16.04.2015 16:04

Erweitertes Führungszeugnis für Ehrenamtliche in Büchereien

Unsere Büchereien leben von dem persönlichen Engagement von vielen Menschen, die sich ehrenamtlich einsetzen. Sie treffen dabei auf Hunderte von Besuchern, während den Ausleihstunden in den Büchereien und bei den unterschiedlichsten Veranstaltungen, die für jung und alt angeboten werden. Kinder und Jugendliche sind dabei häufig die zahlenmäßig stärkste Gruppe bei der Zahl von Büchereibenutzern und –besuchern, aber auch eine wichtige Zielgruppe von unterschiedlichsten Veranstaltungen, die die Büchereien anbieten.

Zum 1. Januar 2012 ist das Bundeskinderschutzgesetz mit einer Reihe von Regelungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen neu in das Kinder- und Jugendhilfegesetz ( § 72a, SGB VIII) aufgenommen worden. Es verfolgt das Ziel „einschlägig vorbestrafte Personen von der Wahrnehmung von Aufgaben in der Kinder- und Jugendhilfe fernzuhalten bzw. auszuschließen und damit Kindeswohlgefährdungen vorzubeugen“. Das Gesetz soll Kinder und Jugendliche vor Gewalt und sexuellem Missbrauch schützen.

In den einzelnen Landkreisen bzw. kreisfreien Städten sind die jeweiligen Jugendämter für die Umsetzung dieses Gesetzes zuständig, im exemplarisch genannten Landkreis Augsburg das Amt für Jugend und Familie. Im Landkreis Augsburg fanden z.B. im Verlauf der letzten Monate in allen Kommunen Informationsveranstaltungen für Vereine, Verbände und Träger der freien Jugendhilfe statt, in denen die jetzige Rechtslage ausführlich erläutert wurde.

Im Gespräch mit dem Amt für Jugend und Familie kristallisierte sich heraus, dass das erweiterte Führungszeugnis nur für einen sehr kleinen Kreis von Ehrenamtlichen in Büchereien und Veranstaltungen erforderlich sein wird. Nicht betroffen sind die „normale Ausleihsituation“, aber auch zeitlich begrenzte Veranstaltungen, z.B. Vorlesestunden, Bilderbuchkinos, Klasseneinführungen, Kinderfeste und Projekttage (z.B. im Rahmen von Ferienprogrammen).

Erforderlich wird ein erweitertes Führungszeugnis dagegen bei längeren Tätigkeiten mit Kindern, genannt sei hier die „klassische“ Büchereinacht mit Übernachtung, da hier „von einer erhöhten Intensität des Kontakts zu den Teilnehmern auszugehen“ ist.

In diesem Fall kann das erweiterte Führungszeugnis von ehrenamtlich Tätigen gebührenfrei beantragt werden. Für den Bereich der Diözese Augsburg kann ein „Formular zur Beantragung eines erweiterten Führungszeugnisses“ im Internet heruntergeladen (s. a. unten) werden. Mit der Bestätigung des Büchereiträgers (Pfarramt oder Gemeinde) über die ehrenamtliche Tätigkeit in der Bücherei wird das Zeugnis über das zuständige Einwohnermeldeamt beantragt und kostenfrei den Ehrenamtlichen vom Bundesamt für Justiz in Bonn zugesandt.

Erfreulicherweise ist daher der Großteil der Ehrenamtlichen in unseren Büchereien von der Notwendigkeit, ein erweitertes Führungszeugnis zu beantragen, nicht betroffen. Durch das neue Bundeskinderschutzgesetz will der Gesetzgeber den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch verbessern, strebt aber nicht an, dass alle ehrenamtlich Tätigen ein Führungszeugnis vorlegen müssen.

Nähere Informationen dazu:

Da Details unterschiedlich geregelt sein können, wird empfohlen, sich vor Ort bei den zuständigen Jugendämtern der Landkreise bzw. der kreisfreien Städte und bei den in allen bayerischen Diözesen eingerichteten Stellen für Prävention gegen sexuellen Missbrauch zu informieren.

Zur Hintergrundinformation s.a. „Aufklärung und Vorbeugung – Dokumente zum Umgang mit sexuellem Missbrauch im Bereiche der Deutschen Bischofskonferenz“ (=Arbeitshilfen Nr. 246), hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenzt, 2. Auflage, Bonn 2014.