100 Jahre Diözesan-Caritasverband

"Sie geben der Liebe Gottes Hand, Fuß und Herz!"

19.11.2021 15:16

Jedes Jahr zum 19. November feiert die Caritas in Deutschland ihre Schutzpatronin, die Heilige Elisabeth von Thüringen (1207–1231), uneigennützige sperrige und tiefgläubige Landgräfin, die ihr Leben und ihren Reichtum den Armen und Kranken ihrer Zeit widmete. Für die Caritas ist das immer ein Tag der Vergewisserung des eigenen Auftrags, der eigenen Haltung und Sendung sowie der eigenen Dienstgemeinschaft. So war es auch am Freitag für den Caritasverband für die Diözese Augsburg. Eigentlich wäre es ein ganz besonderer Tag gewesen, war doch der Abschluss des 100-jährigen Jubiläums des Diözesan-Caritasverbandes geplant gewesen. So feierte man im kleineren Rahmen gemeinsam mit Bischof Dr. Bertram Meier den Gottesdienst im Dom.

Bischof Bertram: "Die Caritas ist mehr als ein sozialer Träger" (Foto und Text: Caritas Augsburg / Bernhard Gattner).

So feierte man im kleineren Rahmen gemeinsam mit dem Augsburger Bischof Dr. Bertram Meier den Gottesdienst im Dom, musikalisch begleitet von Robert Haas und dessen Band, der zum zweiten Mal im Dom den Caritas-Jubiläumssong „Mensch sein für Menschen“ zum Klingen brachte. Danach stand der Bischof Corona-bedingt im kleinen Kreis Rede und Antwort zu kritischen Fragen beim Caritas-Talk vor der Kamera. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Caritasverbandes war der Besuch des Bischofs ein Novum. Er war zum ersten Mal im Caritas-Haus. „Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein“, sagte er. „Ich werde wieder kommen.“

Die Caritas ist dem Bischof nicht einerlei, kein Wohlfahrtsverband wie der andere. „Mir ist die Caritas ein wichtiges Anliegen, ein kirchlicher Dienst, wenn Sie für ihre Klienten arbeiten. Ich bin dankbar dafür, dass es Sie gibt. Allerdings legte der Bischof Wert darauf, dass es nicht ausreiche, von Dienstgemeinschaft zu reden, „aber nicht die Caritas zu leben, mit Herz zu erfüllen und sich mit dem Auftrag der Caritas und der Kirche, die die Caritas im Schlepptau hat, zu identifizieren, das geht in meinen Augen nicht.“ In seiner Festpredigt stellte er deshalb den Caritas-Mitarbeitern und -Mitarbeiterinnen ihre Schutzpatronin vor Augen. Das Leben der Heiligen sei ihre Antwort als Christin auf „Gottes Liebesofferte“ gewesen.

Bischof Bertram warnte aber gleichzeitig vor einem süßlichen falschen Bild der Caritas-Patronin. Sie sei aber nicht eine Heilige geworden, weil sie gehorsam, lieb und nett gewesen sei. Im Gegenteil. Sei brüskierte notfalls die sogenannte Gesellschaft bei einem Festmahl. Sie weigerte sich, es einzunehmen, weil es nur durch Raub und Plünderungen bei den Armen möglich geworden war. Es sei ihr um „Wahrhaftigkeit, Glaubwürdigkeit und Stimmigkeit“ gegangen. Gute Werke allein, das war ihr zu wenig.

Elisabeth wurde auch nicht zu „einer starken Frau der Kirche“, wie der Bischof sie in seiner Predigt nannte, weil sie bedürfnislos gewesen sei. „Elisabeth war Frau, ganz Frau mit Leib und Seele, sie stand zu Sinnlichkeit, Leiblichkeit und Sexualität“. Das, was Elisabeth auszeichne, sei, dass sie verstanden hätte, dass „Liebe mehr ist als Erotik“. „Liebe ist Agape, Caritas, die den Kreis der Intimität mit einer Person aufsprengt und sich für viele andere öffnet.“

Den Caritas-Mitarbeitern und -Mitarbeiterinnen legte der Bischof das Beispiel der Schutzpatron ans Herz. Denn die Caritas sei mehr als nur ein Verband mit Satzung, Organigramm und Struktur. Es gelte den „Mehrwert der Caritas“ zu zeigen und zu leben. „Denn Sie sind mehr als ein sozialer Träger. Sie geben der Liebe Gottes Hand, Fuß und Herz...Wenn Sie nah an den Menschen dranbleiben – bei Wahrung der Abstandsregeln“, so der Bischof weiter, „dann ist das mehr als eine menschliche Geste oder eine professionelle Berufstätigkeit. Sie bringen keinen Geringeren als Christus. Das ist ein hoher Auftrag.“

Nach dem Gottesdienst versammelte man sich zunächst im Innenhof des Caritas-Hauses zu einer kurzen Brotzeit. Hier nutzte der Bischof die Gelegenheit, mit Caritas-Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen persönlich zu sprechen. Danach nahm sich der Bischof über eine Stunde für den Caritas-Talk Zeit. Ihn moderierte vor der Kamera gekonnt die wissenschaftliche Referentin des Münchner Amerika–Hauses, Dr. Margaretha Schweiger-Wilhelm. Die Fragen, die sie ihm stellte, hatten die gut 300 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Diözesan-Caritasverbandes zuvor gesammelt.

Auch hier unterstrich er mehrfach, wie wichtig der Caritasverband für ihn ist. „Wenn es die Caritas nicht gäbe, fehlte nicht nur der Kirche etwas, sondern auch der Welt“. Die Kirche springe auch einfach zu kurz, wenn sie sich nur auf Katechese und den Gottesdienst beschränke. So sicherte er dem Caritasverband zu: „Wenn es nach mir geht, möchte ich die Caritas mindestens so belassen, wie sie ist.“

Diese Zusicherung erstreckte sich nicht allein auf die finanzielle Förderung. Die Caritas hat für ihn auch einen kirchlichen – ideellen Wert. „Durch die Caritas bieten wir den Menschen die Botschaft Jesu Christi ohne das Ziel des Vollkatholizismus an.“ Auch die für die Caritas Tätigen müssten sich nicht im inneren Kreis der Kirche aufhalten. Wer für die Caritas arbeite, so seine Erwartung, muss deshalb nicht diesem inneren kirchlichen Kreis angehören, aber er muss den Mut haben, an den Rand der Gesellschaft zu gehen und andere Wege zu wagen. Aber eines erwartet der Augsburger Bischof dann doch: Auch wenn man von der Kirche enttäuscht sei, „was ja möglich und zuweilen verständlich ist“, „dann bitte werben sie für ein differenziertes, faires Urteil über die Kirche.“