Mastodon

12.02.2014 17:21

Kolloquium am 7. Februar 2014 mit dem Pariser Philosophen Rémi Brague

Prof. Dr. Rémi Brague

Die selbstzerstörerische Tendenz der Säkularisierung

Die Zeichen der Zeit sind unübersehbar: eine zunächst schleichende Säkularisierung hat inzwischen radikal und tief die Gesellschaft erfasst. Die Leugnung oder die Gleichgültigkeit gegenüber Gott und Religion werden oft als Forderung des wissenschaftlichen Fortschritts und eines neuen Humanismus ausgegeben. Im Mittelpunkt steht dabei der individuelle und autonome Mensch, der sich nicht mehr religiös, sondern eben weltlich begründet – mit allen Konsequenzen.

Auf der Grundlage dieser gesellschaftlichen Tendenz referierte der französische Philosoph Rémi Brague, Professor an der Pariser Sorbonne und Inhaber des Münchner Romano-Guardini-Lehrstuhls, über das Verständnis von Säkularisierung und die Zukunft einer Gesellschaft, die sich zunehmend säkularisiert entwickelt.

Mit großer Klarheit und auch spürbarer Lust zur geistreichen Provokation formulierte Professor Brague im ersten von zwei Referaten "10 Schritte zur Säkularisierung", wobei er Begriffe und Termini wie "Entzauberung der Welt", "Trennung des Weltlichen und des Religiösen", "Neuzeit", "Emanzipation", "Aufklärung", "Modernisierung", "Säkularisation", "Säkularität", "Säkularismus" sowie "Säkularisierung" scharfsinnig voneinander unterschied.

Im zweiten Referat formulierte er die provokante These, dass säkulares Denken zur Kultur- und Selbstzerstörung führen müsse. Rémi Brague rief am Ende seines Vortrages dazu auf, den dialogischen, bejahenden Gott der Bibel zu verteidigen. Das Christentum sei eine Religion der Vernunft und der menschlichen Freiheit.