Mastodon

Die mittelalterlichen Glasmalereien in Augsburg und Bayerisch-Schwaben

25.07.2022 10:51

Der Augsburger Dom besitzt mit seinen berühmten Prophetenfenstern herausragende Höhepunkte der mittelalterlichen Glasmalerei. Der Freiburger Kunsthistoriker Daniel Parello hat nach mehrjähriger intensiver Forschungsarbeit die Schätze mittelalterliche Glasmalerei in Augsburg und Bayerisch-Schwaben erfasst und in einem umfangreichen prachtvollen Band herausgegeben.

Parello, Daniel : Die mittelalterlichen Glasmalereien in Augsburg und Bayerisch-Schwaben. - Berlin : Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, 2022. - 559 Seiten : zahlreiche Illustrationen, Karten.
(Corpus vitrearum medii aevi Deutschland 12) 98,00 €, ISBN 978-3-87157-258-6.

Das Forschungsprojekt Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, den Gesamtbestand mittelalterlicher Glasmalerei in Deutschland wissenschaftlich zu erschließen. Der nun im Deutschen Verlag für Kunstwissenschaft Berlin erschienene großformatige Band zu den Glasmalereien in Augsburg und Bayerisch Schwaben umfasst 209 Glaskunstwerke an 24 Standorten.  

Im Augsburger Mariendom befinden sich alleine 75 % der erfassten Glasmalereien, darunter die bedeutenden fünf überlebensgroßen romanischen Prophetenfenster und das Thron-Salomonis-Fenster. Gebührenden Raum erhalten auch die Darstellung der Verglasung der Fuggerkapelle in Augsburg St. Anna und die hochwertigen und öffentlich nicht zugänglichen Glasgemälde aus der Abtskapelle der Sakristei von St. Ulrich und Afra. Als bedeutendste Wirtschafts- und Finanzmetropole neben Nürnberg entwickelte sich Augsburg  über Jahrhunderte hinweg zu einem bedeutenden kulturellen Zentrum. Wertvolle Zeugnisse der Augsburger Glasmalereikunst als Bestandteil sakraler Architektur finden sich in zahlreichen Kirchen Süddeutschlands, Österreichs und Südtirols. Gegen Ende des Mittelalters entstanden in den Werkstätten von bedeutenden Künstlern wie Hans Holbein dem Älteren und Jörg Breu auch Glasmalereien zu profanen Themen. Der sorgfältig erarbeitete und mit herausragenden Illustrationen versehene Band erschließt umfassend die Schätze der Glasmalerei des Mittelalters. Die leuchtenden Farben faszinieren und führen in zahlreichen Detaildarstellungen in die Symbolwelt der Glasfenster aus der Zeit der Romanik und der Gotik ein. Eine differenzierte Einleitung spannt den kunstgeschichtlichen Bogen vom Beginn der Romanik bis zur Zeit der Renaissance und verdeutlicht die Bedeutung Augsburgs als überregional ausstrahlendes Zentrum der sakralen Glasmalerei. (Peter Hart)