die gelungene Restaurierung der Kapelle gefeiert, so der Bischof. Dabei mische sich in die Freude auch Trauer über den Tod von Sr. Gertrud Remmele, die bei dem Klosterbrand 2015 den Tod fand: „Der Geist des Lebens tröste uns, dass Sr. Gertrud das Ziel erreicht hat, zu dem wir alle unterwegs sind: ‚Unruhig ist unser Herz, bis es ruht, o Gott, in Dir.‘ Amen.“

Das Kloster Maria Medingen in Mödingen entstand im frühen 13. Jahrhundert als Gemeinschaft frommer Frauen und wurde 1246 als Dominikanerinnenkloster approbiert. Im frühen 14. Jahrhundert lebte hier die Mystikerin Margareta Ebner († 1351), die schon bald nach ihrem Tod als Selige verehrt wurde. Auf sie geht unter anderem die älteste erhaltene Briefsammlung in deutscher Sprache zurück. Das Kloster wurde im Rahmen der Säkularisation aufgelöst. Seit 1843 wird es wieder von der Gemeinschaft der Dillinger Franziskanerinnen genutzt, die hier seit 1973 auch ein Provinzialat betreiben. 2015 wurden weite Teile des Klosters durch einen nächtlichen Brand beschädigt. Dabei kam auch eine der Schwestern ums Leben. Heute leben 22 Ordensfrauen in dem Kloster, das unter anderem auch eine integrative Kindertagesstätte beheimatet.

Die Dillinger Franziskanerinnen feierten auch 775 Jahre als approbiertes Kloster
Bischof Bertram verehrt die Jesusfigur der sel. Margareta Ebner
Das Kloster Maria Medingen von Süden