Die Sakramente der Kirche

Sie kennen diese Geschichte: Der Religionslehrer fragt im Unterricht die Kinder:"Wie viele Sakramente gibt es?" Wie aus der Pistole geschossen ruft der kleine Fritz:"Drei!" "Wieso drei?" Fritzchen sagt: "Vor einer Woche sind wir auf einem Spaziergang dem Pfarrer, dem Bürgermeister und dem Lehrer begegnet. Da hat mein Vater gesagt:"Da kommen ja die drei Sakramenter!"

Natürlich wissen Sie, dass es sieben Sakramente gibt. Was sind Sakramente?

Mit den Sakramenten und Gott verhält es sich so wie mit Liebenden und Liebesbeweisen.

Wer schon einmal die Erfahrung des Entstehens von Freundschaft, Liebe, Partnerschaft gemacht hat, weiß, wie viel Freude und Halt von einer Beziehung ausgehen können. Es gibt unheimlich viel Kraft, wenn man tief im Herzen sicher ist, dass man geliebt wird. Doch: Obwohl man von der Liebe des Partners überzeugt ist, tut es gut, das auch manchmal zu hören, zu spüren, zu erleben.

Sehr ähnlich verhält es sich mit Gottes Zuwendung zu uns. Die Liebe zu den Menschen hat ihn dazu gebracht, uns sich selbst ganz zu schenken. Durch seinen Sohn kam er selbst zur Welt und wurde Mensch mitten unter uns. Exakt diese "Geste" entspricht dem Kern eines Sakramentes. Denn wenn Gott sich selbst schenkt, wenn er in Jesus zur Welt kommt, sprechen wir theologisch vom "Ursakrament". Das Wort Sakrament hat lateinische Wurzeln: "Heiliges Zeichen" oder die "Vermittlung von Heiligem".

Gott hat mit seiner Menschwerdung ein "heiliges Zeichen" gesetzt. Und genau das hat Folgen: Wenn wir an Jesus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, glauben, lebt er weiter - mitten unter uns. Er hat eine Gemeinschaft in seinem Geist gegründet, die seine Botschaft weiter verkündet. Daher sprechen wir in der Theologie von der Kirche Jesu als Grundsakrament.

Alle weiteren Sakramente haben eingebettet in der lebendigen Gemeinschaft der Kirche ihren sinnvollen Platz. An den Knotenpunkten des Lebens, in Krisen unserer Biografie dürfen wir spürbar immer wieder erleben, dass der liebende Gott mit uns ist.

In all diesem sakramentalen Feiern drückt Gott durch Jesus im Heiligen seine Liebe, seine Vergebung, seine Zuwendung, seine Heilung, ja sein Mit-uns-Sein aus.

In den Sakramenten können wir somit an den Schlüsselpunkten unseres Lebens die genau dor hinein gesagte Liebe Gottes feiern. Sakramente bringen das Wesentliche auf den Punkt und sind Feste des Lebens aus und mit Gott. Die sieben Sakramente der Kirche sind: die Taufe, die Firmung, die Eucharestie, die Buße, die Ehe, die Priesterweihe und die Krankensalbung.

Sommer 1942 - mitten in den Wirrnissen des Krieges: Fernab der Heimat wird der Familie NN ein Kind geboren. Gerade 2000g schwer, nach ein paar Tagen hatte es nur noch 1500g. "Dieses Kind ist nicht lebensfähig, es wird sterben", so die Prognose des Arztes. "Unser Kind muss sofort getauft werden", beschließen die Eltern. Doch weit und breit gibt es keinen Priester. "Ich werde es taufen, Frau, hol Wasser!" So nimmt der Vater ein wenig Wasser, macht damit ein Kreuzzeichen über das Kind und spricht: "Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen." Der eigene Vater spendete die Nottaufe. Etwa ein Jahr später wurden die anderen Tauf-Zeremonien bei einem Heimaturlaub der Eltern nachgeholt. Sie ahnen es sicher: Das Kind hatte die Krise damals überlebt. Bei ihrem 70.Geburtstag vergangenen Jahres berichtete diese Frau davon. Übrigens: Jeder, der getauft und gefirmt ist, darf im Notfall gültig die Taufe spenden. Viele Zeichen der Taufe weisen auf die Bedeutung dieses Grundsakramentes hin: Das Kind wird an der Tür abgeholt:
Die Taufe ist das "Eingangstor" zur Kirche. Ohne sie können keine weiteren Sakramente empfangen werden. Die Tür steht offen. Es braucht nur einen kleinen Schritt, um einzutreten. Die Taufe verlangt keine besonderen Zulassungsvoraussetzungen. Was hätte ein Baby auch schon vorzuweisen? Alles, was es braucht, ist Vertrauen, die Fähigkeit, sich von Gott beschenken zu lassen. Dann kann mit der Taufe ein Lebensweg beginnen, der in jedem Abschnitt anders aussieht. Aber überall lautet die Überschrift: "Du bist Gottes Kind." Das wichtigste Zeichen der Taufe ist das Wasser: Das Übergießen mit Wasser symbolisiert die Reinwaschung von der Sünde. Deshalb bekommt das Kind danach auch das weiße Kleid angelegt als Zeichen der neuen Schöpfung.
Wasser ist Leben. Wasser erfrischt. Wasser erneuert. Wasser reinigt. Wasser macht lebendig. Das äußere Zeichen des Wassers deutet die innere Wirkung der Liebe Gottes an: Der Mensch braucht Gottes Liebe, sein Ansehen, genauso notwendig wie Wasser. Wer sich dem öffnet, erfährt, dass Gott in seinem Leben wirken kann. Ein anderes Symbol für die Taufe ist die Taufkerze:
Sie wird am Licht der Osterkerze angezündet. Diese hat zum ersten Mal in der Osternacht gebrannt, jener Nacht, in der die ganze Christenheit den Sieg des Lebens über den Tod feiert. Die lebensverneinenden Kräfte behalten nicht die Oberhand. Gottes Liebe ist stärker, sie schenkt das Leben neu, immer wieder. Das Licht einer einzigen Kerze genügt, um einen ganzen Raum hell zu machen. Das Licht eines einzigen Lebens genügt, um vielen Menschen Mut und Hoffnung zu schenken. "Keiner von uns lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber." (Röm.14,7) Darum hat Christus die Kirche gewollt. Auf seinen Namen getauft sein, bedeutet, in diese Gemeinschaft einzutauchen. "Ein Christ ist kein Christ", hat Karl Rahner gesagt. Christsein lässt sich nur in Gemeinschaft leben. Die Gemeinschaft der Kirche wird dadurch begründet, dass alle dieselbe Taufe empfangen, dass alle sich auf die Nachfolge Jesu verpflichten. Mit der Taufe beginnt sozusagen "offiziell" der Weg mit Gott. Das ganze Leben ist ein Versuch, den Weg zur Mitte zu finden. Jeder Mensch braucht Begleiter auf diesem Weg. Darum ist die Taufe auch Verpflichtung der Eltern und Paten, für die religiöse Erziehung  des Kindes Sorge zu tragen. Sie sollen dem Kind bezeugen, was sie selber von Gott erfahren haben. Und vielleicht ist das eine gute Gelegenheit, selber wieder einige Fortschritte im Glauben zu machen. "Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich auf diesen Weg des Christseins geführt haben. Der Glaube an Jesus Christus hat mich in allen Höhen und Tiefen meines Lebens getragen. Und ich vertraue darauf, dass unser Gott mich weiterhin begleiten wird." Mit diesen Worten beendete die oben zitierte Frau ihren Rückblick auf 70 Lebensjahre.  
Der Tag der Erstkommunion - welche Erinnerung ist ihnen geblieben? Der "Weiße Sonntag" war sicher ein schöner Tag! Das weiße Einheitsgewand, die schöne kleine Kommunionkerze... Von meiner Erstkommunion ist mir noch gut im Gedächtnis, dass meine Kerze am Kommuniontag gebrochen war. Das gab Tränen. Mein Vater hatte die Kerze mit Wachs notdürftig repariert, dass sie wenigstens für die Kirche hält. Dann war noch die Aufregung mit der Nüchternheit! Halte ich es durch bis nach der Kommunionfeier? Damals galt noch die Vorschrift, vor Empfang der Hl. Kommunion muss man ab Mitternacht nüchtern bleiben. Und die Geschenke? Ich bekam keine Geschenke. Inzwischen hat sich vieles geändert bei der Erstkommunion; auch bei der Feier der Hl.Messe. Doch gleich ist geblieben: In der Erstkommunionsfeier emfängt der Gläubige zum ersten Mal Jesus Christus im Zeichen von Brot und Wein. Dabei handelt es sich um Jesu Abschiedsgeschenk: Vor seinem Leiden und Sterben hat Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl gehalten. Er nahm Brot und Wein, reichte es mit den Worten "Dies ist mein Leib, dies ist mein Blut" und fügte hinzu: "Tut dies zu meinem Gedächtnis" Die Eucharistiefeier ist somit nicht nur ein Gedächtnismahl, sondern in ihr bleibt Christus gegenwärtig. Sie bildet das Zentrum der Gemeinschaft der Kirche und ist zugleich ihre Kraftquelle. Noch ein kurzer Blick in die Geschichte: Seit dem 12.Jahrhundert wird zumeist nur noch das heilige Brot, die Hostie, ausgeteilt aus Sorge, dass der Wein verunreinigt oder verschüttet werden könnte. Auch die Form des Kommunionempfangs hat sich über die Jahre verändert. Zu Beginn reichten die Gläubigen Brot und Wein untereinander weiter, während später ein Priester die Hostien an die Kommunikanten austeilte. Bis zum 9.Jahrhundert wurde den Christen die Hostie in die Hand gelegt. Anschließend setzte sich sich der Brauch durch, sie direkt in den Mund zu geben. Mittlerweile sind beide Formen des Kommunionempfangs nebeneinander getreten. Seit dem 2.Vatikanischen Konzil dürfen auch vom Bischof beauftragte Laien die Hl. Kommunion austeilen. Was wir als Eucharistie oder Messe bezeichnen, ist das Herzstück der ganzen Liturgie. Die Geburtsstunde der eucharistischen Feier ist das letzte Abendmahl Jesu unmittelbar vor seinem Leiden und Sterben. Jesus feierte mit seinen Jüngern das Paschamahl der Juden, dessen Ursprung bis in die Zeit des Mose zurückreicht. Am Gründonnerstag und am Fronleichnamsfest wird dieses Ereignis in besonderer Weise gefeiert. Die Feier der Eucharistie gehört zum zentralen Leben der Kirche, im Leben einer Gemeinde. In ihr verdichtet sich all das, was wir glauben, worauf wir hoffen und vertrauen. Sie ist ein Gedächtnismahl: Wir erinnern uns in der Feier an Jesus Christus, an seine Person, an sein Wirken und Tun, an sein Leben, an seinen Tod und seine Auferstehung. Eucharistie ist jedoch nicht nur Erinnerungs- ud Gedächtnismahl, das von vergangenen, historisch längs abgeschlossenen Dingen handelt. In Feier und Nachvollzug dieses Geschehens wird für uns das Heil, das uns geschenkt ist, schon zur Gegenwart, allerdings noch nicht in seiner Vollendung. In den Zeichen Brot und Wein ist Jesus Christus selbst gegenwärtig. Indem wir von seinem Brot essen und von dem  Wein trinken, erhalten wir in der Gemeinschaft mit Jesus Christus Anteil am ewigen Leben. Grundstimmung der Gedächtnisfeier des Todes und der Auferstehung des Herrn ist die Freude und die Dankbarkeit. Sie ist es so sehr, dass die Feier von ihr den Namen bekommen hat: Eucharistie. Das Wort "Eucharistie" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Danksagung". Alle Gebete, Lieder, Worte sind geprägt von der Grundhaltung des Dankens. Das kommt besonders im eucharistischen Hochgebet zum Ausdruck: "Lasset uns danken dem Herrn, unserem Gott...!" Geheimnis des Glaubens: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir bis du kommst in Herrlichkeit!  
"O wahrhaft heilbringende Sünde des Adam... o glückliche Schuld..." Wie ist das möglich, eine Sünde heilbringend zu bezeichnen und eine Schuld glücklich zu preisen? Widerspricht das nicht unseren Vorstellungen? Niemand möchte schuldig sein; Schuld ist doch negativ besetzt. Und doch hören wir diese Worte jedes Jahr im Osterexsultet der Osternacht. Die Sünde Adams und die Schuld wird glücklich gepriesen, weil sie erlöst wurde durch Jesus Christus. Seine erlösende Tat wird im Osterlob besungen. Der auferstandene Herr ist die Grundlegung des Bußsakramentes. Im Johannes-Evangelium hören wir, dass Jesus am Abend des Ostertages zu seinen Jüngern kam. Er sagte: "Friede sei mit euch. Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch." Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach: "Empfangt den Heiligen Geist. Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben und wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert." Aus diesem Schriftwort hat sich das Bußsakrament herauskristallisiert. In der frühen Kirche entwickelte sich neben dem öffentlichen Sündenbekenntnis die Privatbeichte, die oft bei Einsiedlern oder Mönchen stattfand. Erst etwa vom 9.Jahrhundert an wurde diese Form der Beichte eine feste kirchliche Institution, die in der katholischen Kirche zu den sieben Sakramenten gezählt wird. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) betonte wieder mehr die Heilswirkung dieses Sakramentes und legte deshalb Wert darauf, dass dieses Sakrament als "Feier der Versöhnung" (mit Gott, der Kirche und den Menschen) verstanden wird. Bußgottesdienste, die nach dem Konzil vielfach entstanden sind, ersetzen das Bußsakrament nicht. Sie sind als eine Hinführung bzw. eine Vorbereitung zu verstehen. Im Sakrament der Buße bekennt sich der Mensch zu den Sünden, die er begannen hat, und übernimmt die Verantwortung für sie. Dadurch öffnet er sich neu Gott und der Gemeinschaft der Kirche und ermöglicht sich so eine neue Zukunft. Indem der Priester die Absolutionsformel spricht, wird der Einzelne mit Gott versöhnt. Damit in der Absolution durch den Priester die Versöhnung mit Gott und der Gemeinschaft der Glaubenden ausgesprochen werden kann, bedarf es:  -der Gewissensforschung und der Reue
-des Aussprechens der Schuld im Bekenntnis
-des Vorsatzes, schuldhaftes Verhalten zu ändern und Schaden wiedergutzumachen Sicher fällt es uns nicht leicht, unsere Schuld vor dem Priester zu bekennen. Es gehört schon eine Portion Demut dazu. Und vielleicht hilft es uns auch, zu wissen, dass der Priester absolut an das Beichtgeheimnis gebunden ist. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mich nach einer intensiven Beichte innerlich sehr gut gefühlt habe. So ist es sinnvoll, so oft wie möglich das Bußsakrament zu empfangen, um immer neu die Freude und eine Erleichterung zu spüren: Ich bin mit Gott, mit mir und meinen Mitmenschen wieder im Reinen. "O wahrhaft heilbringende Sünde des Adam, du wurdest uns zum Segen, da Christi Tod dich vernichtet hat. O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden!"  
Vorletztes Jahr habe ich einen Gottesdienst mit Krankensalbung in Lourdes erlebt. Die Predigt des Bischofs ermutigte mich, mir auch die Krankensalbung spenden zu lassen, obwohl ich mich nicht schwer krank fühle. Er sprach vom Sakrament der Heilung und wer bedarf nicht der Heilung, sowohl an Seele als auch an Leib? Mich hat es tief berührt, als der Bischof mir Stirn und Hände salbte und die Worte sprach: "Durch dieses heilige Sakrament helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen, er stehe dir bei mit der Kraft des Heiligen Geistes. Der Herr, der dich von Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf." Für mich war es, als würde ich die Zuwendung Gottes leibhaftig spüren und es war in meinem Innern eine Zwiesprache mit Gott, so intensiv, wie schon lange nicht mehr. Lange Zeit ging die Meinung um, die Krankensalbung sei nur ein Sakrament für Sterbende und alte Menschen. So wurde aus dem "Sakrament des Lebens" ein "Sakrament des Todes", das mit Angst besetzt war. Wenn es mit einem Menschen zu Ende ging, holte man schnell noch den Pfarrer für die "letzte Ölung". Sie war wie eine "Eintrittskarte in den Himmel". In meiner Kindheit erlebte ich, wie der Pfarrer mit der "letzten Ölung" durch das Dorf ging, begleitet von einem Ministranten mit Glöckchen. Wir Kinder knieten andächtig nieder, bis er an uns vorbeigegangen war und wir wussten, jetzt wurde er zu einem Sterbesakrament gerufen. Heute entdeckt die Kirche wieder den ursprünglichen Sinn. Sie nimmt den Auftrag Jesu ernst und macht so die heilende und heilsame Liebe Jesu zu den körperlich oder seelisch Kranken erfahrbar. Die Zuwendung ist an kein Alter gebunden. Der Verfasser des Jakobusbriefes ermuntert die Christen: "Ist einer von euch bedrückt? Dann soll er beten. Ist einer fröhlich? Dann soll er ein Loblied singen. Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich, sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihm im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben. Darum bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet. Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten." (Jak. 5,13-16) Das gläubige Gebet mitsorgender Gemeindemitglieder vermag also zu retten und aufzurichten. Ein Kranker erfährt wieder Hoffnung, neues Leben. Bei der Feier der Krankensalbung (am Krankenbett oder in der Gemeinde) beten alle Anwesenden für den Kranken. Der Priester legt dem Kranken die Hände auf und salbt ihm die Stirn und Handfläche. Der leidende Mensch soll bei Bewusstsein sein. Deshalb sollte man den Priester nicht erst dann rufen, wenn der Kranke nicht mehr voll ansprechbar und aufnahmefähig ist. Im Notfall kann die Krankensalbung auch bewusstlosen Menschen gespendet werden, denn Gott handelt an uns, auch wenn wir nicht voll bewusst dabei sind. Jesus Christus, den wir auch unseren "Heiland" nennen, will sich in der Krankensalbung schenken in seinen tröstenden und befreienden Worten und in seiner zärtlichen Berührung. Darum ist dieses Sakrament für mich zum "Trostsakrament" bzw. "Heilungssakrament" geworden.
Wenn heute von einer "Weihe" gesprochen wird, dann verbinden wir damit ganz unterschiedliche Ereignisse. Man kennt die "Einweihung" eines Gebäudes, die "Jugendweihe" aus der Zeit der ehemaligen DDR oder im kirchlichen Bereich die "Altarweihe", die "Kirchweihe" und die "Jungfrauenweihe". Oft werden auch kirchliche Segnungen missverständlich als Weihe bezeichnet, so z.B., wenn wir von der "Palmweihe" am Palmsonntag oder von der "Speisenweihe" an Ostern sprechen.
Es ist ein schöner und guter Brauch, wenn die Ehejubilare zu einem besonderen Gottesdienst eingeladen werden. Auch in unserer Pfarrei wird dies gepflegt und es ist erfreulich, dass dieses Angebot gerne wahrgenommen wird. So konnten auch dieses Jahr mehrere Paare begrüßt werden, die ihr 10, 20, 25, 30 oder mehrjähriges Ehejubiläum feierten. Hin und wieder erleben wir auch eine goldene oder diamantene Hochzeit. Das zeigt, dass Treue und Zueinanderstehen auch heute noch Werte sind, die Bestand haben. Ja zueinander sagen, ein Ja zu einem gemeinsamen Leben, ein Ja zu der gegenseitigen Liebe, ein Ja vor Gottes Angesicht; das wollen zwei Menschen, Mann und Frau, wenn sie die Ehe auch in der Kirche schließen. Wir Priester bringen es in der kirchlichen Feier auf den Punkt: "So schließen Sie jetzt vor Gott und der Kirche den Bund der Ehe!" Die Bibel bezeugt das, was hier im Sakrament deutlich wird. Gott will ein Miteinander von Mann und Frau. Gott will, dass der Mensch ein Gegenüber hat, mit dem er reden kann, bei dem er Gehör findet. Dieses menschliche Gegenüber macht klar, dass wir auch auf Gott als Gegenüber angwiesen sind. Wer den Ehebund eingeht, bestätigt den Bund Gottes mit den Menschen. Eine Besonderheit des Ehesakraments liegt darin, dass es die Brautleute einander spenden. Sie sind Empfänger und Spender zugleich. Die Ehepartner setzen ein Zeichen ihrer Gemeinschaft nicht nur am Anfang mit dem Jawort bei der Eheschließung, gemeinsam realisieren sie das sakramentale Zeichen, ihre Lebensgemeinschaft, jeden Tag neu. Im kirchlichen Ritus gibt es unverkennbare Zeichen für die Bedeutung des Ehesakramentes. Die Brautleute bekennen voreinander, vor Gott und den Mitfeiernden: "Ich verspreche dir die Treue... Ich will dich lieben, achten und ehren, solange ich lebe... Trage diesen Ring als Zeichen der Liebe und Treue! Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes." Zum Schluss geben die beiden einander die rechte Hand, die der Priester mit der Stola umwickelt. Ein altes Zeichen des Vertragsabschlusses! Die rechte Hand des Priesters über den beiden Händen ist dann die Bestätigung des Ehebundes. Die äußeren Zeichen des Sakramentes sind das hörbare Ja, das Versprechen, das Anstecken der Ringe, die priesterliche Stola als Bestätigung. Wie die Paare das Eheversprechen nachher leben, ist das Entscheidende. Hier muss sich bewähren, was im Hochgefühl der frischen Liebe versprochen worden ist. Nicht wie festlich und pompös die Hochzeit gefeiert worden war, ist das Wichtigste! Nicht immer wird das einfach sein. Es gibt Höhen und Tiefen, die bewältigt werden müssen. Ich erinnere mich an eines der letzten Gespräche, die ich mit meinem Vater führte. Damals waren meine Eltern schon fast 50 Jahre verheiratet. Mein Vater sprach mit mir über seine Ehe: "Weißt du, meine Frau ist ein Teil von mir: Wenn sie leidet, leide ich; wenn sie sich freut, freue ich mich. Wir sind eins!" Damals habe ich das Bibelwort erstmals richtig verstanden: "Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau und sie werden ein Fleisch!" (Gen.2,24). Leider sind meine Eltern kurz nach der goldenen Hochzeit gestorben.