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Kirchenführung durch St.Wolfgang

Baugeschichte:

Seit 1907 sammelte ein Kirchenbauverein Geld, um das alte St. Wolfgangskirchlein aus dem 16. Jahrhundert umzubauen oder eine neue Kirche zu errichten. Durch die Inflation 1923 ging dieses Kapital verloren. Dem unermüdlichen Einsatz von Altbürgermeister und Kirchenpfleger Johann Wagner und dem amtierenden Bürgermeister Hans Koch war es zu verdanken, dass erneut Gelder aufgebracht wurden, sei es durch günstige Darlehen, die Unterstützung von Seiten der politischen Gemeinde und der evangelischen Christen, aber auch durch Holzschenkungen und deren Anfuhr aus den Nachbarorten.

Am 13. Mai 1929 um 6 Uhr morgens wurde in der alten Kirche die letzte Heilige Messe gefeiert, danach begann der Abbruch. Die Pläne für den Neubau erstellte Kreisbaumeister Otto Lederer aus Wertingen, unterstützt von den beiden Ingenieurbüros Pfister/Wertingen und Specker/Augsburg. Bereits nach zweijähriger Bauzeit konnte am 14. Mai 1931 -  dem Geburtstag des späteren ersten Pfarrers von Meitingen, Johannes Radinger (1906 - 1988) -  die neue Kirche durch Bischof Josef Kumpfmüller eingeweiht werden.

 

Maße der Kirche:

Länge: 42,61 m, Breite 19,50 m, Firsthöhe 20 m, Kirchturmhöhe 47 m (gemessen 2011)

6 Glocken hatte St.Wolfgang ursprünglich, eine stammte noch aus dem alten St.Wolfgangskirchlein, 5 wurden 1929 in der Glockengießerei der Gebrüder Ullrich in Kempten neu angefertigt. Hans Baur aus Meitingen lieferte das Glockenseil aus Sisal. Während des Zweiten Weltkrieges mussten 5 Glocken abgegeben werden. Ende Februar 1942 wurden sie durch ein Loch an der Nordseite des Turmes (2,3 x 1,8m) heruntergenommen und mit zwei Pferdefuhrwerken nach Wertingen gebracht. Im Jahre 1951 erhielt Meitingen 5 neue Glocken, ebenfalls aus der Kemptener Werkstatt.

Innenausstattung im Stil des Spät-Expressionismus:

Karl Radinger aus Augsburg - Kriegshaber (1912-1966), der Bruder des ersten Pfarrers von Meitingen, begann als Dekorationsmaler, nach seiner Lehre studierte er in Augsburg bei Döllgast, Escher, Rupflin sowie in München bei Professor Klemmer.

Seine Werke in St. Wolfgang:

  • Weihnachtsbild in der Seitenkapelle: Es entstand als erstes Bild während der Ausbildung bei Prof. Klemmer
  • 1947 Kreuzweg: Hier verarbeitete er die düsteren Erlebnisse als Soldat im 2. Weltkrieg (6 Jahre Kriegsdienst) 
  • 1949 – 1952 Seitenaltarbilder (links: Jungfrau Maria, rechts: Johannes der Täufer zeigt auf Jesus im strahlend weißen Gewand)
  • 1960 Apostelbilder und Stall für die Weihnachtskrippe (Figuren: Verlag Auer, Donauwörth)
  • 1963 Malerei hinter der Kreuzigungsgruppe im Chorraum
  • 1966 Malerei am Chorbogen: Geheime Offenbarung des Johannes 7, 9 -17
  • Kriegergedenkstätte: Pietá

Weitere Werke in Meitingen:

Kreuzweg in der Kapelle des Johannesheimes
Gemälde im Haus St. Wolfgang und in der Gemeindehalle

Karl Radinger verstarb am 24. August 1966  bei einem Verkehrsunfall in Neusäß. Einer seiner 3 Söhne lebt in Meitingen. Seit 2012 gibt es in Augsburg den Karl-Radinger-Weg.

Altaraufbauten, Chorgestühl, Kanzel, Taufbecken, Weihwasserbecken und Apostelkreuze wurden einheitlich nach den Plänen des Kreisbaumeisters Otto Lederer aus Ruhpoldinger Marmor gefertigt, geliefert von den bayerischen Marmorwerken Gustav Taussig in Bad Aibling.

Vom königlich bayerischer Hofkupferschmied Franz Ragaller aus München stammt die in Kupfer getriebene Figurengruppe am Hochaltar nach einem Entwurf von Prof. Alberts-hauser, ebenfalls in München.  Das Altarkreuz fertigte Spenglermeister Karl Weinsdörfer aus Meitingen, den Tabernakel (Verkündigung des Herrn) sowie die Kerzenleuchter lieferte die „Werkstätte für kirchliche Geräte und Gefäße in allen Stylarten“ Ulrich Dochtermann aus Augsburg.

Der in Form eines Kelches aus hellem Jura gearbeitete Volksaltar und der Ambo stammen aus der Werkstätte des Steinmetz- und Bildhauermeisters Wolfgang Schmidt in Meitingen. Die Pläne lieferte Prof. Georg Bernhard aus Augsburg der mit Familie Radinger befreundet war. Am 27.11.1994 fand die Altarweihe durch Bischof Viktor Josef Dammertz statt, Reliquien der Heilige Theresia von Lisieux und unbekannter Märtyrer wurden in den Altar eingesenkt. 

Eine „verblüffend schöne Notlösung“ wegen der Materialknappheit nach dem Ersten Weltkrieg stellt das Zollinger Dachgewölbe mit einer Spannweite von 14,54 m bei einer Dachlänge von 27,65 m und einer Dachfläche insgesamt von 565 qm dar. Die Konstruktion aus rautenförmig verbundenen Holzbrettern ersparte im Vergleich zu einem konventionellen Dachstuhl nicht nur 40 % Material, sondern konnte mit ungelernten Arbeitern auch sehr schnell und effektiv errich-tet werden (Dach- und Hallenbau AG, München).

In der Seitenkapelle stammen der Altaraufbau und die barocken Figuren (Hl. Afra, Hl. Anna, Hl. Josef, Hl. Florian, Hl. Ulrich) noch aus dem alten St. Wolfgangskirchlein. 

 

 

 

 

Die Figur des Heiligen Antonius aus gekalkter Eiche (gegenüber den Beichtstühlen) fertigte im Jahre 2003  die Augsburger Bildhauerin Christiane Sandler.

1938 konnte die erste Orgel eingeweiht werden, nachdem Kirchenpfleger Johann Wagner aus verschiedenen Orgeln Teile zusammengetragen hatte.

1990 bekam St. Wolfgang ein neues Instrument aus der Orgelwerkstätte Maximilian Offner in Kissing mit 41 Registern und über 2800 Einzelpfeifen. Bei einem vollgriffigen Akkordspiel mit beiden Händen und Füßen und allen gezogenen Registern können 609 Pfeifen gleichzeitig erklingen.

 

Am Hauptportal empfängt den Kirchenbesucher ein Terrakottarelief mit der Inschrift:
„Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid.“

Stiftungen:

Volksaltar: Pfarrer Wilhelm Zettler
Ambo: Bürgermeister Leonhard Rieger
St. Wolfgangsfigur im Chorraum: Josefa Ziegler
Weitere Stiftungen: Textilwebearbeiten, Hl. Antonius