Laetare - Freue Dich

Erster Livestream-Gottesdienst: Ernannter Bischof Bertram feiert in der Kapelle des Bischofshauses

22.03.2020 11:30

Augsburg (pba). Gestern war der ursprüngliche Termin seiner Bischofsweihe, doch diese ist aufgrund der Corona-Krise bis auf Weiteres verschoben worden. Zudem sind im Bistum derzeit keine öffentlichen Gottesdienste möglich. Darum feierte der ernannte Bischof Dr. Bertram Meier heute in der Kapelle des Bischofshauses den Gottesdienst zum 4. Fastensonntag, auch Laetare genannt, vor leeren Reihen. Und doch hörten und sahen ihm zahlreiche Gläubige zu. Denn die Eucharistiefeier wurde live von a.tv und Allgäu-TV im regionalen Fernsehen übertragen sowie auf dem YouTube-Kanal von katholisch1.tv.

Predigt des ernannten Bischofs in der Kapelle des Bischofshauses. (Bild: Livestream katholisch1.tv)

Achtung: Die Online-Übertragung der Gottesdienste findet ab jetzt direkt auf der Bistumshomepage und den Seiten von katholisch1.tv statt!

Zu Beginn grüßte Bischof Meier ganz besonders die Firmlinge und Erstkommunionkinder, deren Feiern vorerst auch verschoben worden sind. Er ermutigte die Kinder und Jugendlichen, die Vorfreude auf deren Feiern wachzuhalten: „Das wird, das dürft ihr mir glauben, ein echtes Fest sein. Nicht nur in euren Familien und Angehörigenkreisen, sondern vor allem ein Fest der Begegnung mit dem Herrn, der euch nahekommen wird in der Hostie und mit den Gaben seines Heiligen Geistes.“

In seiner Predigt zog der ernannte Bischof einen Vergleich zu seiner ersten Auslegung des Evangeliums als Diakon, die er am Tag nach seiner Weihe in der Domitilla-Katakombe in Rom heute vor 36 Jahren hielt. Damals waren bei der Feier auch nur wenige Mitfeiernde anwesend. Zum ersten Mal durfte er „Stimme des Wortes“ sein - wie es in seinem bischöflichen Wahlspruch heißt - das Evangelium von der Heilung des Blindgeborenen war dasselbe, die Grundgedanken der Predigt in seinem geistlichen Tagebuch notiert. „Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.“

Das Thema seiner Predigt zur „Diakonenprimiz“ sei ganz einfach elementar gewesen: „Was ist Glaube?“ So führte der ernannte Bischof aus, dass Glaube nicht mit dem Bleiben beginne, sondern mit dem Gehen. Glaube sei nicht zuerst finden, sondern zuallererst suchen. „Das spüren wir jetzt Tag um Tag“, so Bischof Bertram. Und so sehr die Suche nach einem Impfstoff gegen das Corona-Virus auf Hochtouren laufe, so müsse auch der Glaube immer neu gesucht und errungen werden. „Wir haben Gott nicht in der Hand, selbst wenn er uns in der heiligen Kommunion in die Hand oder auf die Zunge gelegt wird.“ Im Gegenteil: Gott sei immer wieder für Überraschungen gut, gerade in dieser schweren Zeit merkten wir das auf Schritt und Tritt. „Aber auch diese Zeit ist Gottes Zeit. Er will uns damit etwas sagen – selbst wenn wir noch nicht genau wissen, was“, erklärte der ernannte Bischof.

Bild: Livestream katholisch1.tv

Die Corona-Krise schicke uns auf eine Suchexpedition nach Gottes Willen. „Da bin ich mir sicher – für mich persönlich, aber auch für die Kirche. Spüren wir nach, welche Konsequenzen diese Erschütterung für das kirchliche Leben in den Gemeinden und Klöstern haben könnte!“, forderte er die Zuschauer auf. Gleichzeitig gab er ihnen mit auf den Weg, sich zu fragen, welche Folgen diese Krise für unser aller Anliegen habe, das Evangelium unter die Leute zu bringen. „Unser persönliches Zeugnis ist gefragt. Gerade in der Zeit der Krise werden uns die Menschen mit der Gretchenfrage konfrontieren: ‚Wie hältst Du’s wirklich mit der Religion?’ Hast Du tatsächlich Gottvertrauen – oder betest Du nur Formeln nach? Was bedeutet Dir Anbetung wirklich?“

Als positives Beispiel führte er Edith Stein vor Augen, die sich – wie er sagte – „bewusst den Glauben abgewöhnt hat und erst nach und nach zur katholischen Kirche findet“ - nach Studium und Dienst im Seuchenlazarett. Danach habe für sie ein Weg des Sich-Hineintastens in das Geheimnis des Christentums begonnen. Diesem Beispiel zu folgen, rief Bertram Meier in seiner Predigt auf: „Jetzt geht es nicht so sehr um Rechtgläubigkeit; was zählt ist Glaubwürdigkeit um Gottes und der Menschen willen.“

„Damals waren die Katakomben Touristenattraktionen, heute fühlen wir uns tatsächlich wie in einer Katakombenkirche“, verglich er die Zeit seiner Diakonenweihe mit der aktuellen Ausnahmesituation in Kirche und Gesellschaft. „Wir führen keinen Krieg mit einem militärischen Feind, unser Gegner heißt Corona – unsichtbar und doch nicht weniger gefährlich.“ Dieses Virus zwinge uns zur Katakombenkirche, betonte der ernannte Bischof. Deshalb richtete er an die Zuschauer an den Bildschirmen, Laptops und Smartphones die Bitte: „Entdecken Sie Ihre Häuser und Wohnungen als Kirchen, als Räume, wo sie mit Gott ins Gespräch kommen können.“ Die ersten Christen hätten auch keine eigenen Immobilien für Gott gehabt, sie hätten Ihre Häuser IHM und ihren Schwestern und Brüdern zur Verfügung gestellt. „Die ersten Gemeinden bauten keine Häuser aus Stein, sie selbst haben gelebt, was wir jetzt wieder brauchen: Kirche in den Häusern, Hauskirchen“. Gerade im Hinblick auf die Kar- und Ostertage werde dies wichtig sein. Denn eines ist für Bischof Bertram klar: „Die Heilige Woche fällt nicht aus, aber sie wird anders sein. Und dennoch nicht weniger intensiv.“

 

Ab Sonntag, 22. März, gibt es tägliche Gottesdienste (werktags um 19 Uhr) mit unserem ernannten Bischof Dr. Bertram Meier aus der Kapelle des Bischofshauses. Am Sonntag beginnen die Eucharistiefeiern um 10.00 Uhr. Die sonntäglichen Feiern werden live von a.tv und Allgäu-TV im regionalen Fernsehen übertragen. katholisch1.tv streamt zusätzlich auch alle Werktagsmessen und Rosenkränze des ernannten Bischofs auf den eigenen Seiten und der Bistumshomepage. Die Pfarrgemeinden sind dazu eingeladen, in den kommenden Wochen immer am Sonntag kurz vor 10.00 Uhr mit den Glocken zu diesem Sonntagsgottesdienst und zum Gebet einzuladen.

Als geistliche Hilfe in der Zeit der Verunsicherung durch die Corona-Pandemie steht für Gläubige ein vielfältiges Angebot an Gottesdienstübertragungen, Andachten, Impulsen in Fernsehen, Radio und Internet bereit. Wir haben im Folgenden eine Auswahl zusammengestellt, wo Menschen aus dem Glauben Kraft schöpfen können.

Liveübertragung des Gottesdienstes aus der Kapelle des Bischofshauses. (Foto: Daniel Jäckel / pba)