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Predigt beim Eröffnungsgottesdienst zur Familienwallfahrt in Sacrofano

„Insieme a te – gemeinsam mit Dir“

20.05.2026 15:00

Liebe Kinder und Jugendliche, liebe Wallfahrerinnen und Wallfahrer, Benvenuti in Italia! Come state? Tutto bene? Keine Angst, ich werde jetzt nicht auf Italienisch predigen. Aber ich wollte Euch nochmal ganz herzlich in der Landessprache willkommen heißen und Euch fragen, wie es Euch geht. Schön, dass wir alle gut angekommen sind, hier in Sacrofano, unweit von Rom, und dass wir die Familienwallfahrt mit einem gemeinsamen Gottesdienst beginnen.

Wenn ich mir dieses große Banner [vgl. Aktion vor der Predigt] so anschaue, erkenne ich ein Tier. Wer kann mir sagen, welches? Richtig, ein Fisch. Aber warum gerade ein Fisch? Weiß es jemand?[1] Als vor zweitausend Jahren die Römer in Europa herrschten, war es unter Todesstrafe verboten, Christ zu sein. Um sich trotzdem treffen und heimlich Gottesdienst feiern zu können, haben die ersten Christen darum ein geheimes Zeichen vereinbart, an dem sie sich erkennen konnten. Dieses war ein Fisch, weil das griechische Wort für Fisch („Ichthys“) aus fünf Buchstaben bestand, die als Code fungierten, insofern jeder Buchstabe für ein eigenes Wort stand: Der erste, das „Iota“, für „Jesus“; der zweite, das „Chi“, für „Christus“; dann das „Theta“ für „Gott“, das „Ypsilon“ für „Sohn“; und schließlich das „Sigma“ für „Retter“. Somit ergab sich die Formel „Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter“. Daran glaubten die ersten Christen und konnten sich mit Hilfe dieses Fisch-Symbols einander zu erkennen geben. Schaut mal, ob Ihr dieses Zeichen in den nächsten Tagen vielleicht nochmal irgendwo seht. Oder malt es selbst auf ein Stück Papier und zeigt den anderen damit, dass auch Ihr Christen seid!

Wenn Ihr vorhin aufgepasst habt, konntet Ihr außerdem im Evangelium hören, dass es da ebenfalls um Fische ging, genauer, um Petrus, der mit anderen Jüngern zum Fischen ging. An diesem Tag aber konnte er überhaupt nichts fangen. Erst als plötzlich ein Mann am Ufer stand und ihm sagte, wo genau er die Netze auswerfen muss, fing er so viele Fische, dass er sie kaum einholen konnte. Wer mag wohl dieser Mann gewesen sein? Petrus und die anderen haben es erkannt: Es war Jesus, der sie kurz danach einlud, mit ihm zusammen die Fische am Lagerfeuer zu essen.

Eine wunderbare Geschichte, die uns einiges sagt, worüber wir als Pilgergruppe in den kommenden Tagen nachdenken können:

  1. Wir alle haben unseren Alltag und müssen in unserem Leben Aufgaben erfüllen, damit es uns gutgeht, zunächst in der Schule und in der Ausbildung, später in Beruf und Familie. Da passiert es jedem von uns, dass wir - wie einst Petrus – auch einmal an einer Aufgabe scheitern, vor allem, wenn wir meinen, alles allein schaffen zu können. Wirklich stark sind wir nur mit Gott. Insieme a te – gemeinsam mit Dir, das ist ja unser Motto für diese Familienwallfahrt, das wir vorhin schon gesungen haben.
    Nutzen wir diese Tage also besonders dafür, die Gemeinschaft mit Gott zu suchen, indem wir die geistlichen Angebote nutzen, in der Bibel lesen, die heilige Messe feiern, beten oder einfach in der Stille hören, was Gott uns ganz persönlich sagen will. Wenn wir das tun, dürfen wir darauf vertrauen, dass Jesus auch zu uns kommt und uns helfen will, den richtigen Weg im Leben zu finden.
    Vorbilder können uns dabei die beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus sein, die hier in Rom beerdigt sind. Von ihnen können wir lernen, was es heißt, auf Jesus zu hören.
     
  2. Petrus war, wie wir wissen, ein einfacher Fischer, bis Jesus ihm eines Tages begegnete und sagte, dass er ihm nachfolgen und von nun an Menschen fischen d. h. für den Glauben gewinnen soll. Später trug er ihm sogar auf, die Schar seiner Gläubigen zu führen, wodurch er zum ersten Papst der Kirchengeschichte wurde. Warum ausgerechnet Petrus, der nicht besonders gebildet war? Was hat sich Jesus dabei gedacht? Ich glaube, er wusste, wie sehr Petrus nach Gott suchte und davon überzeugt war, ihn in Jesus gefunden zu haben. Zugleich sah er die große Liebe, die Petrus in seinem Herzen trug.
    Und dann ist da Paulus, der auch als Mensch alles andere als fehlerfrei war, an einem bestimmten Punkt aber erkannte, dass Gott wirklich in Jesus Christus zu den Menschen gesprochen und ihnen gezeigt hat, wie wir auf dieser Erde leben sollen. In seinem Brief an die Christen in Ephesus, den wir vorhin gehört haben, fasst Paulus es so zusammen: „Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens!“ (Eph 4,2f.) Wir sollen also alle gut und liebevoll miteinander umgehen, gerade wenn wir mal nicht einer Meinung sind. Für die Erwachsenen unter uns: Das ist in gewisser Weise auch das Grundrezept von Synodalität, von welcher der verstorbene Papst Franziskus einst sagte, dass dies die Aufgabe sei, die Gott sich von der Kirche des dritten Jahrtausends erwartet.
     
  3. Und schließlich noch ein letzter Gedanke: Die Geschichte vom Fischfang kann uns nicht nur lehren, Gott zu lieben und unsere eigene Berufung zu erkennen, sondern auch, einander zu lieben und uns gegenseitig zu unterstützen. Petrus hätte das Netz niemals allein ans Ufer ziehen können. Er brauchte die Hilfe der anderen. Darin dürfen wir durchaus auch ein Bild für unsere Kirche sehen, insofern kein Papst, kein Bischof, kein Priester - und auch kein Laie - ohne die Gemeinschaft der anderen Kirche sein kann. Jesus wollte keine Einzelspieler, sondern ein Team, wie beim Fußball. Darum möchte ich Sie auch in diesem Sinne einladen, unsere Familienwallfahrt als Gelegenheit zu sehen, mit anderen ins Gespräch zu kommen, Zeit miteinander zu verbringen und sich über den Glauben auszutauschen. Es würde mich sehr freuen, wenn in diesen Tagen neue Freundschaften entstünden, wenn wir uns als Glaubensgemeinschaft erleben und miteinander Gott loben, der uns alle hierher geführt hat. Insieme a te, gemeinsam mit IHM, dürfen wir uns diese Woche verbunden fühlen und erfahren, welche Kraft und welche Freude im Glauben steckt.

Das wünsche ich uns allen und wiederhole noch einmal, was wir im Eingangslied gesungen haben: Roma aeterna, siamo qui! Ewiges Rom, wir sind hier. Wer glaubt, ist nie allein!

[1] Zur Erklärung: Die Kinder haben während der Busfahrt eine Geschichte erzählt bekommen, in welcher es darum ging, dass die ersten Christen ein geheimes Erkennungszeichen hatten.