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1000 JAHRE ALTE FRESKEN IM AUGSBURGER DOM. Neuentdeckung aus der Erbauungszeit des ottonischen Doms

11.05.2022 16:55

Abendveranstaltung im Akademischen Forum am Dienstag, 10. Mai 2022

Unter der Moderation von Prof. Dr. Gerda Riedl (Mitte) stellten sich Bauingenieur Reinhold Winkler (links) und die Restauratorin Angelika Porst (rechts) den Fragen der zahlreichen Teilnehmer

übermalt – verputzt – vergessen

Im Augsburger Dom versteckte sich lange ein unerkannter kunsthistorischer Schatz: Bei Untersuchungen im südlichen Querhaus wurden Wandmalereien entdeckt, die aus der Erbauungszeit des ottonischen Doms stammen und in das erste Jahrzehnt des 11. Jahrhunderts zurückreichen. Mit diesem Bilderzyklus ist das älteste Zeugnis für die Ausmalung einer frühmittelalterlichen Bischofskirche nördlich der Alpen bekannt geworden.

In einem ersten Vortrag fasste Bauingenieur Reinhold Winkler seine Untersuchungen an der Bausubstanz des Augsburger Doms zusammen: Hier können eindeutig verschiedene Bauphasen nachgewiesen werden, die von einem karolingischen Kirchenbau bis zu einem Kathedralbau aus ottonischer Zeit reichen. Der karolingische Kirchenbau wurde bei Einfällen der Ungarn stark beschädigt und unter Bischof Ulrich in kurzer Zeit wieder aufgebaut. Nach einem Einsturz im Jahr 994 wurde unter Bischof Liutold ein grundlegender Neubau als dreischiffige doppelchörige Anlage mit einem breitem westlichen Querhaus errichtet. Hier wurde später ein steileres Dach aufgesetzt (1178). Entscheidende Hinweise zum Alter der Bausubstanz lieferten hierbei dendrochronologische Untersuchungen an den Bauhölzern.

Bei Restaurierungsmaßnahmen am Dachstuhl im Jahr 2009 stieß man auf nachweislich bauzeitliche Wandmalereien, die oberhalb der gotischen Gewölbe noch erhalten sind. Bisher sind nur die oberen Teile des Registers zu fassen. Unter der Leitung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege konnten diese Malereien erstmalig untersucht werden.

Die Restauratorin Angelika Porst konnte hier durch ihre Arbeit an den Fresken entscheidende Hinweise auf die ottonische Ausmalung der Kathedrale liefern und stellte in ihrem Vortrag Ergebnisse ihrer Arbeit vor. So sind gerade die Erkenntnisse der Untersuchungen zur oberen Putzkante des Mäanderfrieses im Langhaus ein wichtiger Baustein, wie farbenprächtig man sich die Ausgestaltung der Kathedrale vorzustellen hat. Von großem Interesse ist auch der figürliche Zyklus unterhalb des Fries: nimbierte Heilige und weitere Figuren sind erkennbar. Vermutlich handelt es sich dabei um alttestamentliche Prophetengestalten. Das Motiv könnte später in den romanischen Prophetenfenstern nochmals aufgegriffen worden sein.

Detailliert stellte Frau Porst die Arbeiten an der Christopherus-Darstellung vor, die mehrmals im Laufe der Jahre dem „Zeitgeschmack“ angepasst wurde. Des Weiteren konnten zwei Szenen sowie die Reste einer dritten identifiziert werden: erhalten hat sich an der Ostwand eine Hinrichtungsszene mit einem thronenden Herrscher sowie eine Grablegungsszene eines enthaupteten Mannes, der von Jüngern in typischer Trauergeste beweint wird. Ob es sich hierbei um eine Darstellung Johannes des Täufers handelt ist nicht einwandfrei festzustellen. Hier können nur weitere Forschungen zur Klärung beitragen.

Fazit: Erst seit wenigen Jahren wird der Bauabschluss wesentlicher Teile des Augsburger Domes in das Zeitalter der Ottonen datiert. Der Augsburger Dom ist damit ein einzigartiges und herausragendes Zeugnis des Mittelalters, der durchaus noch viele offene Fragen zur Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte aufweist.