Friedensmacht

11.05.2022 13:44

Der Einsatz der Päpste als Friedensvermittler, für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechte, steht im Mittelpunkt der Buchneuerscheinung zur vatikanischen Außenpolitik des Augsburger Kirchengeschichtlers Jörg Ernesti.

Jörg Ernesti : Friedensmacht: die vatikanische Außenpolitik seit 1870. – Freiburg : Herder Verl., 2022. – 367 S. : Abbildungen; 34,00 €, ISBN 978-3-451-39199-6.

„Nichts ist mit dem Frieden verloren. Aber alles kann mit dem Krieg verloren sein!“ Mit diesen Worten einer Radiobotschaft vom 24. August 1939 rief der damalige Papst Pius XII. dazu auf, den Frieden in Europa zu bewahren. Die päpstliche Friedenspolitik folgte seit 1870, nach dem Verlust des Kirchenstaates, einer langen Tradition in ihrem Einsatz um Friedensvermittlung. Alle Päpste hatten, beginnend mit Papst Leo XIII., zwischen 1878 und 1978 meist eine diplomatische Ausbildung. Ihre Bemühungen um Friedensvermittlung waren stets von dem Willen zur strengen Neutralität gegenüber Kriegs- und Konfliktparteien geprägt. So war der vermittelnde Einsatz von Johannes XXIII. bei der Kubakrise im Jahr 1962 ein wichtiger Beitrag bei der damaligen Bewahrung des Weltfriedens. Papst Johannes Paul II. vermittelte erfolgreich von 1978 bis 1980 im Beagle-Konflikt zwischen Argentinien und Chile. Maßgeblich trug er zum Fall des eisernen Vorhangs, zum Umbruch der osteuropäischen Staaten und zur Beendigung des Kalten Krieges bei. Andererseits scheiterten päpstliche Bemühungen in den großen Konflikten des Ersten und Zweiten Weltkrieges und im Vietnamkrieg. Neben der klassischen Friedensvermittlung setzt sich der Heilige Stuhl, gerade auch unter Papst Franziskus, für vielfältige humanitäre Aktivitäten, Menschenrechte, Flüchtlings- und Umweltschutz ein. Das generelle Bestreben nach strikter Überparteilichkeit und der Verzicht, einen Aggressor zu verurteilen, ist aktuell nicht unumstritten im anhaltenden Krieg in der Ukraine. Dr. Jörg Ernesti, Professor für Mittlere und Neue Kirchengeschichte an der Universität Augsburg,  gelingt eine gut lesbare, durch zahlreiche Bilddokumente angereicherte Einführung in die vatikanische Außenpolitik im Zeichen der Friedenssicherung und –bewahrung. (Peter Hart)