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17.02.2014 17:27

Studiennachmittag am 14. Februar 2014 im Akademischen Forum mit dem Theologen, Pädagogen und Glücksforscher Anton Bucher

Prof. Dr. Anton Bucher und Frau Renate Schweizer, Leiterin Referat Bildung und Entwicklung Caritasverband Augsburg

"Die Dankbaren sind glücklicher"

Drei Fragen an den Glücksforscher Anton Bucher zu Wegen zum Glück

Jeder Mensch kann sein Glück mit einfachen Mitteln selbst beeinflussen - davon ist Anton Bucher überzeugt. Der Theologe und Glücksforscher von der Universität Salzburg erklärt, wie das funktioniert.

epd: Herr Bucher, was ist Glück überhaupt und wodurch drückt es sich aus?

Bucher: Glück ist eine angeborene Emotion. Wer Glück empfindet, dessen Augen weiten sich, seine Augenbrauen heben sich, er lächelt. Das gilt selbst für Menschen, die blind geboren sind und das nie bei jemand anderem gesehen haben. Glück wird dabei zu den unterschiedlichsten Anlässen empfunden. Manche Menschen spüren bei Dingen Glück, die anderen die Haare zu Berge stehen lassen.

epd: Gibt es dann überhaupt einen allgemeinen Weg zum Glück?

Bucher: Die Glücksforschung unterscheidet verschiedene Strategien, um zum Glück zu kommen. Viele Menschen glauben, dass sich durch das Erreichen eines bestimmten Ziels, wie die Geburt des ersten Kindes, nachhaltiges Glück einstellt. Das funktioniert aber nicht dauerhaft, weil sich die Lebensumstände schnell daran anpassen. Bewährt hat sich dagegen eine Umstellung der Verhaltensweisen. Etwa wenn Menschen versuchen, sich eine Kultur der Dankbarkeit anzueignen. So sind in einem Experiment Menschen gebeten worden, jeden Abend aufzuschreiben, wofür sie an diesem Tag dankbar sein können - auch für kleine Dinge wie eine freundliche Verkäuferin. Eine andere Gruppe hat dagegen aufgeschrieben, wie oft sie sich geärgert hat. Die Dankbaren waren schon nach wenigen Wochen signifikant glücklicher.

epd: Sie sind Glücksforscher und Theologe: Sind Gläubige glücklicher als Nicht-Gläubige?

Bucher: In den USA wurde nachgewiesen, dass Republikaner und Evangelikale glücklicher sind. Das hängt aber auch mit sozialen Faktoren zusammen: Sie erfahren als Gläubige in ihrer Gruppe meist große Unterstützung. Zudem denken sie im Gegensatz etwa zu den liberaleren Demokraten nicht so viel darüber nach, was der richtige Glaube ist. Es hat in der Kirchengeschichte aber auch viele Frömmigkeitsformen gegeben, die glücksmindernd waren. Etwa die Lehre, dass wir auf Erden sind, um die Gebote Gottes zu befolgen und so die himmlische Glückseligkeit zu erlangen - aber nicht, um schon auf Erden glücklich zu sein. Wer gegen die Gebote handelte, galt als Sünder und war weniger wert. Das hat die Menschen eher in Melancholie oder sogar in Depressionen getrieben, anstatt sie glücklicher zu machen.

Daniel Wenisch, Evangelischen Pressedienst (epd), 13.2.2014

Der Studiennachmittag fand in Kooperation mit Caritasverband für die Diözese Augsburg, Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg, Arbeitsgemeinschaft katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen und Jugendsozialarbeit in der Diözese Augsburg statt.