Gebetsstätte

Bischof Bertram feiert Elendssonntag in Wigratzbad

07.03.2021 14:20

Augsburg (pba). Bischof Dr. Bertram Meier hat heute in der Gebetsstätte Wigratzbad den dritten Fastensonntag als Elendssonntag gefeiert. In seiner Predigt nahm er dabei Bezug auf die Freundschaft Jesu den Menschen gegenüber.

Im Leben scheine es manchmal so, als ob niemand Anteil nehme an den eigenen Mühen und Sorgen, sagte der Bischof in der Predigt. Doch Versuche, sich wie Münchhausen am eigenen Schopfe „aus dem Sumpf herauszuziehen“, seien automatisch zum Scheitern verurteilt. Die Folge sei daraufhin die Furcht vor dem Alleinsein: „Eine lähmende Angst, die das Herz schwermacht.“

„Aber gerade in diesen schwierigen Momenten habe ich erfahren, welche Freude und welches Glück es bedeutet, dass es die anderen gibt“, fuhr Bischof Bertram in seiner Predigt fort: Freunde seien Menschen, die es gut mit einem meinten, die für einen da seien, die zuhörten und die einen in guten wie in schlechten Zeiten begleiteten. „Dass mir das geschenkt wird, lässt mich erkennen: Leichter wäre es, nichts zu haben, als niemanden zu haben.“

Jesus habe in seinen Abschiedsreden an die Jünger oft von seinen Freunden gesprochen: Die Apostel, die von ihm geheilten Menschen, die Sünder und Zöllner, die von ihm Liebe, Anteilnahme und Verzeihung erfahren hätten. „Aber als es ihm an den Kragen geht, als die Lage brenzlig wird und das Zu-ihm-Gehören etwas kostet, unter Umständen sogar das Leben, da lichten sich die Reihen der Freunde.“ Doch anstatt zu verbittern, habe er bis zuletzt sogar Judas als seinen Freund bezeichnet. „Das ist keine Ironie, keine getarnte Verbitterung, das ist Jesus, wie er leibt und lebt“, betonte der Bischof.

Jesus mache keinen Bogen um unser Elend, unsere Angst, Armseligkeit und Sterblichkeit. Durch sein Sterben habe er uns die letzte Einsamkeit genommen: „Er ist für uns gestorben, damit wir im kleinen und großen Sterben des Alltags nicht allein bleiben.“ Die Figur des „Herrn im Elend“, die in Wigratzbad seit langem verehrt werde, stehe stellvertretend dafür: Unter Jesu purpurnem Mantel könne man sicher stehen. „Gerade in der Pandemie, in dieser Krise, die uns schon mehr als ein Jahr in Schach hält, bin ich sicher, dass der Schmerzensmann mit der Dornenkrone stärker ist als Corona“, so der Bischof und schloss seine Predigt mit einem der Lieblingsgebete Papst Johannes Pauls I.: „Aus Liebe zu Dir liebe ich meinen Nächsten wie mich selbst und will erlittenes Unrecht gerne verzeihen. Herr, gib, dass ich Dich immer mehr liebe.“

Die Gebetsstätte Wigratzbad geht auf eine 1937/38 errichtete Gnadenkapelle zurück und wurde nach dem Bau der heutigen Kirche 1976 als diözesane Gebetsstätte anerkannt. Die Figur „Der Herr im Elend“ ist die Kopie einer im Mittelalter angefertigten Holzfigur aus dem Tiroler Wallfahrtsort Matrei am Brenner und wurde 1938 nach Wigratzbad gebracht. Zu ihren Ehren wird dort der dritte Fastensonntag als „Elendssonntag“ begangen.

Zum Predigttext.

"Der Herr im Elend" in Wigratzbad (Fotos: Julian Schmidt / pba)
Pontifikalamt zum Elendssonntag
Die Gebetsstätte Wigratzbad